Missionsuntauglich

Und er sandte sie, das Reich Gottes zu predigen und die Kranken gesund zu machen. (Lukas 9,2)

Die Klärung der Mission setzt sich nun praktisch fort. Nachdem wir gestern im Vers 1 die Grundlagen bzw. Voraussetzungen zu dieser Aufgabe gesehen haben: Jüngerschaft, persönliche Berufung und Erfüllung mit Kraft und Vollmacht über alle Dämonen und zur Heilung von Krankheiten, geht es nun um den Inhalt der Predigt, die hier in einem Wort zusammengefasst wird: predigt das Reich Gottes!

Man kann dieses Wort „Reich“ auch übersetzen als „Herrschaft“, „Regentschaft“ oder „Königtum“. Diese regierende Macht wird nicht nur mit Worten erklärt, sondern mit entsprechenden Machttaten demonstriert. „Tut Buße, denn das Reich Gottes ist nahe herbei gekommen“, hatte Jesus gepredigt und sowohl die überlegene Macht als auch den Anspruch des Höchsten demonstriert – in Erweisung des Geistes und der Kraft.

Gerade in Kapitel 8 hatten wir ja die Sturmstillung, die Befreiung des besessenen Geraseners, die Reinigung der unreinen Frau und die Auferweckung der Tochter des Synagogenvorstehers Jairus als Beispiele dafür. Und alle diese Berichte übernatürlicher Demonstrationen in den Evangelien sind nur ein kleiner Ausschnitt von dem, was Jesus getan hat,

„denn es gibt auch viele andere Dinge, die Jesus getan hat, und wenn diese alle einzeln niedergeschrieben würden, so würde… die Welt die Bücher nicht fassen.“ (Joh 21,25) 

Wie wichtig das für uns ist! Wen Jesus sendet, den bevollmächtigt er auch mit Autorität über die Dämonen und mit der Kraft, die Kranken zu heilen. Als wahre apostolische Zeugen Jesu müssen wir ganz genau das sagen und tun, was der Meister auch sagt und tut – in dem gleichen Geist und in derselben Kraft. Wie vielen Dienern Gottes ist das gar nicht bewusst! Sie wissen es nicht oder glauben es nicht, sie arbeiten in ihrer menschlichen Kraft und Möglichkeit, entsprechend sind die Ergebnisse.

Das Reich Gottes ist ein Machtfaktor, es konfrontiert alle anderen „Reiche“ und ihre Ansprüche, das kann gar nicht anders sein. Wenn Licht und Finsternis, Reinheit und Unreinheit, Wahrheit und Lüge, Heil und Unheil, Himmel und Erde, usw. aufeinandertreffen, wird es immer eine Reaktion geben. Die größere Macht setzt sich durch und überwindet die geringere Macht.

Wenn heute viele Predigten zu keinerlei Reaktion führen und die Macht und Kraft des Reiches Gottes nicht offenbar werden, dann ist das kein von Jesus legitimierter Dienst. Sie entspricht weder seinem Vorbild noch seiner Sendung. Dies ist ein sehr kritischer Punkt, denn „das Reich Gottes besteht nicht in Worten, sondern in Kraft“ (1Kor 4,20).

In den heutigen Ausbildungen zum christlichen Dienst besteht eine überwältigende Betonung auf dem Wort bei einer ebenso überwältigenden Vernachlässigung der Kraft. Für Jahre saß ich in solchen „Wort-Gottesdiensten“, die keinerlei Kraft vermittelten, sondern Kraft kosteten! Ich saß wie in der Schule in meiner Bank und wurde zugetextet. Wie froh war ich, wenn endlich die Unterrichtsstunde vorüber war und ich die Klasse verlassen konnte! Für mich verhielt es sich mit den Gottesdiensten häufig ganz genauso.

Jesus sendet seine Jünger, das Reich Gottes zu predigen und die Kranken zu heilen. Diesen Punkt der Krankenheilung hatten wir schon in Vers 1 und werden ihn wieder in Vers 6 haben. Wie ist es möglich, dass wir bei einer solchen Betonung und Wiederholung dieses Aspektes eben diesen heute im Allgemeinen völlig außen vorlassen? Nicht dass ich alle Gemeinden, Bibelschulen und sonstigen theologischen Ausbildungsstätten kenne, aber für viele scheint mir das mit der Heilung – genau wie mit den Dämonen – doch weit weg und keinen Kurs wert zu sein.

Aber selbst dann, wenn unsere Schulungen diese Dimensionen des Reiches Gottes thematisiert haben sollten, leben wir im „aufgeklärten Westen“ in einer kirchlich geprägten Kultur, die dafür keinen Raum und kein Verständnis hat. Sie hält das für überflüssig, gefährlich und sektiererisch.

Also muss die Mission bei der Gemeinde selbst anfangen, die vom Reich Gottes nichts mehr weiß und es ersetzt hat durch ein wortreiches und kraftloses Christentum, das missionarisch untauglich ist.    

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