Wie viel Dämonisierung geht? Teil 1

Und sie fuhren nach der Landschaft der Gerasener, die Galiläa gegenüber liegt. Als er aber an Land gestiegen war, kam ihm ein Mann aus der Stadt entgegen, der seit langer Zeit Dämonen hatte und keine Kleider anzog und nicht im Haus blieb, sondern in den Grabstätten. (Lukas 8,26-27)

Nachdem der Glaube der Jünger auf dem See einer Prüfung unterzogen und erneuert worden war, kommen sie sogleich in eine Situation, die eben einen solch bewährten und an Jesus orientierten Glauben braucht. Sie werden mit einem heftig dämonisierten Mann konfrontiert, der Jesus entgegenläuft, aufschreit und niederfällt. Sein Anblick ist furchterregend, denn schon lange hatte er Dämonen bzw. haben sie inzwischen ihn. Sein Leben ist schon deutlich in ihre Art verwandelt.  

Was ist „ihre Art“? Wir können es in einem Wort sagen: Widernatürlichkeit.

Normalerweise träg ein Mensch Kleidung, also läuft dieser nackt. Normalerweise wohnen Menschen in Häusern, also lebt er draußen – in den Gräbern. Denn ein Mensch will eigentlich leben, aber der Friedhof ist der Ort des Todes.

Wenn wir unter diesem Aspekt unsere Gesellschaft und Kultur betrachten, wie immer wieder das Abnormale hofiert und gefördert wird (denken wir nur einmal an so etwas wie Geschlechtsumwandlung oder Abtreibung – heutzutage die Todesursache Nummer 1), dann können wir das Dämonische sehen, das die Welt nach ihrer Art umformt. Alles Natürliche muss weg. Die Natur wird zerstört und gentechnisch verändert, der natürliche Mensch durch Züchtung und Implantate „modifiziert“, Stichwort „Transhumanismus“.

Die Verrohung der Menschheit wird als Fortschritt gefeiert, die Filme zeigen unvorstellbare Gewalt und die PC-„Spiele“ triefen nur so von Mord und Totschlag und der neuen Spezies der „Zombies“. Sie sind wohl eine recht gute Adaption des besessenen Geraseners.

Warum läuft dieser Mann Jesus entgegen? Um ihn abzuhalten, die Landschaft der Gerasener zu betreten? Der Heilige betritt unheiligen Boden… Im späteren Verlauf der Geschichte erfahren wir, dass die Gerasener Jesus dringend bitten, von ihnen zu gehen. Nicht ihr Besessener, den Jesus heilt, ist ihnen unheimlich, sondern Jesus. Sie wollen keine Störung, keine Auseinandersetzung mit ihrer Dämonie, die Frage nach heilig und unheilig, natürlich und unnatürlich interessiert sie nicht. Die Austreibung der Dämonen aus dem Mann ist geschäftsschädigend, denn schließlich führt es zum Verlust einer großen Schweineherde. Die Tiere werfen sich – ganz entgegen ihrem normalen Verhalten – ins Wasser und verenden dort.

Das Verhalten der Gerasener wirft viele Fragen für uns auf. Die allgemeine und unbemerkte Kooperation mit den Dämonen und die Wirkung der Pervertierung des Normalen sind auch heute an vielen Orten bzw. auf vielen Ebenen systemisch. Sogar in der Kirche. Wieviel davon wird fürs Geschäft in Kauf genommen? Über wie viele Leichen (aber nicht von Schweinen) wird dafür gegangen? Wieviel Korruption wird dafür legitimiert? Die allzu auffällig Dämonisierten werden entweder zu „Künstlern“ und „hohen Tieren“ aufgebaut oder aber in Psychiatrien entsorgt.

Jesus hatte keine Angst vor diesen Dämonen, ja, er stellt ihnen sogar Fragen! Die Machtverhältnisse waren ganz klar.

Von den Jüngern lesen wir in dieser Geschichte gar nichts. Gerade noch hatten sie den Sturm überstanden, jetzt stand ihnen eine Legion von Dämonen gegenüber, alle in einen sehr wild erscheinenden Mann gepfercht. So wie dem Sturm gebietet Jesus auch ihnen. Vielleicht waren die Jünger erneut oder immer noch erschrocken und erstaunt über Jesus und fragten sich gegenseitig: „Wer ist dieser?“ und vielleicht stand noch immer die Frage im Raum, die Jesus seinen Jüngern zuletzt gestellt hatte: “Wo ist euer Glaube?“

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