Pervertierte Mission

Und wo immer sie euch nicht aufnehmen werden – geht fort aus jener Stadt und schüttelt auch den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie. (Lukas 9,5)

Obgleich die Apostel also in einer Haltung der Würde und des Friedens ausgesandt werden, im Bewusstsein, die Botschaft und den Anspruch des Reiches Gottes und seines Gesalbten zu vertreten, sowie ausgestattet mit Vollmachten und Kräften, die alle Menschen davon überzeugen könnten, dass hier wirklich die Vertreter einer höheren Macht kommen, würden sie dennoch auch Ablehnung erfahren, wie Jesus es ja auch erlebte. Die einen schreien Hosanna!, die anderen Kreuzige! Die einen wurden von den Schriftgelehrten und Pharisäern schon vorbereitet, Jesus nicht reinzulassen, andere aber legten ihre Kranken gar auf die Marktplätze, wo Jesus durchkommen sollte.

Mission ist ein unglaubliches Wechselbad zwischen Anerkennung und Verwerfung, Ehre und Unehre, Erhebung und Erniedrigung. Das hatten die Jünger ja nun schon für eine ganze Zeit lang bei Jesus gesehen. Wie mag es für sie gewesen sein, wenn die vom religiösen System vorgewarnten Leute Jesus nicht an sich ran ließen, so dass ihre Dämonen nicht ausgetrieben, ihre Kranken nicht geheilt und ihre Aussätzigen nicht gereinigt und ihre (vorzeitig) Gestorbenen (wie jener Jüngling von Nain oder die Tochter des Synagogenvorstehers Jairus) nicht zurück ins Leben gebracht werden konnten?

Der Schmerz darüber muss groß gewesen sein, die Gnade einer Berührung des Gesalbten und des Reiches Gottes mit seinem unendlichen Potential an Heil an ihnen vorübergehen zu sehen. Wie überaus bedauerlich, wie dramatisch dumm, wie beißend verkehrt das ist! Der Himmel kommt mit Liebe und Erbarmen, mit umfassendem Heil – und die Erde lehnt ab. Ja, sie wird den Gesalbten noch hinrichten, um vollkommen klar und felsenfest zu proklamieren, dass sie Jesus nicht anerkennt, nicht will, nicht an seine Mission glaubt und das Reich Gottes nicht braucht. Sie vernichtet lieber sich selbst, als ihr Zepter angemaßter Macht abzugeben und den HERRN den Herrn sein zu lassen.

Wir wollen nicht vergessen, dass es sich beim „Evangelium des Reiches Gottes“ nicht um das gleiche Evangelium handelt, welches wir heutzutage im Allgemeinen verkünden. Das Evangelium des Reiches Gottes bringt eine Regentschaft, eine Herrschaft und ein Königtum mit seiner Macht und seinem Anspruch auf den Plan. Das heutige Evangelium – zahm und gutbürgerlich – ist eines der Nächstenliebe und Sündenvergebung, um in den Himmel zu kommen. Es bindet die Menschen nicht an den König des Reiches Gottes, sondern an die Kirche des guten Hirten, die seine Geschäfte auf Erden für ihn führt und zu einem religiösen Wohltätigkeits-Verein geworden ist.

Entsprechend unterschiedlich sieht auch die Mission der Boten aus. Die Gesandten des Reiches Gottes bereiten die Leute auf das Erscheinen des Reiches Gottes in seinem Gesalbten vor. Sie tun es ganz ähnlich wie Johanes der Täufer mit einem Buß-Aufruf (Wobei Buße nichts mit Büßen zu tun hat, sondern mit Zur-Besinnung-Kommen, Aufwachen und In-sich-gehen.). Sie bahnen und bereiten einen Weg für Jesus, zu den Menschen zu kommen und für das Volk, zu Jesus zu kommen. Beide müssen in eine wirkliche Berührung miteinander kommen, dann erleben sie selbst, worum es alles geht und damit ist die Mission erfüllt.

Das Kirchenreich fordert die Menschen auf, in die Kirche zu kommen und ihre Regeln zu akzeptieren, um dadurch „rechte Christen“ zu sein. Es kann gut sein, dass diese Gläubigen nie in ihrem Leben in eine direkte Berührung mit Jesus kommen und niemals in den Heiligen Geist und mit Feuer getauft werden. Es kann gut sein, dass sie niemals die Macht und die Herrlichkeit des Himmels erleben, der ihre Dämonen austreibt und Kranken heilt, der sie reinigt und aufrichtet und in Menschen verwandelt, die wieder die ursprüngliche Position als Gottes Gegenüber einnehmen. Die Mission der Kirche besteht in karitativen Werken in aller Welt: etwa Schulen und Krankenhäuser bauen und betreiben, Lebensmittel verteilen, Kleidersammlung, usw.

Wir müssen also das Reich Gottes und das Reich der Kirche nicht miteinander verwechseln!

Ich glaube, Jesus hat es mit der Kirche heute oft genauso schwer wie damals in den Evangelien mit der Synagoge und ihren hohen Herren, die gar keinen Messias und keine Mission brauchten, um fromm zu sein.          

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