Du bist ein Mensch!

„Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn.“ (1. Mose 1,28)

Faces 162Wenn wir uns darüber im Unklaren sind, was wir eigentlich sind, bzw. was es bedeutet, ein Mensch zu sein, haben wir schlechte Karten. Leider hat die Wissenschaft bis heute weder eine Antwort darauf, wer oder was Gott ist, noch darauf, was ein Mensch ist. Auch wenn er bis in die Atome hinein auseinandergenommen wird, ist er doch mehr als die Summe seiner physischen Teile, ja, das Wesentliche des Menschen ist unsichtbar, wir sprechen von der Seele und vom Geist.

Die Reduktion des Menschen auf das Äußere und die Materie, seine gänzliche Orientierung an materiellen Notwendigkeiten und Gegebenheiten, ist unmenschlich. Wir wurden für das Paradies geschaffen, nicht fürs Büro oder die Aldi-Kasse.

Jesus sagt, das Leben ist mehr als Nahrung und Kleidung und die endlose Sorge darum. Dieser „Mehrwert“ ist jedoch vielen modernen Menschen abhanden gekommen. Leider ist es auch kein Fach in der Schule, nein, der Mensch lernt, etwas anderes zu sein als ein Mensch. Er wird auf die Vollziehung von Funktionen vorbereitet, auf die Erfüllung von Rollen, Erwartungen und Vorgaben, aber aufs Leben bzw. aufs Menschsein?

Was soll das also bedeuten, dass wir „im Bilde Gottes“ geschaffen sind? Heißt das, wir sind wie er? Und wenn ja, dass wir nur sein können, die wir sind, wenn wir sein können, wie er ist?

Die Heilige Schrift legt nahe, dass dem so ist und dass wir uns selbst nur erkennen können, wenn wir IHN anschauen, so wie Kinder sich im Gesicht der Eltern finden. Wenn da kein Gesicht ist: keine Augen, die auf ihnen ruhen, kein Mund, der ihren Namen ruft, keine Ohren, die sie anhören, dann sind sie WAISEN und wissen nichts von Urvertrauen und Identität. Wenn niemand uns sagt, wer wir sind, oder uns etwas Falsches darüber beibringt, dann sind wir verloren. Zum Menschsein gehört offensichtlich ganz wesentlich, dass wir „Söhne und Töchter“ sind.

Tatsächlich besteht die Erlösung Jesu Christi darin, uns von Waisen zurückzuverwandeln in Söhne und Töchter. Dies gelingt nur auf dem Wege, dass wir das Angesicht des Vaters wieder zu sehen bekommen. Durch die Sünde war dies verunmöglicht worden, durch das Kreuz ist der Weg aber wieder freigeräumt worden, dass wir heimkehren können.

Viele behaupten, sie seien „Kinder Gottes“, jedoch haben sie ihren Vater noch nie gesehen, sondern wissen über ihn lediglich etwas aus der Bibel. Das reicht nicht! Kein Kind kann dadurch ein Kind sein, dass es fremde Berichte über seinen Vater in einem Buch nachliest. Die unmittelbare Erfahrung ist unerlässlich, und so lesen wir jene wunderbaren Worte:

„Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden auf diese Weise verwandelt in dasselbe (sein) Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es von dem Herrn, dem Geist, geschieht.“ (2Kor 3,18)

Paulus bringt uns mit diesen Worten zurück zum Anfang der Schöpfung, zurück ins Paradies bzw. in die „Herrlichkeit“. Er bringt uns zurück zum Menschsein. Uns ist es gegeben, IHN direkt anzuschauen, ohne irgendeine Schuld, Scham oder religiöse „Decke“ dazwischen, dies macht unsere Bedeutung als Menschen aus.

Den ganzen Tag mit Geld, Alltag und Sorgen beschäftigt sein, um dann am Sonntag gestresst in der Gemeinde aufzuschlagen und auch den Gottesdienst noch hinter uns zu bringen, macht uns nicht zu Kindern und bringt uns nicht in die Herrlichkeit, die zu teilen uns zu Menschen macht. Dies dürfen wir nicht vergessen, denn es geht immerhin um den Sinn unserer Existenz.


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