Wie wird man Missionar?

Als er aber die Zwölf zusammengerufen hatte, gab er ihnen Kraft und Vollmacht über alle Dämonen und zur Heilung von Krankheiten. (Lukas 9,1)

So beginnt nun die erste Aussendung und Mission der Jünger, das Evangelium zu verkündigen. Das ist sehr aufschlussreich für uns, weil wir hier erfahren, wie Jesus seine Missionare ausrüstet und für die Aufgabe instruiert. Wieder einmal werden wir sehen, wie völlig unsere heutige Evangeliumsverkündigung, Missions-Ausbildung und –Sendung von dieser Vorlage abweicht. Entsprechend anders sind die Ergebnisse.

Gerne sprechen Missionswerke und Missionare von dem „harten Boden“, den sie vorfinden, wo immer sie hingehen. Was wäre aber, wenn sie sich genau an das Evangelium hielten und – wie wir in Lukas 9,1 lesen – als erstes Kraft und Vollmacht empfingen über alle Dämonen und zur Heilung von (allen) Krankheiten?  

Aber genau genommen, ist das schon das Zweite, denn das Erste ist eigentlich, dass „Jesus sie zusammenruft“. Diese persönliche Berufung ist von entscheidender Bedeutung. Nicht eine Gemeinde oder ein Missionswerk sendet jemanden, Jesus sendet.  

Viele Christen sagen, dass wir in den Evangelien ja den Missionsbefehl haben und darum sind alle Christen per se von Jesus gesandt und brauchen keine Extraeinladung dazu. Aber auch dort, im Missionsbefehl (Mk 16,15-20), spricht Jesus höchstselbst zu seinen Jüngern und überträgt ihnen erneut jene Kraft und Vollmacht, wie wir es auch hier in Lukas 9 finden. 

Meiner Meinung nach sind viele Christen indes gar keine Jünger. Ja, sie haben sich bekehrt und gehen in eine Kirche bzw. Gemeinde irgendeiner Denomination. Sie sind „Besucher“ und möglicherweise „Mitglieder“, aber JÜNGER?

Wenn wir die Maßstäbe, die Jesus an verschiedenen Stellen an Jünger anlegt, beherzigen, dann werden wir wahrscheinlich ein Verhältnis von 90% Besucher/Mitglieder zu 10% Jünger finden. Jesus nun wird niemals Besucher und Mitglieder in die Mission schicken, auch wenn die sich vielleicht aufgrund von Predigten dazu verpflichtet fühlen, sich interessieren und spenden.   

Also ist eigentlich „Jüngerschaft“ die erste Voraussetzung zur Mission, eine Jüngerschaft allerdings, wie Jesus sie definiert und wie die Apostel sie lebten, die Tag und Nacht mit Jesus gingen, die auch genau beobachten konnten, wer Jesus war, was er tat und wie er es tat. Sie hatten für Jahre ein Vorbild der Predigt und Anwendung von „Kraft und Vollmacht“ erlebt. Sie waren mit der Gegenwart Jesu völlig vertraut. DANN rief er sie zusammen, um sie zu senden. Nicht gleich an die Enden der Welt, sondern in die umliegenden Dörfer…

Damit haben wir jetzt die Reihenfolge: Jüngerschaft von Jesus -> persönliche Berufung von Jesus -> Bevollmächtigung von Jesus, Autorität über Dämonen und Krankheiten auszuüben.

Es werden in den folgenden Versen noch einige Punkte hinzukommen, aber diese drei sind schon eine große Herausforderung für uns, weil wir in einer christlichen Kultur leben, die weder Jünger hervorbringt, noch eine persönliche Berufung von Jesus benötigt – wir haben ja die Bibel –, noch Kraft und Vollmacht über Dämonen und Krankheiten braucht, vermittelt und kultiviert, um das Evangelium zu verkündigen. Damit ist vieles, was wir heute „missionarisch“ nennen, meiner Meinung nach eine Mogelpackung. Jesus hat den Aposteln keine Traktate in die Hand gedrückt…

Junge Leute werden auf eine Bibelschule geschickt und gehen dann in den christlichen Dienst. Nur kann keine Bibelschule diese drei Grundlagen vermitteln. Es ist ja keine Angelegenheit des Wissens und Lernens. Eine Schule kann nur den Prozess des Jünger-Werdens von Jesus, der Berufung Jesu und der Erfüllung mit- und Erfahrung von der Kraft und Vollmacht Jesu begleiten und unterstützen. Sie macht niemanden zum Missionar.

Das wird heute aber ganz anders gesehen. Wir haben sogar Pastoren, die nicht einmal gläubig sind, weil dies nicht im Anforderungsprofil steht! „Jesus lieben“ ist kein Kurs der Ausbildung. Sie haben wer weiß was studiert, aber nicht Jesus,  sie haben den Titel, aber nicht von Jesus, sie werden für die Aufgabe angestellt – von der Gemeinde, aber nicht von Jesus. Ob sie Jünger sind, ob sie eine persönliche Berufung von Jesus haben und über seine Kraft und Vollmacht verfügen, um die Arbeit IHM gemäß zu tun, das kommt in den Prüfungen und folgenden Bewerbungsgesprächen meist nicht vor.       

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