Der Jesus aus Lukas 8

Und ihre Eltern gerieten außer sich; er aber gebot ihnen, niemand zu sagen, was geschehen war. (Lukas 8,56)

Der letzte Satz des 8. Kapitels. Wir haben mit der Sturmstillung, der Befreiung des dämonisierten Geraseners, der Heilung der „blutflüssigen Frau“ von ihrer Unreinheit und nun der Auferweckung des Mädchens des Synagogenvorstehers Jairus eine ganze Reihe von „Verwunderungen“ hinter uns, die für die Jünger – und hoffentlich auch uns -,  eine neue Offenbarung darüber brachten, welche Macht der „Gesalbte“, der Messias und Christus eigentlich hat und wie er sie anwendet.

Die Jünger stellten die Frage: Wer ist denn dieser, dass auch Sturm und Wellen ihm gehorchen? Und für die Betroffenen im Lande der Gerasener ging es mit dieser Frage weiter: Wer ist denn dieser, dass er eine Legion Dämonen aus einem Mann austreibt, die in eine riesige Schweineherde fahren, die sich in den See stürzt und verendet – an die 2000 Tiere!?

Wer ist denn dieser, dass eine unreine Frau ihn anfasst – und anstatt dass sie Jesus unrein macht – wie das Gesetz es sagt – macht Jesu Reinheit sie rein?

Und nun: Wer ist denn dieser, dass er im Trauerhaus des Synagogenvorstehers dessen gestorbene Tochter wieder aufrichtet – und sie lebt!?

Zurecht sind die Betroffenen von alledem „außer sich“. Unvorstellbare Dinge sind geschehen, Schicksale haben sich gewendet, in der Gegenwart Jesu verschoben sich die Machtverhältnisse: nicht nur Sturm und Wellen, Dämonen und Unreinheit, selbst der Tod weicht zurück und hört auf Jesus!

Von Abschnitt zu Abschnitt sind wir mit der Frage konfrontiert, wer nun dieser Jesus für uns ist? Wir müssen feststellen, dass das Bild von Jesus über Jahrhunderte von kirchlicher Domestizierung hin völlig verzerrt wurde. Wir sehen in ihm heute gar nicht mehr den Boten des Reiches Gottes, der die Machtverhältnisse umkehrt, sondern einseitig den „guten Hirten“, der uns die Sünden vergibt, damit wir später einmal in den Himmel kommen. Die Relevanz und Konsequenz dieser Veränderung der Wahrnehmung Jesu ist uns leider kaum bewusst.

Es ist verständlich, dass die weltlichen und klerikalen Mächte, konfrontiert mit dem überlegenen Reich Gottes, aus Jesus einen wohl- und mildtätigen Gutmenschen gemacht haben. Er ist zum Sinnbild von „Liebe deinen Nächsten“ geworden; so etwas wie in Lukas, Kapitel 8, kommt nicht mehr vor, steht nicht im Lehr-Programm des Theologiestudiums, spielt im Gemeindealltag entsprechend keine wirkliche Rolle. Jesus wurde aller Macht beraubt, über das Reich Gottes wird kaum einmal gepredigt.

Für die heutigen Menschen, die im Sturm untergehen, die dämonisiert und krank sind und vorzeitig sterben, haben wir eine Menge karitativer Angebote, nur Kraft haben wir keine, denn die liegt nach wie vor bei Jesus, dem Gesalbten Gottes, dem Messias und Christus. IHM ist gegeben alle Macht im Himmel und auf der Erde… darum will ihn keine Institution haben, auch keine christliche, denn er würde eben diesen Faktor, so wie in den Evangelien, ganz klar stellen: die Machtverhältnisse. Wer kann es sich leisten und darauf einlassen, Jesus den sein zu lassen, der er wirklich ist?

Wie führen wir eine Organisation, die tatsächlich Jesus den Herrn sein lässt? Lesen wir die Apostelgeschichte, so finden wir dort eine apostolische Gemeinschaft unter der Herrschaft Christi, die unter der Regie des Heiligen Geistes seine heilige Macht weiterhin genau so ausübte, wie er. Die Urgemeinde war so vieles, was die Gemeinde heute nicht mehr ist:  unberechenbar, unkontrollierbar, beweglich, mächtig, das Reich Gottes manifestierend, weltverändernd, täglich, ein Herz und eine Seele, heilend, befreiend, fünffältig, erleuchtet, freimütig und so weiter. Eben wie der Jesus aus Lukas 8.

Wenn wir wer weiß wie viele Jahre pastorale (nicht apostolische) Kirche hinter uns haben und feststellen, wir sind genauso wenig „Jesus“ wie ehedem, sollten wir aufmerken. Ist das wirklich die Gemeinde des Jesus aus Lukas 8 oder aber eine Gemeinde der Menschen, in denen Menschen regieren und nicht Jesus, weswegen sich dort auch keine göttliche Kraft manifestiert, sondern nur menschliche?   

1 comment for “Der Jesus aus Lukas 8

  1. 21. Mai 2020 at 20:30

    vielen dank für die worte
    genau das ist meine meinung , durch die Lehrauffassung des Pastoralen/kirchlichinstitutionellen Dienst ist uns der wilde Jesus verlorengegangen der Die Machtverhältnisse ein für allemal geklärt hat.
    ich freue mich das es Stimmen gibt wie dich das verkünden

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