So geht Erweckung!

Als die Frau aber sah, dass sie nicht verborgen blieb, kam sie zitternd und fiel vor ihm nieder und berichtete vor dem ganzen Volk, um welcher Ursache willen sie ihn angerührt habe und wie sie sogleich geheilt worden sei. (Lukas 8,47)

Nun erlaubt Jesus der Frau mit ihrem bemerkenswerten Glauben nicht, im Verborgenen zu bleiben, sondern bringt alles ans Licht – vor dem ganzen Volk. Ein überaus spannender Moment. Denn sie war doch unrein! … gewesen. Wer aber würde ihrer Behauptung glauben, dass sie geheilt sei? Wer konnte das überprüfen? Sicherlich wichen eine Menge Leute erst einmal von ihr weg.

Diese Frau hatte seit zwölf Jahren wie eine Aussätzige gelebt, gemieden von allen, unberührbar. Jetzt holt Jesus sie aus der Dunkelheit ans Licht, aus dem „hoffnungsloser Patient sein“ zurück ins vollwertige Menschsein. Er, der die finale Autorität hat, umringt vom Volk, rehabilitiert sie vor aller Augen. Auch vor denen des Synagogenvorstehers Jairus.

Die Heilung der Frau ging also viel tiefer, als die körperliche Wiederherstellung. Ihr ganzes Leben wurde geheilt, sie hatte wieder einen Platz in der Gesellschaft, eine Zukunft, eine zweite Chance. Nur, wer selbst Jahre der chronischen Krankheit und Verlorenheit erlebt hat, kann ermessen, wie ungeheuerlich ist, was dieser Frau hier widerfährt. Ein neues Leben in der Kraft, die sie von Jesus empfangen hat.

Sicher sprach sich wie ein Lauffeuer herum, was dieser „unreinen“ Frau geschehen war und desto mehr holten die Familien ihre hoffnungslosen Pflegefälle aus den Hinterzimmern hervor, um sie in Berührung mit Jesus zu bringen, denn „Kraft ging von ihm aus und heilte alle“:

Und wo auch immer er in Städte oder Dörfer oder in Gehöfte hineinging, legten sie die Kranken auf die Marktplätze hin und baten ihn, dass sie nur die Quaste seines Kleides anrühren dürften; und alle, die ihn anrührten, wurden geheilt. (Markus 6,56)

Da sehen wir, dass die Geschichte der blutflüssigen Frau, die im Markusevangelium zuvor im 5. Kapitel  berichtet wird, eine wahre Heilungsbewegung auslöste! Alle wollten jetzt die Quaste von Jesu Gewand anrühren – und siehe da, sie alle wurden geheilt!

Die Frau war also kein Einzelfall, keine auserwählte Heilige, keine Ausnahme, sondern markierte mit ihrer Tat eine Möglichkeit für alle Kranken! Vielleicht hat sie flugs ein Buch darüber geschrieben, einen Kurs über das korrekte Quasten-Anfassen entwickelt, Interviews in der lokalen Presse gegeben!

Es war ja ihr initiativer Glaube, der sie geheilt hatte – und so war es dann wohl auch der Glaube, der die Leute dazu trieb, ihre Kranken auf Marktplätze zu schaffen – sie also gemäß dem Vorbild der blutflüssigen Frau aus der Verborgenheit ans Licht und vom Rande der Gesellschaft in die Mitte zu holen. Sie alle hatten jenen aktiven Glauben der Frau übernommen, der sie zu Handlungen trieb, die sie sich wahrscheinlich niemals zugetraut hätten, denn sie waren extrem und gegen ärztlichen Rat und auf eigene Verantwortung. Und es funktionierte!

Wahrscheinlich begannen die ersten findigen Leute herauszufinden, dass die Kraft, die die Kranken von Jesus empfingen, je nachdem auch von den Geheilten an wieder andere Kranke weitergegeben werden konnte! Andere begannen einen Quasten-Handel zu betreiben…

Was mögen die Ärzte gedacht haben? Was die Pharisäer und Schriftgelehrten? Was die Politik? Durfte geschehen, was hier geschah? Ihrer Meinung nach nicht, denn das Gesetz wurde übertreten, die Ruhe gestört, der Ärzteverband reichte Klag ein, die Polizei konnte all die unangemeldeten Versammlungen kaum mehr kontrollieren, usw.. Also trachteten sie danach, Jesus schnellstens loszuwerden, damit ihm nicht alles Volk hinterherlief. Sie sahen ihre Macht und ihren Einfluss schwinden; ihre Geschäfte wurden gestört, ihre Expertenrunden und Sektenbeauftragten ignoriert…

Der Glaube, bisher schön verortet und verwaltet in der Synagoge, kam auf einmal aus dem Verborgenen heraus mitten auf den Marktplatz und in den Alltag der Menschen. Er war Stadtgespräch, jede Zeitung berichtete darüber. So geht Erweckung! 

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