Unsere Idee bestimmt unsere Welt

Was seid ihr in die Wüste hinausgegangen, zu sehen? Ein Rohr, vom Wind hin und her bewegt? Oder was seid ihr hinausgegangen, zu sehen? Einen Menschen mit weicher Kleidung angetan? Siehe, die in herrlicher Kleidung und in Üppigkeit leben sind an den königlichen Höfen. Oder was seid ihr hinausgegangen, zu sehen? Einen Propheten? (Lukas 7,24b-26a)

Ja, was ist es, das wir sehen wollen? Wenn wir in den Gottesdienst gehen, was wollen wir da sehen? Wo immer wir hingehen, was erwarten wir dort? Dass, was wir sehen wollen, oder das, was da ist?

Jesus versucht, die Leute über Johannes, der in Wasser tauft, aufzuklären, so wie Johannes versuchte, die Leute über Jesus aufzuklären, der in Heiligen Geist und Feuer tauft. Man hat seine Vorstellungen über diese Taufen und über die, die sie durchführen, weil sie bereits in etwas drin sind, wo wir erst hineinkommen (hineingetauf werden) müssen. Taufen uns Menschen, die selbst nicht in dem drin sind, wo sie uns hineintaufen – in die Buße oder den Namen Jesu oder Geist und Feuer, usw. – dann kommen wir ebenso wenig hinein, wie die nicht drin sind.  Was solche Taufen wirklich sind, werden wir erst verstehen, wenn wir wirklich drin sind. Alle theologischen Spekulationen darüber helfen uns nicht weiter, nur das Vertrauen, uns darauf einzulassen.

Weiter unten stellt Jesus fest, dass wir ein Geschlecht sind, das nicht vertrauen will, dem man es einfach nicht recht machen kann: Johannes, der Täufer, aß in der Wüste weder Brot nicht trank er Wein, da sagen sie, er hat einen Dämon. Jesus isst Brot und trinkt Wein, da meinen sie, er ist ein Fresser und Säufer, ein Freund der Zöllner und Sünder (7,33-34). Und fertig sind wir mit ihnen!

Busseweise kamen die frommen Touristen in die Wüste und an den Jordan, um diesen eigenartigen Johannes zu sehen, so kommen sie nun auch zu dem wundertätigen Jesus und fahren noch heute durch alle Welt zu heiligen Orten und Lehrern, die interessant sind und Wunder tun.

Schnell haben wir über die alle unsere Meinungen. Schnell meinen wir, wir wissen, wer sie sind und was sie lehren. Für alles haben wir eine Schublade und brauchen nicht weiter darüber nachzudenken.

War Johannes ein vom Wind hin und hergetriebenes Rohr?, fragt Jesus, eine kurzweilige und kurzzeitige Attraktion, die kommt und geht? Also unbedeutend… War er ein „edler“ Mann, der eine edle Gesinnung predigte? Also durchaus beachtenswerter als ein Rohr. Oder war er gar ein Prophet? Also von höchster Wichtigkeit für Israel!  „Ja“, sagt Jesus, „er ist ein Prophet – und mehr als das.“

Noch größer als ein Prophet, das gibt es doch gar nicht! Sitzt er nicht gerade im Gefängnis? Hegt er nicht selbst Zweifel an seiner Mission, dem Messias den Weg zu ebnen?

„Ich sag euch, unter den von Frauen Geborenen ist kein größerer Prophet als Johannes der Täufer“ (7,28). DAS sagt Jesus über ihn. Ich kann mir vorstellen, wie sich die Leute verwundert ansahen. Sie haben Johannes diese Größe gar nicht angesehen. Die alten Propheten Jesaja und Jeremia – und erst Hesekiel – ja DAS waren so richtige Propheten, die mächtig auftraten und Israel zu seiner Bestimmung riefen.

Aber tat Johannes denn nicht eben genau das? Ist denn Jesus, der Messias, der von sich sagt: ICH BIN der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn durch mich“,  nicht die Bestimmung Israels?

Ja, aber die verklärten Vorstellungen der Leute von einem „richtigen“ Propheten, wie einst, die waren so anders… Und die ebenso religiös verzerrten Vorstellungen von dem Messias, die standen ihnen genauso im Wege, Jesus zu erkennen, wie er ist,  und mit ihm zum Vater zu gehen. Also lassen sie sich weder auf Johannes als den größten Propheten ein noch auf Jesus, den Messias, den Gesalbten, den Christus. Sie sind sowas von blind! Aber nicht ihre Sicht stellen sie infrage, sondern Johannes und Jesus – weil die nicht ihren blinden Ideen über Propheten und Gesalbte entsprechen.

Hier müssen wir alle wachsam sein! Schnell und unbewusst übernehmen wir Ideen und Vorstellungen, Bilder und Projektionen, die von der Wirklichkeit so weit weg sind wie die Erde von der Sonne. 

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