Jüngerinnen

Und einige Frauen zogen mit ihm, die von bösen Geistern  und Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt Magdalena, von der sieben Dämonen ausgetrieben worden waren, und Johanna, die Frau des Chusa, des Verwalters Herodes, und Susanna und viele andere, die ihm dienten mit ihrer Habe. (Lukas 8,2-3)

Hier erfahren wir, dass Jesus nicht nur von den zwölf Jüngern, sondern auch von allerlei Jüngerinnen begleitet wurde, von denen hier einige namentlich aufgezählt werden. Zuvor hatten wir in Kapitel 7 ja die Salbung Jesu von der Sünderin, die Jesus offenbar in einer Art und Weise erlebt hatte, dass sie zu solch einem aufsehenerregenden „Fehlverhalten“ in der Lage war und Jesus in gesellschaftlich unerhörter Art und Weise diente. Jesus nannte es „Liebe“…

Nicht anders verhält es sich wohl bei diesen Frauen, die alles verließen und Jesus folgten. Aber was bedeutete es damals für eine Frau, so etwas zu tun? Immerhin lesen wir, dass Johanna die Frau des Chusa war. Hat sie also auch ihren Mann, ihre Familie, ihr Haus verlassen, um Jesus zu folgen? Darf Frau so etwas? Gesellschaftlich gesehen nicht. Es war wohl ein großer Skandal und sicher ein Politikum, dass Frauen, auch hochgestellte wie Johanna, alles hinwarfen und Jesus folgten. Das ist doch unerhört!

Die genannten Frauen, Maria Magdalena, Johanna und Susanna, waren „von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden“. Ihr Leben hatte durch Jesus eine schicksalhafte Wende erfahren, eine Befreiung und einen Neuanfang.

Sie nun reagierten darauf nicht mit einem „Danke und Auf Wiedersehen bis am Sonntag im Gottesdienst – wenn nicht was Wichtiges dazwischenkommt“. Sie haben nicht bei Jesus „aufgetankt“, um in erfrischter Weise weiterzumachen, wie gehabt, sondern reagierten mit der Hingabe ihres Lebens, denn mit Jesus zu gehen und an seinem Dienst beteiligt zu sein, das war kein Zuckerschlecken.

Manchen, die sagten: „Ich will dir folgen!“ machte Jesus klar, dass sie sich das nicht zu romantisch vorstellen sollten und klärte sie darüber auf, was sie das kosten würde, zuallererst ihren Ruf. Jetzt würden sie als Sektierer- und Ketzerinnen verschrien werden. Überall würden die Pharisäer und Schriftgelehrten mit Steinen auf sie warten. Die Gesellschaft würde sie verachten. Und Jesus ließ das alles zu… Er ließ Liebe zu… 

Liebe…, ja, das sagt sich so einfach, ich weiß. Vielleicht hätten diese Frauen von Jesus genau umgekehrt nach Hause geschickt werden sollen, um eben genau dort klarzukommen und ein Zeugnis zu sein. Und vielleicht hat Jesus das auch mit manchen so getan und vielleicht wird er es auch mit anderen noch so tun, wenn sie eine Zeit lang mit ihm gezogen sind und tiefere Erfahrungen mit dem Evangelium vom Reich Gottes gemacht haben und in ihrer Heilung und Befreiung stabilisiert sind. Was ist denn mit jemandem, aus dem sieben Dämonen raus sind, wie Maria Magdalena? Kann man die dann einfach am Ende der Veranstaltung nach Hause schicken, in ein Umfeld, wo sie sich eben diese Geister gefangen hat?

Ich denke, viele Bekehrte müssten mal eine Zeit lang raus aus ihrem Alltag, raus aus allem, um in die Fülle der Wiedergeburt und der Erfahrung der Gnade und Erleuchtung durch den Heiligen Geist einzutauchen. Für viele ist ihr Alltag schon randvoll mit „Welt“, für den Himmel ist da überhaupt kein Platz. Eine Zeit der Absonderung, um mit der machtvollen Erfahrung des Göttlichen klar zu kommen und sie zu integrieren und nicht in einem erdrosselnden Alltag damit unterzugehen, das wäre wunderbar und für viele bitter nötig.

Für manche Gemeinden ist „das mit den Dämonen“ weit weg. Ihre Mitglieder erleben so etwas nicht. Es hat dort aber auch nicht die Qualität von Jüngerschaft, sondern von Besuch. Damit kommen die bösen Geister genau wie die Krankheiten klar. Niemand wird sie konfrontieren.    

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