Die gestohlene Welt

Tagesgedanken Autor Frank Krause
Franks Tagesgedanken

Der Herr des Weinbergs aber sprach: Was soll ich tun? Ich will meinen geliebten Sohn senden; vielleicht, wenn sie diesen sehen, werden sie sich scheuen. Als aber die Weingärtner ihn sahen, überlegten sie miteinander und sagten: Dieser ist der Erbe, lasst uns ihn töten, dass das Erbe unser werde. (Lukas 20,13-14)

Jesus ist am vorläufigen Ziel seiner Reise angekommen: er ist in Jerusalem und lehrt im Tempel. Kapitel 20 und 21 fassen seine Reden dort zusammen. Die Jünger sind begeistert, die Schriftgelehrten, Pharisäer und Ältesten entsetzt.

   Jesus erzählt ein Gleichnis von den Gärtnern, an die der Besitzer seinen Weinberg verpachtet hat, während er abwesend ist. Zur Zeit der Pacht-Zahlung wollen sie nicht zahlen, sie anerkennen den Besitzer nicht und jagen seine Boten fort. Schließlich schickt der Besitzer seinen Sohn. Den töten sie, damit die Weinberge für immer ihnen gehören.

   Die Menschen wollen es nicht akzeptieren, dass diese Welt nur geliehen ist! Wir haben sie nicht geschaffen und ihre Ausbeutung und Vernichtung war vom „Besitzer“ so sicherlich niemals vorgesehen. Aber der wirkliche Besitzer des Weinberges wird verworfen, verleugnet, ignoriert, usw., die Geschäfte werden ohne ihn gemacht. Der Sohn ist fort, die Pächter übernehmen! Ohne Scheu töten sie den Sohn Gottes und erklären sich zu den neuen Herren der Welt. Das Bewusstsein dafür, wer der Besitzer ist und wer die Mieter sind, ist nicht mehr vorhanden. Niemals werden sie das Zepter aus der Hand geben! Sie haben die Welt gestohlen.

   Auch wenn das für viele von uns schwer zu fassen ist, müssen wir davon ausgehen, dass Teile unserer Machthaber, Oberen, Eliten – wie immer wir diejenigen, die oben in der Hierarchie stehen, betiteln wollen –, in einem solchen Ausmaß verdorben sind, dass ein Mord an jemandem, der an ihrem Stuhl sägt, für sie kein Problem ist, sondern eine Notwendigkeit darstellt. Die oberste Maxime ist der Erhalt der Macht über den Weinberg. Wer Ärger macht, wird aussortiert. Durch die ganze Geschichte zieht sich dieser Mord, denn die Weingärtner meinen, sie verfügen über alles, selbst über Leben und Tod. Sie sind die letzte Instanz und niemandem Rechenschaft schuldig. Wer ihr Spiel nicht mitspielt, muss gehen.

   Sicherlich denken nicht alle „Oberen“ so, aber das Spiel spielen sie mit, sonst wären sie ab einer bestimmten Stufe in der Hirarchie ja raus. Oder sie sind blind und taub für das System, in dem sie stehen. „Ich sehe nichts, ich höre nichts, ich sage nichts.“

   Es ist den Weingärtnern nicht klar, dass diese Getöteten alle wieder auferstehen und ihre Ankläger sein werden. Das göttliche Gericht wird sehr lange dauern, bis jeder einzelne Fall angemessen verhandelt und abgeschlossen sein wird! Jesus ist der Erste in dieser Reihe der „notwendigen Opfer des Systems“, der „geliebte Sohn“, den der Tod nicht halten konnte und der auferstanden ist. Viele werden folgen. Die Welt hat den Sohn am Kreuz beendet, jetzt beendet er sie.

Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten zu dieser Stunde die Hände an ihn zu legen …, denn sie erkannten, dass er dieses Gleichnis auf sie hin gesagt hatte. (Lukas 20,19)