Schule der Wirkungslosigkeit

Das ganze Volk, das zuhörte, und die Zöllner gaben Gott recht, indem sie sich mit der Taufe des Johannes taufen ließen; die Pharisäer aber und die Gesetzesgelehrten machten den Ratschluss Gottes für sich selbst wirkungslos, indem sie sich nicht von ihm taufen ließen. (Lukas 7,29-30)

Wie tragisch das ist! Die Pharisäer waren einfach zu pharisäisch (elitär) und die Gesetzlichen zu gelehrt, um sich die Blöße zu geben, eine „Taufe der Buße“ von einem Johannes, der nicht mal einer von ihnen war, zu benötigen. Und sich in dieser Taufe auch noch gemein zu machen mit dem Pöbel und gar den Zöllnern, also bitte!

Dass es der „Ratschluss Gottes“ sein könnte, ALLE unter die Buße zu sammeln und ALLE durch das Tor der ersten Taufe zu schleusen, um sie bereit zu machen für eine Wiedergeburt hinein in das Reich Gottes, wo es kein „gemeines Volk“, keine Zöllner, Pharisäer und Schriftgelehrten mehr gibt, wo all diese Unterschiede obsolet sind und ein neues Leben jenseits von Hierarchien, Titeln und Ständen/Kasten/Schichten geführt wird, welches sich ausschließlich über den Vater definiert und darüber, sein Gegenüber zu sein – so wie es ursprünglich im Paradies war – das ist einfach undenkbar. Aber genau so hat Gott es gemacht. Immer tut er das Undenkbare…

Die Pharisäer und Gesetzeslehrer, also die Theologen und religiösen Amtsträger ihrer Zeit, sie machten den Ratschluss Gottes „wirkungslos“. Alle Achtung, wozu sie in der Lage waren!

Interessant, dass Jesus betont: „Das Volk, das zuhörte…“. Ein Hauptkennzeichen des pharisäischen Geistes ist, dass er nicht zuhört. Er weiß ja schon alles. Das Hauptkennzeichen des gesetzlichen Geistes ist, dass er nicht zuhört, um zu lernen, sondern alle anderen belehrt.

Was wäre – rein theoretisch gefragt –, wenn wir in einer Gemeinde wären, wo unsere „Oberen“ genau das auch hinbekommen? Also den „Ratschluss Gottes“ für ihren Wirkungsbereich wirkungslos gemacht haben. Wo sie sich auf alles Mögliche als Grundlage der Gemeinde berufen, vielleicht auf so etwas wie Liturgie und Auslegung, eine Tradition, den „Heiligen Stuhl“ oder bestimmte Figuren, wie einen Martin Luther oder so. Wo durch die Hintertür die Hierarchie, die Jesus abgeschafft hat, wieder einführt wird, wo die Trennungen von Klerus und Laien (der Pöbel), den Studierten und den Dummen, die geführt und verwaltet werden müssen, praktiziert wird; wo man sich abgrenzt von den „Zöllnern und Sündern“, also die Welt meidet wie die Pest und in abgehobenen Sphären religiöse Größenphantasien ausbrütet, die zu elitärem Pharisäertum und Gesetzlichkeit führen? Ich meine ja nur…

Das Zeichen einer solchen Art von „Gemeinde“ ist, das die Oberen die „Schlüssel der Erkenntnis (des Reiches Gottes) wegnehmen und weder selbst hineingehen, noch die, die hinein wollen, reinlassen“ (Luk 11,52). Sie fangen die Gläubigen unter ihre eigene Wirkungslosigkeit mit Versprechen auf ein besseres Jenseits; sie binden sie an ihre religiösen Parallelwelten, die sie von ihnen finanzieren lassen und hindern die Wiedergeburt hinein in das Reich Gottes, welches nicht unter ihrer Kontrolle steht.

Wir müssen bedenken: Die Gilde der Pharisäer und Schriftgelehrten ist mit den Evangelien nicht ausgestorben. Sie wollen Jesus noch immer am Kreuz sehen und nicht auf dem Thron! Nein, die Macht behalten sie schön unter Verschluss in ihren Händen und geben sie niemals her an solche irren Gestalten wie Johannes den Täufer mit seinem Kamelhaarmantel in der Wüste. Igitt! Für sie ist der Ratschluss Gottes klar: Er hat SIE erwählt, seine Geschäfte auf Erden zu führen. Sie wachen über die rechte Auslegung der Schrift, den rechten Glauben und den Ritus. SIE sind die Klugen und die Guten, die Geweihten und Ordinierten. Wofür SIE einen Johannes oder Jesus brauchen sollten? Das wissen sie auch nicht. SIE sind doch da und regeln alles. Schon immer.   

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