Schule der Erleuchtung

Und es geschah, als sie von ihm schieden, sprach Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind; lass uns drei Hütten bauen, dir eine und Mose eine und Elia eine. Und er wusste nicht, was er sagte. (Lukas 9,33)

Petrus meint, er muss die Situation kommentieren und „irgendetwas tun“. Am besten Hütten bauen, genau! Um alles festzuhalten und zu dokumentieren für die Nachwelt. Das ist ja stets die religiöse Idee: Wo was Heiliges und Göttliches geschehen ist, bauen wir eine Kirche hin, wo dann die Menschen für immer hin pilgern und die Geschichte über die heiligen Ereignisse hören können – gegen eine kleine Gebühr. Petrus hat schon die Planung der Bauvorhaben im Sinn, anstatt einfach die Heiligkeit, Verwandlung  und Präsenz des Himmels auf sich wirken zu lassen.

Wie schwer es den Menschen fällt, die Füße einmal still zu halten und einfach nur da zu sein!

Oh wie oft habe ich erlebt, wie Leute die göttlichsten Momente mit ihrem Gerede unterbrachen und die heilige Stille beendeten. Sie hielten es einfach nicht aus, den Mund länger als fünf Minuten zu halten, sie mussten „irgendetwas tun“. Dann fingen sie ein unfassbar unpassendes Gebet an, gingen sich Kaffee holen oder mussten kurz mal das Handy checken… Meiner Erfahrung nach reichen jedoch geringe Störungen aus, um die Herrlichkeit sich heben und verschwinden zu lassen.

Es ist einfach entsetzlich, wie wenig Unterscheidung manchmal vorhanden ist und die Gegenwart Gottes nicht wahrgenommen wird. Oder sie wird wahrgenommen, aber man weiß sich nicht angemessen dazu zu verhalten.

Wie geht man mit all diesen übernatürlichen Aspekten des Berges der Verklärung um? Im Allgemeinen hat uns niemand darüber etwas gesagt, es ist scheinbar nicht vorgesehen, dass es auch uns heute so widerfahren könnte, wie jenen damals. Aber wofür steht es dann in der Bibel? Nur damit wir informiert oder aber damit auch wir initiiert werden?

Es ist ja eine exemplarische Geschichte, eine Art Vorlage für Erleuchtung und Initiation, denn die genannten Elemente finden bei jeder dieser Erweckungs-Erfahrungen in der ein- oder anderen Ausprägung statt. Die Umstände mögen unterschiedlich sein, aber immer kommen gewisse Bedingungen und Regeln der Offenbarung der Herrlichkeit zum Tragen, darum ist diese Episode auf dem Berg m. E. so außerordentlich wichtig für uns. Eine dieser Regeln lautet: nichts tun, sondern da zu sein: präsent, wach, ergeben…

Jedes einzelne Wort dieses Berichtes vom Berg ist zu bedenken und im Gebet zu bewegen, um seine Bedeutung zu erfassen und damit selbst in Berührung zu kommen.

Warum kam Petrus nicht auf die Idee, für sich und seine Brüder eine Hütte zu bauen, etwa eine „Schule der Erleuchtung“? Auch hätte er Jesus so Vieles und Wesentliches fragen können, aber nein, er denkt an Hütten! Wahrlich war ihm nicht bewusst, was er da für einen Unsinn redete und den heiligen Moment vergeudete.       

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