Lichtwirkungen

Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden wird, noch geheim, was nicht kundwerden und ans Licht kommen soll. (Lukas 8,17)

Noch befinden wir uns im „Gleichnis von der Lampe“. Dort finden wir diesen aufschlussreichen Satz. Natürlich, wenn das Licht kommt, wenn die Lampe brennt und wenn sie auch noch an ihrem richtigen Platz steht, wo sie „den Hereinkommenden leuchtet“, dann wird alles gesehen

Aber nicht alles will gesehen werden!

Wenn wir beten: „Es werde Licht!“ und wenn wir bereit sind, Lampen Gottes zu werden, in denen das Öl der Heiligen Geistes brennt, welches dann uns selbst wie auch unsere Umgebung erleuchtet, dann ist das einerseits wunderbar, aber anderseits braucht es großen Mut, sich der Wirklichkeit zu stellen, wie sie im Licht ist.

Wir bekommen ja nicht nur „schöne“ Dinge zu sehen, sondern auch die hässlichen. Nicht nur Göttliches, sondern genauso Irdisches, Menschliches und Dämonisches.  Wir finden – sowohl in uns selbst wie um uns her – ungeheure Verkehrtheit, Selbsttäuschung, Irrsinn und  Dummheiten, die im Dunkeln gedeihen konnten, aber im Licht in ihrer Groteske sichtbar werden. Das wollen sie aber nicht! Das Licht tut weh, die Wahrheit ist skandalös.

Je länger die Verkehrtheit sich als „richtig“ verkaufen konnte, die Lüge als Wahrheit und der Wahn als „Bildung“, desto krasser fällt unser Realitätsschock aus, wenn das Licht angeht. Dann beginnt die unendliche Aufräum- und Korrekturarbeit. O wie viel haben wir uns über uns selbst und über alle Dinge vorgemacht!

Das „Gericht des Lichts“ ist kein moralisches oder religiöses Beurteilen, sondern einfach nur ein Offenbarwerden dessen, was und wie alles wirklich ist. Das Licht zeigt es und jeder erkennt es. Dann weiß man über jeden Zweifel erhaben, was los ist. Wer auch dann noch auf seinen Irrtum und Wahn beharrt, dem ist nicht zu helfen, er hat sich selbst disqualifiziert. Wer, der Augen hat, sollte bei seinem Theater noch mitspielen?

Das Licht ist keine Meinung, keine Theorie, keine Religion oder Ideologie, nach dem Motto: Du hast deinen Glauben und ich meinen! Das Licht ist kein Glauben. Alle Menschen, egal welchen Glaubens, schalten abends das Licht an, um zu sehen. Alle Menschen sehen in einem zuvor dunklen Raum, was drin ist, wenn das Licht angeht. Es ist keine „Meinung“, wenn dort ein Tisch mit Stühlen steht. Alle werden es sehen und können sich an den Tisch setzen. Darüber braucht es keine Diskussion. Aber Ideologen werden auch dann noch bestreiten, dass es ist, was es ist, weil sie die Wirklichkeit ihren Ansichten beugen wollen. Darum brauchen sie so dringend die Dunkelheit. Das Licht beendet ihre Illusionen und ihren Wahnsinn. Also weg mit dem Licht!

Wenn wir Licht werden, müssen wir uns auf allerlei gefasst machen! Die Dunkelheit wird uns hassen und alle Ideologien dieser Welt versuchen, unser Licht auszuschalten – so, wie sie Jesus ausschalteten und bei seinem Sterben äußerste Finsternis die Welt erfüllte.   

„Es war aber um die sechste Stunde; und es kam eine große Finsternis über das ganze Land (die ganze Welt) bis zur neunten Stunde, wobei die Sonne sich verfinsterte; der Vorhang des Tempels aber riss mitten entzwei.“ (Lk 23,44-45)

Nachdem das Licht wiederkam und der Vorhang zerrissen war, der so dermaßen dick war, dass auch nicht das geringste Licht hätte durchdringen können (!), konnten jetzt alle das geheimnisvolle Allerheiligste sehen – und da war nichts. Keine Heiligkeit, kein Gott, keine Rechtfertigung für die gewaltige Hierarchie der Priester, Schriftgelehrten, Pharisäer, also die gesamte Ideologie. Sie verwalteten ein aufgeblähtes, imperiales NICHTS. Denn Gott wohnt nicht in Tempeln, sondern in Herzen. Sein Haus muss ein lebendiges sein! Man kann ihn nicht einsperren in ein abgeschottetes, finsteres „Heiligtum“ und „Tabernakel“ aus Stein. Das ist ja, als wollte man die Sonne in einen Kasten sperren… ein Licht, das über einhundertmal größer ist als die ganze Erde!  

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