Stufen der Herrlichkeit

Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm, es waren Mose und Elia. Diese erschienen in Herrlichkeit und besprachen seinen Ausgang, den er in Jerusalem erfüllen sollte. (Lukas 9,30-31)

Es geht Schlag auf Schlag weiter mit der Erleuchtungs- Initiations-, und Verwandlungs-Erfahrung der Jünger. Sie sind auf dem „hohen Berg“, der zu Gottes Berg geworden ist und stehen in der Herrlichkeit, bzw. dem Lichtglanz, der Jesu Angesicht wie die Sonne leuchten und seine Kleider strahlend weiß werden lässt. Diese Geschehnisse sind ihnen ganz nah. Licht und Herrlichkeit umgeben sie, durchdringen sie und erweitern ihre Wahrnehmung, so dass sie Mose und Elia in der Herrlichkeit erscheinen und mit Jesus reden sehen. Ganz großes Kino!

Ein Teil von Erleuchtung und der Initiation, die sie mit sich bringt, ist stets die Offenbarung einer größeren Geschichte und höherer Zusammenhänge. Die Jünger sehen, dass Jesus Teil der ewigen Geschichte ist, die Gott mit Israel schreibt. Der Patriarch Mose und Prophet Elia sind prominente Vertreter (Heroen) der jüdischen Mythologie, die die Identität des Volkes bestimmt und ihm eine metaphysische Bedeutung verliehen haben.

Nun werden die Jünger in dieses Geheimnis eingeweiht und erfahren in der Herrlichkeit eine persönliche Offenbarung darüber, Teil und Träger dieser göttlichen  Geschichte und Berufung zu sein. Zeit und Raum heben sich auf, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind JETZT und HIER.

Es ist den Jüngern zu viel, sie können das nicht verkraften, die Herrlichkeit ist überwältigend und sie werden wie ohnmächtig. Auch das ist ein übliches Erleuchtungs- und Initiations-Symptom. Unser psychisches System ist überlastet und schaltet kurz runter oder ab. In diesem Zustand kann die Herrlichkeit vorbei an unserem Verstand in uns wirken und umwandeln, was nötig ist, damit wir mehr von dem göttlichen Licht aushalten können und ein höheres Maß von Herrlichkeit unser neues „Normal“ wird. So kommt es, das wir „von Herrlichkeit zu Herrlichkeit verwandelt werden, wie es durch den Geist geschieht“ (2Kor 3,18).

Es gibt ein Wachstum in Herrlichkeit, eine stufenweise Integration von und Verwandlung in das Bild Jesu. Wir sind m. E. nie fertig damit, sondern werden immer wieder auf den Berg der Verklärung geführt, um tiefer in die Geschichte und Berufung Gottes, in die himmlische Offenbarung und Realisierung des Reiches Gottes und des Namens Jesu eingetaucht zu werden. Eine Folge davon ist, dass wir uns selbst immer mehr mit dieser Geschichte und ihrer Kraft als auch den himmlischen Dimensionen identifizieren. Was uns früher fern und unverständlich war, ist uns nun nah und wird vertraut, ja alltäglich.

„Der vollendete Zustand (die Herrlichkeit), von dem wir alle träumen, scheint genau deshalb ein veränderter Zustand zu sein, weil er sich von allem unterscheidet, was wir bewusst kennen. Diejenigen, die ihren Weg dorthin gefunden haben, und sei es auch nur für einige Augenblicke, erfahren ihn als unendlich verändert gegenüber der Realität, die sie kennen, aber auch seltsam vertraut, richtig und natürlich… Diejenigen, die fortwährend in diesem Zustand ruhen, sagen außerdem, dass die Außergewöhnlichkeit sich sehr schnell in Normalität wandelt. Weil es ein solch natürlicher Zustand ist – in der Tat der einzige natürliche zustand –, ist nur eine Zeit der Anpassung erforderlich, um diese  „Vollkommenheit“ zu erfahren. Am Anfang ist es eine große Erfahrung, aber wenn die Erfahrung sich wiederholt wird es gewöhnlich, alltäglich. Es ist schwer zu verstehen, dass spirituelle Freiheit „normal“ ist, nichts Besonderes, und dass es diese Gewöhnlichkeit ist, die sie so kostbar macht.“ (M. Caplan)

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