Selbstlosigkeit und Vollmacht

Es geschah aber, als Jesus zurückkehrte, nahm ihn das Volk auf, denn alle erwarteten ihn. (Lukas 8,40)

Jesus war nicht auf einem Urlaubstrip gewesen, sondern völlig erschöpft mit seinen Jüngern an Bord eines Schiffes gegangen. In gewisser Weise retteten sie sich abends vor den Volksmengen auf das Boot, um auf diese Weise ein wenig Ruhe und Abstand zu finden. Aber dann kam die Auseinandersetzung mit dem Sturm, der fast das Boot versenkt hatte, danach – kaum dass sie ihren Fuß auf den Boden gesetzt hatten – ging es weiter mit der krassen Episode über den besessenen Gerasener und die rasenden Schweineherde.

Nun kommen sie zurück – und dort warteten schon die Volksmengen, so dass Jesus nicht wenig „bedrängt“ wurde, wie wir in Vers 42b lesen können: „Die Volksmenge drängte ihn aber, während er hinging“.

Klingt ganz schön stressig! Wer kann das aushalten? In Kapitel neun wird Jesus seine zwölf Jünger als Apostel bevollmächtigen und aussenden, „das Reich Gottes zu predigen und die Kranken zu heilen“ (9,2). Erneut ein Hinweis auf die „Mission“, von der wir m. E. heute weit abgekommen sind und völlig andere Schwerpunkte setzen als das Reich Gottes und die Heilung der Kranken. Entsprechend schlechte Ergebnisse erzielen wir, denn die Volksmengen suchen nicht unsere eloquenten Predigten und Kirchenprogramme, sondern nach wie vor die Kraft Gottes.

Bei diesen Mengen an Leuten würde der Dienst also klugerweise auf eine breitere Basis gestellt werden. Jedoch mussten die Jünger für lange Zeit einfach nur „bei Jesus sein“ und alles hautnah miterleben, was er tat und beobachten, wie er es tat und was in der Folge geschah. Sie mussten über viele persönliche und menschliche Grenzen gehen, viel loslassen sowie Gelassenheit und Hingabe üben. Sie mussten lernen, sowohl mit „Hosianna!“ als auch mit „Kreuzige!“ umzugehen, mussten das ständige Wechselbad von Erhöhung und Erniedrigung verkraften, denn die einen nannten Jesus einen Heiligen, die anderen einen Ketzer.

Inmitten solcher Gegensätze fest zu stehen und inmitten des Gedränges zentriert zu bleiben, das ist die Kunst des Glaubens und des daraus resultierenden Dienstes. Er braucht ein hohes Maß an Selbstlosigkeit. Darüber finden wir aktuell ja nicht ganz so viele Kurse, Bücher und Konferenzen! Worin bilden wir unsere Missionsanwärter heute eigentlich aus? In Selbstlosigkeit? Kann man das überhaupt „lehren“?

Jesus war sich sowohl seiner Abhängigkeit vom Vater als auch seiner Vollmacht bewusst. In diesem Bewusstsein wich er den vielen Menschen mit ihren unendlichen Nöten und Gebrechen nicht aus, sondern stellte sich ihnen. Dieses Bewusstsein, kann man das „lehren“? Nein. Aber alles liegt daran!

Womit wir dann bei der Frage sind, welches Selbstbewusstsein wir haben und wie selbstlos und vollmächtig wir aufgrund dessen zu dienen vermögen – ob im Sturm, ob konfrontiert mit einer Legion Dämonen oder bedrängt von Volksmengen.     

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