Glaube, der Wunder wirkt

Und Jesus sprach: Wer ist es, der mich angerührt hat? Als aber alle es abstritten, sprach Petrus: Meister, die Volksmengen drängen dich und drücken dich, und du sagst: Wer ist es, der mich  angerührt hat? Jesus aber sprach: Es hat mich jemand angerührt; denn ich habe gespürt, dass Kraft von mir ausgegangen ist. (Lukas 8,45-46)

Eine etwas widersprüchliche Situation: Die Volksmengen „drängen und drücken“ Jesus, aber alle streiten ab, ihn angerührt zu haben… Und Petrus meint, er muss die Situation klären…

Die „blutflüssige“, also „unreine“, Frau rührte Jesus anders an, als die anderen. Auf eine Weise, die „Kraft von ihm ausgehen ließ“, die sie heilte. Das zu verstehen, ist für uns äußerst wichtig, denn auch heute ist es so, dass viele auf Jesus andrängen, aber keine Heilung empfangen, einige aber doch. Was ist der Unterschied?

Manche vertreten leider die Ansicht, es liege an Jesus, er mache eben Unterschiede darin, wen er heilen will und wen nicht. Jedoch klingt die Aussage Jesu, dass er spürte, wie eine Kraft von ihm ausging, geradezu unpersönlich. Er kannte die Frau nicht, hatte kein Wort mit ihr gesprochen, von hinten kam sie in der Menge heran und berührte die Quaste seines Kleides. Sie hatte keine Bitte formuliert und kein Gebet gesprochen, kein Vaterunser, kein Glaubensbekenntnis, keine Kerze angezündet, nichts. Und doch – o Wunder – floss für sie die Kraft und sie war geheilt. Alle anderen nicht.

War es die „heilige Quaste“, die sie berührte? War es die Art und Weise, wie sie Jesus angefasst hat? Wenn wir es nur ganz genau so machen würden, wie sie, würde die Kraft dann auch für uns wirken? Nein, das würde sie nicht, denn es geht nicht um ein äußeres Verhalten, das wir kopieren.

Jesus klärt die Ursache des Kraft-Transfers und der Heilung in Vers 48 auf: „Tochter, dein Glaube hat dich geheilt.“ Es war also ihr Glaube, der die Kraft zum Fließen gebracht hat.    

Aber als Christen glauben wir doch alle, oder nicht? Wieso sind dann fast alle krank – genauso allgemein und umfänglich, wie die Nicht-Gläubigen? Wir tun doch alles, was verlangt ist: gehen in die Gemeinde, lesen die Bibel, beten, geben den Zehnten… und diese Frau, die tat, was vom Gesetz her untersagt war, die wird geheilt. Ist das nicht ungerecht? Anscheinend geht es bei der Qualität des Glaubens, die hier im Spiel ist, nicht um Verdienst oder Lohn für gerechtes Verhalten.

Der Glaube dieser Frau war derart, dass sie so überzeugt von der Kraft des Heiligen Geistes bzw. der Salbung auf Jesus, dem Messias, dem Gesalbten, dem Christus, war, dass sie jegliches Hindernis überwand, um ihn zu berühren. Ihr Glaube war also nicht passiv, lediglich ein „Für-wahr-halten“ von Bibelversen und religiöser Tradition, nein, sie handelte. Sie setzte alles auf eine Karte und ging ein hohes Risiko ein, denn wäre sie enttarnt worden, was Jesus ja dann auch tat, wäre sie einer kriminellen Handlung angeklagt worden. Sie übertrat die Regeln, tat, was vom Gesetz her untersagt war, riskierte ihr Leben… immerhin ging doch ausgerechnet der Synagogenvorsteher Jairus neben Jesus her! Auch das bremste die Frau nicht aus.

Das Verhalten dieser Kranken ist so viel intensiver, entschlossener und mutiger, als was es für uns Gesunde braucht, in der Bibel zu lesen, einen Gottesdienst zu besuchen und den Zehnten zu geben…

Wie weit geht unser Glaube wirklich? Für wen halten wir den „Gesalbten“ wirklich? Wie tief lassen wir uns auf ihn ein – wirklich? Es gibt einen Glauben, der Wunder wirkt.

Ich weiß, das ist ein sensibler Punkt und Menschen in Not wurde gesagt, sie hätten eben nicht genug Glauben. Es ist nicht unsere Aufgabe, den Glauben anderer zu beurteilen, sondern unseren eigenen. Wir halten ihn ins Licht vor Gott hin und bitten um seine Begutachtung. Vielleicht erleben wir dann, dass vieles, was wir Glauben nennen, von Gott nicht so genannt wird und anderes, was wir gar nicht in Betracht zogen, doch. 

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