Triumph der Barmherzigkeit

Und eine Frau, die seit zwölf Jahren mit einem Blutfluss behaftet war und, obgleich sie ihren ganzen Lebensunterhalt an die Ärzte verwandt hatte, von niemandem geheilt werden konnte, kam von hinten herzu und rührte die Quaste seines Kleides an; und sogleich hörte ihr Blutfluss auf. (Lukas 8,43-44)

Hier sehen wir eine weitere Verzweiflungstat einer Kranken, ganz ähnlich der von Jairus, der für seine sterbende Tochter bis zu Jesus durchgedrungen war und dafür alle inneren und äußeren Hürden überwunden hatte. Zu dessen Haus waren sie jetzt unterwegs, da ereignet sich diese Episode mit der „blutflüssigen Frau“.

Auch sie überwand alle gesellschaftlichen Grenzen und religiösen Tabus, denn sie war unrein und musste zu allen Menschen Abstand halten. Das Gesetz erklärte jeden für unrein, der mit ihr in Berührung kam oder auch nur ihre Sachen anfasste (3Mo 15).

Also müssen wir bedenken, dass Jesus nun, da sie ihn berührt hatte, von Gesetzes wegen unrein war! Wir können uns fragen, was der Synagogenvorsteher, also der Vertreter und Prediger des Gesetzes, der ja gerade Jesus in sein Haus bringt, über diese Sache gedacht haben mag. Er konnte Jesus unter diesen Umständen doch gar nicht in sein Haus führen und ihn schon gar nicht seine Tochter anfassen lassen! Für ihn war die Geschichte hier zuende… von Gesetzes wegen.

Aber nun geschieht es, dass nicht die Unreinheit der Frau Jesus verunreinigt, sondern seine Reinheit sie heilt! Sie rührt ihn an, was sie nicht durfte, und wird sofort geheilt anstatt gesteinigt!

Wieder sehen wir, wie die Verzweiflung einen Menschen dazu befähigt, über alle Grenzen zu gehen und das Undenkbare zu tun. Welch ein Risiko ging diese Frau ein! Vielleicht sprach sie bei sich selbst wie einst Esther: Komme ich um, so komme ich um! Und wie für Esther ging die Sache auch bei dieser Frau gut aus. Barmherzigkeit triumphierte über Gericht!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.