Mission in Würde und Frieden

Und in welches Haus ihr eintretet, dort bleibt, und von da geht weiter. (Lukas 9,4)

Eine seltsame Anweisung, die durch die Parallele im Matthäus 10,11 erhellt wird:

„Wenn ihr aber in eine Stadt oder ein Dorf einkehrt, so forscht, wer darin würdig ist; und dort bleibt, bis ihr weggeht.“

Die Frage nach Kost und Logis der Apostel auf  Missionsreise wird in ebenso knappen Sätzen formuliert, wie alle anderen Punkte zuvor auch. Wir können uns fragen, warum das so ist. In Kapitel 10, bei der Sendung der 70 Jünger finden wir weitere Fragmente, die uns, ähnlich wie die Verse 12-13 in Matthäus 10, etwas über diese „Würdigkeit“, nach der zu forschen ist, mitteilen:

Und wenn ihr in das Haus eintretet, so grüßt es. Und wenn nun das Haus würdig ist, so komme euer Friede darauf; wenn es aber nicht würdig ist, so wende sich euer Friede zu euch zurück. (Mt 10, 12-13)

In welches Haus ihr aber eintretet, sprecht zuerst: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Sohn des Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm ruhen… (Lk 10,5-6a)

Erstens scheint die göttliche Ökonomie festzustellen, dass die Jünger auf ihrer Missionsreise nichts mitzunehmen brauchen, denn wo auch immer sie hinkommen, dort gibt es bereits genug Häuser und auch zu Essen und zu Trinken.

Zweitens kommen diese Boten in der Kraft und Vollmacht des Höchsten, sie sind „Diplomaten“ (Botschafter) und „ihres Lohnes wert“. Betonung auf „wert“. Das sagt etwas über die Haltung und das Selbstverständnis der Gesandten aus. Sie sollen mit würdiger Haltung ausziehen und mit Ehre empfangen werden, denn sie sind die Repräsentanten des Reiches Gottes. Wer sie aufnimmt, nimmt mit ihnen den Sendenden, also Jesus, den Messias, den Gesalbten und den Christus in sein Haus auf. Wer sie nicht aufnimmt, nimmt IHN nicht auf.

Und da Christus wiederum der Gesandte des Vaters ist, nimmt der „Sohn des Friedens“, der „würdig“ ist, mit den Gesandten des Gesandten also Gott selbst auf! Und wohl dem Ort, der gewürdigt ist, von Gottes Reich besucht und gesegnet zu werden! Tatsächlich sind die Apostel die wichtigsten Leute, die je in diese Orte und Häuser kommen werden.

Drittens ist die Kraft und Vollmacht, die Dämonen auszutreiben und Kranken zu heilen offenbar Teil des göttlichen „Friedens“, also des „Schalom“, der auf den Gesandten ruht und von ihnen ausgeht. Auch ist es der Schlüssel dazu, überall offene Türen zu finden, denn die Geplagten und Kranken gibt es eben überall – und welch unendliche Erleichterung für ein Haus, wenn sie geheilt werden! Ja, da kehrt ein mächtiger Frieden in eine Familie ein, wenn mit dem Eintreten der Apostel gleichzeitig die Dämonen und Krankheiten das Weite suchen! Was ist es da Großes, solchen Dienern Gottes Unterkunft und Verpflegung zu bieten, bis sie weiterziehen?

Was die Mission betrifft, sind die Worte „Würde“ und „Frieden“ also von zentraler Bedeutung. Haben wir das wirklich begriffen und schlägt sich das in unseren Schulungen und Diensten nieder?

Andersherum wirft es natürlich die Frage auf, wenn diese Qualitäten nicht auf einer Mission ruhen,  was sie dann legitimiert, sich so zu nennen?

Tatsächlich müssen wir feststellen, dass es bei vielen Missionen und Missionaren ganz genau und ausgerechnet an Würde und an Frieden fehlt. Die Missionare erleben sich manchmal geradezu als erniedrigt und gegängelt, und die Missionsgesellschaften sind häufig geschwächt von internen Konflikten und Streitereien. Dies entspricht nicht den Standards des Reiches Gottes.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.