Fürchte dich nicht, glaube nur!

Während er aber noch redete, kommt einer von dem Haus des Synagogenvorstehers und sagt zu ihm: Deine Tochter ist gestorben, bemühe den Lehrer nicht. Als aber Jesus es hörte, antwortete er ihm: Fürchte dich nicht, glaube nur! Und sie wird gerettet werden. (Lukas 8,49)

Die Geschichte mit der „blutflüssigen Frau“, sie kam dazwischen und hielt Jesus auf, der mit dem Synagogenvorsteher Jairus unterwegs zu dessen Haus war, um seiner Tochter zu helfen, die im Sterben lag. Wie akut die Situation war, das sehen wir nun an den Worten des Boten, der den Tod der Tochter meldet. O was für ein Schock für Jairus! Er hatte so viel auf Jesus gesetzt, all die Hürden überwunden, die er als offizieller religiöser Funktionär nehmen musste, um ausgerechnet zu dem von den Pharisäern und Schriftgelehrten verhassten Sektierer Jesus zu gehen. Aber er wusste keinen anderen Ausweg mehr und sprang für seine Tochter über seinen Schatten.

Erneut sehen wir eine „finale Situation“. All die Selbstüberwindung und all die Bitten an Jesus waren umsonst gewesen, das Mädchen von Jairus war gestorben. Sie kamen zu spät, sie waren aufgehalten worden, Jesus war anderweitig beschäftigt… Ja klar, immer ist ja irgendwas anderes wichtiger als wir und unser Fall liegt ganz unten im Stapel der Anträge.

Angesichts finaler Situationen brechen wir zusammen, geben auf, sind bitter enttäuscht, erleben alles als gegen uns – natürlich auch Gott und seinen Jesus, der einem Hoffnungen macht, indem er einen begleitet, aber dann in der Krise doch hängen lässt. Ich kann mir vorstellen, dass solche oder ähnliche Gedanken und Gefühle Jairus überfluten. Noch realisiert die Seele den Verlust nicht und noch greifen ihre Vorwurfs- und (An)Klageprogramme nicht, da wendet sich Jesus mit der zweifachen Aufforderung an den geschockten Jairus. Erstens: Fürchte dich nicht! 

Diese Aufforderung angesichts einer aussichtslosen, ja, einer vollendeten Katastrophe, gegenüber einem Vater, dessen Kind gerade gestorben ist, auszusprechen, klingt verrückt oder grausam. Wie soll Jairus sich denn nicht fürchten? Der Verstand kann doch gar keinen Ausweg aus dieser Situation berechnen, es gibt einfach keinen. Aber Jesus IST der Ausweg. Und er IST bei Jairus, und er HAT die Situation im Blick und den Boten gehört. Und die Unreinheit der kranken Frau hatte er vor Jairus Augen geheilt… und er setzt seinen Weg zu seinem Haus unbeirrt fort!

So verraten und verlassen, wie Jairus sich fühlen mag, ist er in Wirklichkeit nicht. Hier prallen Welten aufeinander, die irdische Ohnmacht und die himmlische Vollmacht! Die medizinische Diagnose und die höhere Absicht. Für die irdisch-menschliche Seite ist die Situation der Supergau, für den Himmel eine Gelegenheit, Macht und Herrlichkeit zu demonstrieren.

Jairus wird von Jesus zur Mitarbeit an einem Wunder gebeten. Diese besteht darin: Fürchte dich nicht! Wenn die Furcht die Kontrolle übernimmt, wird Jairus womöglich die ganze Aktion abbrechen, die er im Glauben angefangen hat, indem er zu Jesus ging.

Das Zweite ist: Glaube nur! Jairus soll also dranbleiben, seinen Glauben nicht aufgeben, sondern jetzt erst recht „nur“ glauben. Die Umstände sprechen eine andere Sprache, der Bote vermittelt ihm ganz klar die Aufforderung: Brich ab, lass das mit Jesus doch sein! Wegen dem warst du in den letzten Momenten nicht bei deiner Tochter! Mach dir nichts vor, jetzt ist Schluss mit dieser Geschichte!      

Aber das Ende war noch nicht das Ende…

Für mich persönlich ist dieses Wort: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“, von zentraler Bedeutung. In wieviel ausweglos erscheinenden Situationen habe ich an Jairus gedacht und an Hebräer 11,1:

„Der Glaube aber ist eine Verwirklichung dessen, was man hofft, ein Überführtsein von Dingen, die man nicht sieht.“ (ELB)

Was ist denn der Glaube? Er ist ein Rechnen mit der Erfüllung dessen, worauf man hofft, ein Überzeugtsein von der Wirklichkeit unsichtbarer Dinge. (NGÜ)

Der Glaube überwindet den Widerspruch des Sichtbaren, indem er sich der unsichtbaren „Dinge“ bewusst ist. Dieser Glaube kooperiert mit einer unendlich viel größeren Wirklichkeit, als lediglich der sichtbaren, also materiellen. Er bringt das Reich Gottes ins Spiel, zahllose Verheißungen, Myriaden Engel, Gaben des Geistes und so viel mehr…

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