Die Legitimation des Christus

Geht hin und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: dass Blinde sehend werden, Lahme gehend, Aussätzige (Unreine) gereinigt werden, Taube hören, Tote auferweckt werden, Armen gute Botschaft verkündigt wird; und glückselig ist, wer sich nicht an mir ärgern wird. (Lukas 7,22-23)

Das ist die Antwort, die Johannes auf seine Frage bekommt, ob Jesus der „Kommende“, der Messias = der Christus = der Gesalbte ist. Die Antwort lässt an Jesaja 35, 5-6 denken, wo die Rettung Gottes genau das bewirkt, was Jesus den Boten sagt; und an Jesaja 61,1-3, wo die Salbung mit dem Heiligen Geist entsprechend beschrieben wird. Diese Worte benutze Jesus selbst in seiner Heimatsynagoge.

Natürlich frage ich mich, was wir heute jemandem sagen, der uns nach dem Messias, dem Christus, dem Gesalbten fragt? Unser „Zeugnis“, also was wir „gesehen und gehört haben“, wie fällt es aus? Jesus lässt Johannes kein Traktat, keine theologische Meinung, keine religiöse Theorie und Auslegung von Bibelworten zukommen. Er erklärt sich gar nicht! Sollen die Gesandten doch sagen, was sie selber mitbekommen von dem, was Jesus wirkt. Was er tut, ist alles die Erfüllung von Worten der Schrift – nicht Auslegung, sondern Erfüllung.

Mit ungekannter Machtfülle „heilte er viele von Krankheiten und Plagen und bösen Geistern und vielen Blinden schenkte er das Augenlicht“ (7/21). Jesus ist alledem überlegen, dem wir unterlegen sind. Auch nach Jahrhunderten von Forschung, Wissenschaft und Medizin, sind wir zu alledem nicht in der Lage, weil wir nur beschränkte Macht haben. Ich weiß, wovon ich rede. Nach 30 Jahren in der stationären Krankenpflege und der Behandlung einer niemals endenden Flut von Kranken, Geplagten, Blinden, Lahmen, Tauben, Sterbenden, usw. ist mir klar, dass sich im Grunde genommen gar nichts geändert hat. Ja, wir haben Medikamente und Therapien, haben all die Hilfsmittel entwickelt, um es den Betroffenen leichter zu machen, aber was sie eigentlich brauchen, ist KRAFT und Wiederherstellung. Das ist nun gerade das, was wir ihnen nicht verkaufen können, auch auf LIEBE und ERBARMEN, welche durch Jesus so mächtig zum Ausdruck kamen, gibt es kein Rezept.

Ich glaube indes, dass diese Symptome von Blindheit, Taubheit, Lähmung und Dergleichen nicht nur äußerlicher Natur sind, nein, sie drücken unseren inneren Zustand aus. Die ganze Menschheit ist geplagt, gestresst, krank und „geht am Stock“. Wir alle brauchen die Kraft der Salbung, um heil zu werden und aufzustehen aus dem Tod  ins Leben, welches Jesus uns bringt – und das im Überfluss.

O wie beschränkt und beschnitten hat die moderne Gemeinde das Evangelium! Wie gekonnt umgeht sie die Frage nach der Macht und der Kraft, nach der Salbung und schriftgemäßen Legitimation des Christus! Für all die Kranken, Geplagten und Sterbenden gibt es jetzt die Caritas, die sich kümmert…

Es bleibt noch der Nachsatz, in dem Jesus die „glückselig“  preist, die sich nicht an ihm ärgern. Ja wer „ärgert“ sich denn an ihm – bei all dem Wunderbaren, was er tut? Das sind alle, die den Christus anders definieren wollen, als er sich selbst; die einer anderen, eigenen, Vorstellung von ihm folgen und ihn deswegen auch nicht anerkennen – ganz egal, wie unfassbar die Macht Gottes sich durch ihn erweist. Und damit sind es leider vor allem die Religiösen, die sich an ihm ärgern, denn die wissen einfach immer alles besser und sehen in Jesus doch glatt den Teufel und einen Terroristen, den sie an die „zuständigen Stellen“ ausliefern, um ihn fachgerecht zu entsorgen. Lieber bleiben sie blind, taub, lahm, unrein, geplagt und arm, als sich diesem Jesus, der einfach macht, was er will, und nicht, was sie wollen und besser wissen, zu stellen.       

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