Wer hat das letzte Wort?

Er aber sprach: Weint nicht, denn sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft. Und sie lachten ihn aus, da sie wussten, dass sie gestorben war. (Lukas 8,52-53)

War den Betroffenen und Angehörigen bereits das ganze Verhalten Jesu unverständlich und widersinnig, so jetzt auch diese Worte. Sie sollen mal bitte aufhören zu weinen? Das Kind ist gar nicht tot? Also der Arzt, der den Tod festgestellt hatte, lag falsch? Aber dieser Jesus, der das Kind noch gar nicht einmal gesehen hatte, der weiß es besser? Absurd!

Erneut sehen wir dieses große Problem für die Wunder, die Gott tun will: Alle wissen, dass es abwegig ist, dass es gar nicht sein kann, dass es Irrsinn ist, hier noch was zu wollen. Alle sind sich ihrer Meinung gewiss, da sie doch sehen, was los ist. Dass Jesus beharrlich etwas ganz anderes zum Stand der Dinge sagt, das ist für sie einfach nur lächerlich, das kann doch nicht wahr sein, das ist gegen jede Regel und den Anstand und stellt den Arzt als unfähig hin, und und und…

Zum Glück hatte der Vater des Kindes, Jairus, gerade erst auf dem Weg nach Hause die erstaunliche Heilung der „blutflüssigen Frau“ erlebt. Auch da stand alles, inklusive des Gesetzes, dagegen. Also gibt er Jesus eine Chance, lässt ihn bis zu seiner Tochter durch, erduldet all die irritierten Blicke seiner Freunde und die Brüskierung der Angehörigen in ihrer Trauer. Bei alledem ist er ja auch noch der Synagogenvorsteher!

Für uns als Gläubige, als Christen, ist es sehr wichtig, dass wir nicht so viel wissen. Ich weiß, das klingt seltsam, aber sobald wir meinen, wir wüssten Bescheid, die Situation wäre ganz klar, sind wir für eine weitergehende Führung durch Gottes Geist unempfänglich. Wir sollten besser davon ausgehen, dass wir generell von der Wirklichkeit nur sehr wenig wahrnehmen und den kleinen Rest auch noch durch allerlei Brillen filtern. Die Evangelien legen uns immer wieder nahe, dass wir „blind“ und „taub“ sind, wir wissen nicht, was wirklich Sache ist, können unmöglich objektiv sein. Wie Paulus sagt: Unser Wissen ist Stückwerk.

Wir sollten uns davor hüten, den Kniefall vor den Verwandten und ihren Meinungen zu machen – genau wie vor den „Experten“, generell davor, anderen nach dem Mund zu reden, wer auch immer sie sind. Die Mehrheit hat selten Recht. Ganz nach dem Motto: Alle sagten, das geht nicht, bis einer kam, der es machte, weil er nicht wusste, dass es nicht geht…

Selbst gegenüber ärztlichen Diagnosen sollten wir eine gesunde Skepsis haben. Wie unendlich viele Fehleinschätzungen von Ärzten im Nimbus völliger Gewissheit verkündet wurden, das ist wohl unsäglich. Nicht von Ungefähr gibt es den Spruch: drei Ärzte, vier Diagnosen. Die „Götter in Weiß“ sind auch nur beschränkte Menschen. Wenn ihr Studium fertig ist, ist ihr Wissen bereits veraltet… 

Wenn wir die Welt überwinden und Erweckung erleben wollen, wenn wir Heilungen und Wunder sehen wollen – das Reich Gottes in Aktion – dann müssen wir unser ganzes irdisches, angelernte Wissen relativieren, denn dann kommt eine andere Kraft, Liebe und Weisheit zum Zug. Ihr Vorgehen und ihre Anweisungen sind „über Bitten und Verstehen“, sie bewegen sich in anderen Bezügen als unsere irdischen Gesetzmäßigkeiten.

Wenn Jesus sagt, das Mädchen, von dem alle sagen, es ist tot, schläft nur, dann sollten wir davon ausgehen, dass es stimmen könnte, auch wenn der Augenschein, der Arzt und alle anderen was anderes sagen. Jesus hat das letzte Wort! Wenn wir es ihm nur lassen würden, o wie viele Wunder würden wir erleben!

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