Das Geheimnis des Gesalbten

Und dem Johannes berichteten seine Jünger über dies alles. Und Johannes rief zwei seiner Jünger herzu und sandte sie zu Jesus und ließ ihm sagen: Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten? (Lukas 7,18-19)

 Trotz alledem, was Jesus bis hierhin getan hat, fragt sich Johannes, der Täufer, ob Jesus „der Kommende“ ist, oder ob Israel auf einen anderen „Messias“ warten (wrtl. „hoffen“) soll. Auch Johannes hatte seine Vorstellungen von einem Messias. Sollte der denn nicht das Reich wiederherstellen? Ein Vorstellung, die auch die Jünger Jesu bis hinaus über die Auferstehung eisern festhielten. Sollte er nicht politischer auftreten und handeln? Die Macht an sich nehmen, das Volk einen und die Gottesherrschaft aufrichten? Was gibt er sich mit einem römischen Hauptmann und dessen kranken Knecht in Kapernaum ab? Was mit einer Witwe und deren verstorbenen Sohn in Nain? Es geht doch um eine viel größere Agenda, eine nationale Bewegung.

Dass „das Reich“ inwendig in uns beginnen muss und nicht von außen aufgesetzt wird, das ist allen schwer zu begreifen. Dass eine Herrschaft, eine Religion, ein Gemeinwesen, die von außen mit entsprechenden Machtmitteln installiert werden und nicht aus den Herzen der Menschen hervorkommen, keinen Bestand haben können und nur eine weitere Variante ideologischer Gewalt über Menschen sind, das ist eine überirdische Idee.

Jesus vertritt eine noch viel höhere Agenda, als eine nationale Befreiung und auf Israel beschränkte Revolution, er nimmt die Sünde der ganzen Welt auf sich und er holt die „Heiden“ mit ins Boot. Er reformiert nicht das Gehabte, sondern beginnt etwas Neues, einen neuen Menschen, der sich nicht mehr definiert über Nationalität und Religion, sondern den Himmel und den Vater; eine neue und heilige Schöpfung, welche die alte, entheiligte ablöst. „Siehe, ich mache alles neu!“, sagt der Auferstandene, den auch der Tod nicht halten konnte. 

Sobald wir diese höhere Absicht und Agenda des Messias aus den Augen verlieren, verstehen wir Jesus nicht, projizieren unsere irdisch-menschlich beschränkten Vorstellungen auf ihn und (ver)zweifeln. Den Pharisäern gegenüber formuliert es Jesus so: Man kann den neuen Wein nicht in die alten Weinschläuche schütten.

Jesus ist das Ende von allem und der Beginn von allem. Da sind wir dann nicht mehr „Jude oder Heide“, da definieren wir uns über nichts anderes, als den Christus. In Ihm ist all das Neue, außerhalb von ihm all das Alte. In Ihm sind wir eins, außerhalb von ihm getrennt, in Ihm sind wir gerettet, außerhalb von ihm verloren. Da spielt es keine Rolle, welcher Nationalität (Jude oder Grieche), welchen Geschlechtes (Mann oder Frau) oder welchen Standes (Sklaven oder Freie) wir sind. Jesus tauft uns alle unterschiedslos in den Geist, der uns zu einer neuen Geburt führt und Christus in einer Weise offenbart, die uns völlig identifiziert mit IHM. Dann verstehen wir auch wirklich, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist und Christus die Welt, wie wir sie kennen, beendet und eine neue beginnt – in sich selbst.

Das Geheimnis des Christentums ist… Christus. ER in uns und WIR in ihm. Er entbindet uns der Welt und verbindet uns mit dem Himmel, mit dem Vater, mit der Ewigkeit. Dort sind wir zuhause, da gehören wir hin. Er beendet die unheilige Zeit und Anmaßung der ganzen dämonisierten, verdorbenen, vergehenden Welt.

Sagt es Johannes!

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