Geburt einer Erweckung

Bohemian Love Child 109

 

„Darum, siehe, will ich weiterhin wunderbar mit diesem Volk handeln, wunderbar und wundersam. Und die Weisheit seiner Weisen wird verlorengehen und der Verstand seiner Verständigen sich verbergen.“ (Jesaja 29,14)

Etwas Neues geschieht im Lande – und es ist das, worauf wir so lange sehnsüchtig gewartet haben und worauf alle unsere Gebete sich richteten. Aber eigentlich geschieht es nicht, sondern wird geboren. „Zion bekommt Wehen und gebiert seine Söhne“ (Jesaja 66,9). Das Prinzip „Geburt“ zu verstehen, ist für uns als Beter sehr wichtig, denn Gott bringt sein Reich anders hervor, als wir Menschen unsere Reiche hervorbringen – und dies gilt auch für die Kirche, die zur Zeit ja ganz nach „weltlichen“ Methoden vorgeht, um „Gemeinde zu bauen“ und nicht zu gebären.

Nun geht der Geburt stets eine Schwangerschaft voraus, in der das, was geboren werden wird, ausgetragen wird. In diesem Prozess der Schwangerschaft und des Austragens befinden wir uns m. E. in Deutschland seit vielen Jahren, es dauert mit der Geburt viel länger, als ich gedacht habe. Sie ist umkämpft und wird durch viele Faktoren verzögert, einer davon ist der, daß nur wenige Christen bereit sind, die Leiden einer geistlichen Schwangerschaft auf sich zu nehmen und alle ihre Stadien bis zum Ende durchzustehen. Es gab und gibt viele geistliche Früh- und Totgeburten in unserem Land.

Wollen wir uns noch einmal die biblischen Fakten vor Augen halten: Als Gott daranging, die Welt zu retten, sandte er nicht eine neue Methode bzw. Offenbarung, ein weiteres frommes Gesetzbuch oder einen religiös-politischen Führer, sondern er ließ ein Kind geboren werden… damals, in Bethlehem geschah es. Das wurde vom Establishment seiner Zeit völlig übersehen und auch die Zunft der Schriftgelehrten fand sich zur Feier der Geburt im Stall nicht ein. Es war einfach ein zu profaner und ärmlicher Kontext, in dem das Wunderbare geschah, eine zu unberechenbare und widersinnige Zusammenfindung von verrückten Ereignissen, seltsamen Personen und unerwarteten himmlischen Fügungen, als das die damalige Welt und Kirche (Synagoge) das hätte begreifen oder „managen“ können, was geschah.

Genau so verhält es sich heute, ganz genau so. Wir müßen ein Auge für die „unscheinbaren Orte“ und die „widersinnige Zusammenfindung von Ereignissen, Personen und himmlischen Fügungen“ entwickeln. Ich denke, auch damit sind viele von uns seit langem beschäftigt und haben geradezu einen „sechsten Sinn“ für Gottes „eigenartige“ Führung entwickelt.

Die Geburt Jesu, des Retters und Messias, der ja angeblich so sehr von der Synagoge erwartet wurde, ging komplett an ihr vorbei. Heute lesen wir die entsprechenden Evangeliums-Texte, die uns so vertraut sind, packen sie in ein rührseliges Weihnachtsfest mit Krippenspiel in der geschmückten Kirche und trinken Punsch auf dem Weihnachtsmarkt – und sind fertig mit der Sache. Aber die „Sache“ ist nicht fertig mit uns!

Gott geht in der Geschichte der Menschheit immer wieder den Weg der Überraschung, der Abweichung vom Gewohnten und Gehabten, er bricht die Regeln und Etiketten, umgeht die Formalien und religiösen Vorschriften und läßt die Zukunft weit außerhalb unserer frommen Organisationen geboren werden – damit sie keine Kirche exklusiv für sich vereinnahmen kann und womöglich die „Rechte“ daran für sich beansprucht!

Vielleicht stimmen wir mit dieser Sichtweise überein, weil wir die Bibel und Geschichte der Erweckungen gelesen und darin entdeckt haben, wie „verrückt“ die Wege eigentlich sind, die Gott von Anbeginn bis heute mit seinen Leuten bzw. seinem Volk geht.

Allerdings kann es sehr gut sein, daß wir uns schon wieder oder immer noch in einer routinierten Kirchlichkeit befinden, in der alles bis zum Letzten geplant, geregelt und festgelegt ist und Abweichungen vom Programm nicht vorgesehen sind. Achtung! Gott wird erneut „wunderbar und wundersam“ an uns handeln und die „Weisheit der Weisen und den Verstand der „Experten“ umgehen“ (Jesaja 29.14).

Ich finde, unsere Kirche war noch nie so gebildet und theologisch versiert wie heute. Wir haben all die Seminare, Hochschulen und sogar christlichen Universitäten mit all der akademischen Bildung, den Titeln und Ämtern. Wissen wir denn nicht alles, was es über Gott, Christus und die Bibel zu wissen gibt? Sollte unseren Bibelkommentaren noch irgendetwas hinzuzufügen sein, was nach 2000 Jahren Exegese nicht endgültig herausgearbeitet worden ist?

Nun, Gott scheint nicht den Weg der Exegese und der Experten zu gehen – damals nicht und heute immer noch nicht. Er läßt irgendwo jenseits der zertifizierten Hochschulen, ordinierten Kirchlichkeit und christlich lizenzierten Alleswisserei Kinder geboren werden. Christus hat uns nämlich gerufen und berechtigt, Kinder zu werden – zu nichts anderem, siehe Johannes 1.12-13 und Lukas 18,15-17. Dies dürfen wir nie vergessen!

Nun wollen die modernen Kirchen heute genauso wie die Synagoge damals keineswegs Kinder werden, sondern mächtige Institutionen aufrichten, die erfolgreich und effizient auf dem „Markt der Möglichkeiten“ operieren. Leider versteht ein Kind die Statuten und Richtlinien ihrer Ordnungen nicht, ist zu naiv für all die abstrakte Theologie und zu spontan für die gutbürgerliche Version kultivierter Frömmigkeit, die wir heute in unseren Gemeinden betreiben und so gerne mit dem Reich Gottes verwechseln.

Ein Kind lebt von Nähe, Berührung und Vertrauen. Diese Attribute lassen sich jedoch ausgesprochen schlecht „veranstalten“ oder in einem Seminar „lehren“.

Meine gute Nachricht für euch lautet: Ich habe sie gesehen: die Geburt des Kindes in den Hinterhöfen und Kellern jenseits des veranstalteten Christentums. Ich schätze mich glücklich, ein Zeuge der Geburt einer Bewegung zu sein, die sich so gänzlich unerkannt, unerwartet und unkontrolliert von der Zensur der Gebildeten, Zuständigen und Offiziellen vollzieht.

In unermüdlicher Beziehungsarbeit kultiviert sie Nähe, Berührung und Vertrauen. Sie geht geduldig mit der Heilung von Bitterkeit, Verletzung, Misstrauen und Isolation um, die die vielen Seelen vergiftet hat und Beziehungen in kindlichem Vertrauen und offener Liebe verunmöglicht.

Bei einer Geburt geht es nicht immer ganz „ordentlich“ und „sauber“ zu. Da wird geschrieen und geweint, gestöhnt und bis zur Agonie gekämpft. Da fallen alle Etiketten und Benimmregeln zur Seite, da geht es ans Eingemachte und keine Predigt wird gehalten, eine Geburt ist schließlich keine „Veranstaltung“ – und „Zuschauer“ sind unerwünscht; Schweiß und Blut sind der Preis, der für das neue Leben zu zahlen ist und nicht etwa der „Zehnte“. Wer je in einer Gebetsversammlung stand, in der das Schreien und Ringen wie in Wellen von Wehen die Gruppe durchfuhr, der weiß, wovon ich spreche.

Noch ist das Reich Gottes in der Öffentlichkeit der Gemeinden kaum zu finden, es arbeitet im Verborgenen und formiert sich dort in den geistlichen „Gebärmüttern“ der Gebetskreise.

Bei einer Geburt wird nicht nur ein Kind geboren, sondern auch ein Vater und ein Mutter – eine Familie. Und darum geht es. In letzter Zeit sind eine Reihe von Buchtiteln erschienen, wie etwa „Väter und Mütter, die die Welt prägen“ (Hrsg. Marco Gmür bei GloryWorld-Medien), die wirklich Hoffnungsvolles aus dem „Untergrund“ berichten, wo Dinge sich formieren, die für das gewohnte Denken der Kirche wirklich „zu wunderbar und wundersam“ sind.

In Bethlehem wurde ein Kind geboren und eine „heilige Familie“ gebildet. Kaum daß sie im Verborgenen entstanden war, wurde sie auch schon vom politisch-religiösen Herrschaftssystem verfolgt und mußte sich verstecken, bis die Zeit reif war. Ich glaube, wir befinden uns in einer ähnlichen Situation. Versteckt und oftmals diffamiert von offizieller Seite, halten wir im Gebet unsere Sehnsucht nach dem Reich Gottes hoch… und gehen auf einmal damit schwanger… brüten darüber Tag und Nacht… planen das Kinderzimmer… und suchen instinktiv andere Schwangere und werdende Eltern. Mit ihnen teilen wir die „Leiden“ und „Freuden“ der Schwangerschaft und bereiten uns vor auf das Finale. Dann wird nichts mehr sein, wie vorher.

Es wird kommen, es ist an der wachsenden Spannung der Bäuche und Aufregung der werdenden Eltern deutlich zu erkennen. Also rufe ich euch auf, durchzuhalten und „in guter Hoffnung“ zu sein. Noch ein Rat:

  • Laßt uns die Dinge nicht in fleischlicher Weise forcieren, sondern der Schwangerschaft und Geburt ihre eigene Dynamik und Zeit lassen. Nicht wir wollen sie führen, sondern sie soll uns führen.
  • Ein Kind, das geboren wird, braucht ein Zuhause voller Nähe, Berührung, und Vertrauen. Es braucht Familie. Familie ist „24-7“, viel intensiver als das traditionelle Veranstaltungstum. Familie kann man gar nicht „veranstalten“. Nur in einer familiären Art von Gemeinschaft finden wir zurück zur ursprünglichen Dimension von Gemeinde: „Alle Gläubiggewordenen aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam…“ (Apg 2,44), „Die Menge derer aber, die gläubig geworden, war ein Herz und eine Seele…“ (Apg 4,32). Dies ist keine doktrinäre Einheit, in der alle die Bibel gleich auslegen, sondern eine Herzenseinheit, in der das Leben Christi fließen kann.

Diesem Leben sind wir verpflichtet als „Diener des Geistes…denn der Geist macht lebendig. (2. Korinther 3,6).

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