Begegnung mit der Herrlichkeit

Und als er betete, veränderte sich das Aussehen seines Angesichts, und sein Gewand wurde weiß, strahlend. (Lukas 9,29)

So etwas Großes steht in so einem kleinen Satz…

Matthäus veranschaulicht diese „Verklärung“ noch dramatischer: „Und er wurde vor ihnen umgestaltet. Und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie das Licht“ (Mt 17,2).

Das griechische Wort, das hier mit Umgestaltung übersetzt wird, ist „Metamorphose“.

Diese Verwandlung sollte auch den Jüngern zuteilwerden, die nicht wussten, wie ihnen geschah. Sie gingen von einer Überraschung und Dehnung ihres Verständnisses darüber, was das Reich Gottes und wer der Messias, der Gesalbte, ist, zur nächsten.

Vor wenigen Tagen noch hatten sie die Speisung der Fünftausend erlebt, was ihren Glaubens-Horizont deutlich erweitert hatte! Unentwegt wurden die Jünger an ihre Grenzen getrieben und darüber hinaus. Ihre Vorstellung davon, wer Jesus ist, war „im Fluss“, d.h. sie konnte sich nicht verfestigen und erstarren, sondern musste täglich offen und bereit sein für weitere Wunder und neue Erkenntnisse. Es gab kein „fertig“.

Meiner Meinung nach ist das einer der großen Flüche der Kirche: Sie legt Jesus fest, definiert ihn, ist  mit ihm theologisch durch. Was es über ihn zu wissen gibt, das wissen sie und legen es Sonntag für Sonntag einer passiven Zuhörerschaft aus, die aufgrund der Endloswiederholung einschläft. Von Wundern keine Spur, für Bewegung und Entwicklung, gar Metamorphose, für aufregende neue Erkenntnisse über und Offenbarungen von Jesus kein Raum. Alles ist vorgegeben und festgelegt. Als wäre das bei Jesus möglich!

Die Jünger wurden mit Jesus nicht fertig, ihr Geist musste wach und aufmerksam bleiben. Ständig geschahen unvorhersehbare Dinge. Jesus kam nach seinem Gebet vitalisiert und inspiriert vom Berg und wusste, wohin es gehen sollte und wie er den Tagesherausforderungen begegnen würde. Jetzt nahm er seine Jünger mit und sie wurden in eine Dimension von Gebet getaucht, die sie noch nicht gekannt hatten. Kann man denn so beten, dass man mit Gott und dem Himmel dermaßen eins wird, dass man leuchtet wie die Sonne?!

Hier haben wir es mit Maßen zu tun, die unsere Idee von Gebet, auch von der Kraft und dem Licht, die man als Mensch dabei empfangen kann, übersteigen. Immer wenn wir davon lesen, dass Gott uns Kraft gibt, uns mit Feuer tauft, uns erleuchtet, erfüllt, ermächtigt, usw. dann verbinden wir damit bewusst und noch mehr unbewusst bestimmte Maße, in denen sich uns diese Dinge mitteilen und sich bewegen. Diese Vorstellungen zu verändern, ist nicht einfach. Wissen alleine reicht nicht aus. Wir brauchen eine Metamorphose, eine Initiation, die uns in einen anderen Seinszustand versetzt, in dem wir diesen Energien und Dimensionen gewachsen sind.

Für viele Christen allerdings liegt diese ganze Erfahrung des Berges der Verklärung außerhalb ihres Horizontes, worum es im Glauben geht und was möglich ist. Sie sind wie „abgeschaltet“, rechnen nicht mit so etwas und langweilen sich durch die Gebete und vergessen sie so schnell wie sie ausgesprochen wurden (Sie brauchen Erweckung!). Dass der Himmel sich öffnet, Engel auf- und nieder steigen, dass Kraft in uns strömt, die unser ganzes Wesen energetisiert und strahlen lässt, dass die Herrlichkeit erscheint und uns Offenbarung über alle Dinge gibt – vor allem über Jesus – wer rechnet denn mit sowas?   

Die Jünger wissen nicht, was sie denken sollen, ihnen fehlt der Bezugsrahmen für solche Maße und Verwandlung. Sie erleben wahrlich Unaussprechliches, was sie in sein Geschehen aufnimmt und zu einem Teil von sich macht. Sie sollen Träger und Zeugen der Herrlichkeit werden! 

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