Feierabendmission

Und er sprach zu ihnen: Nehmt nichts mit auf den Weg: weder Stab, noch Tasche, noch Brot, noch Geld, noch soll jemand zwei Unterkleider haben. (Lukas 9,3)

Nachdem die Voraussetzungen der Mission und der Inhalt der Predigt geklärt worden sind, kommt nun die Frage nach der Versorgung der Sendboten dran. In ganzen zwei Versen wird sie geklärt, wovon der oben stehende der erste ist. Er ist so ungeheuerlich, dass man es kaum fassen kann.

Diese Jünger, die Jesus zu ihrem ersten Missionseinsatz aussendet, sie sollen gar nichts mitnehmen! Wie bitte? Wie kann man denn jemanden mit nichts außer seiner Jüngerschaft, der persönlichen Sendung und Bevollmächtigung Jesu aussenden? Nicht mal mit einem Koffer! Keine Versicherung, kein Kreis von Spendern, keinerlei Versorgung… Das kann man doch nicht machen, so etwas Verantwortungsloses haben wir ja noch nie gehört! Ist das der pure, religiöse Idealismus oder was?

Oder weiß Jesus etwas, das wir nicht wissen?

Erstens bedeutet Jüngerschaft, dass wir eine grundlegende Abhängigkeit von Gott, vom Himmel und seiner Führung und Versorgung eingeübt haben. „Gib uns unser täglich Brot heute“, ist unser Gebet auch dann, wenn wir finanziell dazu in der Lage sind, es zu kaufen. Müssen wir es nicht kaufen, haben wir das Geld frei für was anderes… Die Erfahrung der Versorgung durch Gott ist eine überaus befreiende und über die Welt erhebende Freude, denn wir werden unabhängig von ihr und ihrer Versorgung, die uns Tag und Nacht auf Trab hält – und in Sorgen.

„Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, und alles andere wird euch hinzugefügt werden. So seid nicht besorgt…“ (Mt 6,33-34a)

Im Grunde ist es nicht anders, als wie wir es machen, wenn wir jemanden anstellen: In dem Maß, in dem einer für uns arbeitet, bezahlen wir seine Rechnungen, damit er frei ist, seine Aufgabe zu erfüllen. Nun ist es hier ganz klar, dass es Jesus ist, der diese Apostel „anstellt“, also kommt er auch für alles auf, sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Dies scheint die allerwichtigste Aufgabe überhaupt zu sein, die sie im Glauben zu bewältigen haben.

Wie Gott uns versorgt, das entzieht sich unserer Vorstellung, denn es kommen übernatürliche Faktoren ins Spiel. Wir dürfen an diese Stelle nicht vergessen, dass Gott Israel 40 Jahre lang (!) in der Wüste mit Brot versorgte – und ihre Kleider verschlissen nicht und krank wurden sie auch nicht. Hunderttausende von Menschen wurden jahrzehntelang rundum versorgt. Also: Gott kann das!

Für unsere materialistisch und kapitalistisch geprägte Kultur ist es unmöglich, was Jesus hier seinen Jüngern zumutet. Wie kann er nur? Er kann, weil er seinen Vater kennt! Wie schwer es uns fällt, an einen fürsorgenden Gott zu glauben!

Ich denke, dass Gott schon manche „Arbeiter in seine Ernte“ gesandt hat, die nicht gegangen sind, weil sie an der Versorgungsfrage scheiterten. Viele, die gingen, versuchten es als „Zeltmacher“ wie Paulus, um gleichzeitig für ihren Unterhalt arbeiten zu gehen und nebenher zu missionieren, aber sie brannten dabei aus. Nun, wenn Gott es explizit so verfügt, arbeiten zu gehen, ist das o.k., ändert aber nichts an der grundlegenden Erfahrung, die wir als Jünger machen müssen, dass Gott uns von den Fesseln der Welt befreit, die sich komplett an Gott vorbei selbst versorgen muss, was normalerweise ihr ganzes Leben auffrisst, welches sich Tag und Nacht ums Geldverdienen und Geldausgeben dreht.

Jüngerschaft zeichnet sich durch eine zunehmende und ganzheitliche Abhängigkeit von Gott aus, was auf der anderen Seite eine zunehmende Unabhängigkeit von der Welt und ihrer Art, zu leben, mit sich bringt. Wollen wir Teil der apostolischen Mission werden und Träger der Vollmacht Jesu, die Dämonen auszutreiben und die Kranken zu heilen, dann ist die Erfahrung der Versorgung Gottes von zentraler Bedeutung. Denn wenn das Reich Gottes zum Zug kommt, dann braucht man zunehmend alle Aufmerksamkeit und Zeit für die Mission. Immer mehr Menschen kommen zu uns und wir zu ihnen, die vom Himmel berührt werden.

Dann ist nichts mehr wie vorher, dann gehen wir einen anderen Weg, der höher als die Wege der Welt ist. Dann können wir nicht mehr all unsere Zeit und Kraft darauf verwenden, uns und unsere Familie zu finanzieren und zu versorgen. Dass muss der Himmel übernehmen, sonst können wir seinen Dienst nur sehr eingeschränkt tun und unserer Berufung nur nach Feierabend nachgehen. Oder ausbrennen. Und hören wir nicht von ach so vielen Dienern Gottes, dass sie ausbrennen?

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