Weitere Glaubens-Lektionen

Als er aber in das Haus kam, erlaubt er niemandem hineinzugehen, außer Petrus, Johannes und Jakobus und dem Vater des Kindes und der Mutter. (Lukas 8,51)

Unbeeindruckt von der Nachricht des Boten, dass die Tochter des Synagogenvorstehers Jairus gestorben sei, setzte Jesus seinen Weg zu ihm nach Hause fort. Jairus warf seinen Glauben nicht fort, gab nicht alles verloren, hängte sich an Jesus, der undenkbar gelassen blieb.

Das Haus war voller klagender und weinender Leute, die Jesus nicht mit in das Zimmer des Mädchens nahm oder sie sogar aus diesem entfernte. In der Parallele Markus 5,38 heißt es, dass Jesus dort „einem Getümmel begegnete, Weinenden und laut Heulenden“. Nein, mit diesen Leuten kann Jesus dem Mädchen nicht helfen, er braucht die Eltern und einige seiner Jünger, die wissen, was Glauben bedeutet, der sich nicht an den irdischen Umständen orientiert, sondern an Gott.

Das ist für uns ein wichtiger Hinweis. Vielleicht beten auch wir für jemanden um ein Wunder oder folgen einer Führung des Geistes, die für andere einfach nur lächerlich ist. Ihre Haltung kann uns schwer zusetzen, ihr „Realismus“ den Zweifel in uns nähren. Wie hier bei dem gestorbenen Mädchen kann der Glaube Jesu und seiner Jünger, die bereit sind, den Tod zu konfrontieren, für die Außenstehend völlig grotesk wirken und ihnen heftig vor den Kopf schlagen. Diese „Frommen“ scheinen doch komplett verrückt zu sein!

Jesus handelte klar und bestimmt, anscheinend hatte er von seinem himmlischen Vater genaue Instruktionen erhalten, was zu tun ist. Er kann jetzt keine Diskussionen mit Weinenden darüber führen, „warum Gott das zugelassen hat“ und den Heulenden keinen Trost spenden, er muss sich auf die vor ihm liegende Aufgabe fokussieren. Also schafft er die Klagenden aus dem Sterbezimmer, was wiederum ein Affront für sie sein konnte.

Das zeigt uns, dass sich so eine Heilungs- bzw. Auferweckungsgeschichte zwar schön und romantisch liest, aber die Wirklichkeit sieht ganz anders aus. Das Problem des menschlichen Unverständnisses und Widerstandes, das zu durchdringen ist, um überhaupt bis in das Krankenzimmer zu gelangen, ist schier größer, als die Heilung selbst. Kann das möglich sein? Ja, das kann es und ist m. E. der Hauptgrund für die Verhinderung unendlich vieler Wunder, die Gott gerne tun würde, aber er wird nicht gelassen.

Wie oft habe ich das erlebt! Menschen beteten für einen Kranken, dann begann Gott Glauben zu wecken, indem er Worte und Offenbarung gab, Einsichten in das Krankheitsgeschehen schenkte, seine Ursachen und Wirkungen aufdeckte. Er nahm den Betern die Befangenheit („Fürchte dich nicht!“) und stärkte ihre Zuversicht („Glaube nur!“). Dann kam der Moment, wo sie bereit waren, die Kraft fließen zu lassen, aber sofort stellten sich ihnen alle anderen entgegen, häufig auch die Gemeinde selbst, die ihren Ruf nicht an solche Fanatiker und Glaubenseiferer verlieren wollte. Und natürlich gibt es immer Angehörige, Ärzte, ja das ganze Gesundheitssystem, welches übernatürliche Heilung nicht in Betracht zieht und als „gefährlich“ einschätzt. Es ist in unserer materialistischen, wissenschaftsgläubigen und areligiösen Kultur nicht einfach, durchzukommen!

Und selbst dann, wenn es einmal klappt, bleibt die Skepsis und Ablehnung so groß, dass tatsächlich viele Geheilte wieder umkippen und mit voller Unterstützung aller „Zuständigen“ zurück in ihr Elend rutschen. Dieses halten alle für „richtig“ und die Kraft Gottes für „falsch“. Sie entzieht sich ihrer Kontrolle, ist ihnen unheimlich, damit kann man nicht arbeiten, usw.  

Schon manchem Geplagten habe ich geraten, mal aus seinem Umfeld herauszugehen, irgendwo in einer abgeschiedenen Hütte „Urlaub“ zu machen und dort, so weit es ihm möglich ist, zu beten und zu fasten.

Auch habe ich für mich selbst entschlossen, nicht allen meine Krankheiten und Nöte mitzuteilen, nur Jesus und einige Freunde, für die Glauben normal ist. Zu viel sorgenvolle Anteilnahme kann das pure Gift sein und einen im Elend festhalten, anstatt einen herauszubeten.

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