Sprich zu dem Sturm

Er aber stand auf, bedrohte den Wind und das Gewoge des Wassers; und sie legten sich und es trat Stille ein. Er aber sprach zu ihnen: Wo ist euer Glaube? (Lukas 24b-25a)

Wir können uns vorstellen, wie konsterniert die Jünger waren – sowohl über die Handlung Jesu, als auch über seine Frage nach ihrem Glauben. Vor Augenblicken noch waren sie in höchster Verzweiflung und sahen ihr Ende gekommen. Und Jesus steht auf und sagt einfach „Sei still!“ zu dem Sturm und er gehorcht ihm?!

O wie sehr ist das unsere Geschichte. Wir arbeiten und kämpfen uns durch, wir kommen an den Rand des Zusammenbruchs, die Glaubensgeschwister machen sich schon ernsthaft Sorgen um uns. Wir schreien zu dem Herrn – und zwar wirklich, nicht nur metaphorisch – und erleben Psalm 107:

„Da schrien sie zu dem Herrn in ihrer Not und errettete sie aus ihren Bedrängnissen. Er leitete sie (in der Wüste) auf rechtem Weg, so dass sie zu einem bewohnten Ort gelangten.“ (V. 6-7)

„Da schrien sie zu dem Herrn um Hilfe in ihre Not, aus ihren Bedrängnissen errette er sie. Er führte sie heraus aus Dunkel und Finsternis, er zerriss ihre Fesseln.“ (V. 13-14)

„Dann aber schrien sie zu dem Herrn um Hilfe in ihrer Not, aus ihrer Bedrängnis errettete er sie. Er sandte sein Wort und heilte sie, er rettet ihr Leben aus der Grube.“ (V. 19-20)

„Dann aber schrien sie zu dem Herrn in ihrer Not, und er führt sie heraus aus ihren Bedrängnissen. Er verwandelte den Sturm in Stille, und es legten sich die Wellen. Sie freuten sich, dass es still geworden war und er führte sie in den ersehnten Hafen.“ (V. 28-30)

Unfassbar, wie sich dieses Wort aus den Versen 28-30 hier ganz genau erfüllt. Es bestätigt die Mission Christi, die darin besteht, alle Verheißungen Gottes zu erfüllen. Nicht auszulegen, nein, zu erfüllen. Die Jünger erlebten live und in Farbe, wie sich Psalm 107, 28-30 an ihnen Wort für Wort erfüllte. Sicherlich lasen sie die Psalmen in Zukunft sorgfältiger denn je!

Wichtig ist mir an diesem Punkt die Intensität: Sie schrien zu dem Herrn. Sie alle taten das nicht sofort, sondern erst, als sie verschmachteten und völlig am Ende waren. Da ließen sie alle Förmlichkeit fahren und schrien zu dem Herrn – mit allem, was sie noch hatten und konnten.

Solange unser Gebet noch nichtsagen, langweilig, eine religiöse Pflichtveranstaltung und Routine ist, weckt es Jesus nicht auf. Erst wenn es heftig wird und laut, wenn darin unser ganzes Sein – Körper, Seele und Geist – zum Ausdruck kommen, dann weckt es den Himmel auf und er nimmt uns ab, dass wir meinen, was wir sagen. Dann schreitet er ein, denn er ist nicht eine unter vielen Optionen, die wir haben, sondern die einzige und letzte Hoffnung, zu der wir Zuflucht nehmen.

Die Erfahrung wie einfach der Himmel dann unsere riesengroßen Bedrängnisse bewältigt, ist jedesmal höchst verwunderlich. In unserer Geschichte ist es die ganz naive Ansage an den Sturm: „Sei still!“. Zwei Worte. Ja hat der denn Ohren?!, fragen wir. Offenbar hat er die und reagiert mit vorbildlichem Gehorsam.

In unseren Nöten zeigt uns der Herr immer wieder diese überaus simplen Lösungen, die wir einfach nicht wahrhaben wollen, weil es zu simpel ist, um wahr zu sein. Erst wenn wir am Ende mit unserem Latein sind und uns egal ist, wie „klug“ und sinnvoll unsere Maßnahmen aussehen, erwägen wir die naiven Lösungen Gottes. In seinem Namen sammeln wir mit David ein paar Steine, um gegen Goliath anzukommen oder blasen mit Josua die Posaune, damit eine Stadtmauer umfällt. Oder stillen mit Jesus einen Sturm… mit zwei Worten.

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