Machtverhältnisse

Und Jesus sprach zu ihr: Weine nicht! Und er trat hinzu und rührte die Bahre an, die Träger aber standen still; und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf! Und der Tote setzte sich auf und fing an zu reden; und er gab ihn seiner Mutter. (Lukas 7,13b-15)

Die dramatische Geschichte der Auferweckung des Jünglings von Nain geht weiter. Jesus hat sich der Prozession genähert und hält sie – von Erbarmen bewegt – an. Das erste, was er sagt, ist zu der Mutter des Jünglings: „Weine nicht!“

Das ist der nächste Schocker für die Beerdigungs-Gesellschaft, denn alle weinen und Weinen ist das einzig Angemessene in dieser Situation. Die Geschichte dieses Sohnes und seiner Mutter ist fertig geschrieben, der Junge ist tot. Null-Linie. Das unumstößliche Ende ist eingetreten, es gibt keinerlei Grund mehr, nicht zu weinen. Aber Jesus sagt: Weine nicht!

Vielleicht hat er das auch dir und mir schon mal gesagt? In auswegloser Situation. Es kam uns ganz absurd vor, ja, geradezu unanständig oder gar zynisch. Wir sollten uns freuen, wo es absolut nichts zu freuen gab, gar „DANKE!“ sagen, wo es nichts zu danken gab?! Und wir haben es dann nicht getan, haben Widerstand geleistet, weil wir nicht wussten, mit wem wir es zu tun haben.  Der römische Hauptmann mit dem kranken Knecht in der Geschichte vor der mit dem Jüngling von Nain, der wusste es und lüftete das Geheimnis der Vollmacht: „Herr, sprich nur ein Wort und mein Diener wird gesund. Denn auch ich bin ein Mensch, der unter Befehlsgewalt steht.“ (7,7-8)

Hier nun macht Jesus der Mutter eine Ansage: „Weine nicht!“ und dann dem Gestorbenen: „Steh auf!“. Das eine klingt in den Ohren der Leute so irrsinnig wie das andere. Was will nur dieser Jesus von Nazareth? Noch ringt die Mutter mit inneren Widerständen und Verwirrung. Aber der Junge, nun, er ist zu tot, um mit Zweifeln zu ringen und das Wort trifft ihn als das einzige Wort, das es für ihn gibt. Weder von innen noch von außen wird irgendein anderes Wort an ihn gerichtet. Jesus richtet sein Wort an ihn und hebt das Ende auf: ICH sage dir…“.

So sieht die Vollmacht von Jesus aus. Er ist „der Anfang und das Ende“ und er ist die „Auferstehung und das Leben“. Oh wenn wir das nur erkennen würden, dann wären unsere Probleme kein Problem mehr, denn „jedes Knie würde sich vor ihm beugen und jede Zunge bekennen, dass er der Herr ist“. Also der, der das Sagen hat.

Ich bin der Überzeugung, dass die komplette Christenheit eine neue Offenbarung von dem braucht, dem „alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben ist“. Das würde einfach alles ändern!

Der Jüngling setzt sich auf und redet! Die Mutter aber ist sprachlos! Die ganze Gesellschaft ist außer sich. Niemand weiß mit so einer Situation umzugehen. Kann denn das wahr sein?! Nach einem Moment ungläubigen Staunens bricht Jubel aus!

Wir fragen uns, wo die Vollmacht geblieben ist, die mächtiger ist als der Tod, ja einfach mächtiger als ALLES, was auf Erden Macht hat. Hat die Christenheit nicht Jahrhunderte durchgelitten – voller Ohnmacht und Total-Identifikation mit Schuld und Sünde, gebeugt unter mächtige Kirchenfürsten, die sie tributpflichtig wie Sklaven gehalten haben?

Und wie steht es heute? Wer ist Jesus für uns? Der HERR? Wirklich? Inwiefern ist er heute für dich und mich der „Herr“? Wem und was haben wir heute Macht über uns gegeben? Uns, die wir angeblich das Eigentum dieses HERRN sind. Dem wir bei unserer Bekehrung unser Leben gegeben haben. Haben wir ihm tatsächlich unser Leben gegeben? Zeigt heute unser Leben, das uns nicht mehr gehört, sondern ihm, dass dies tatsächlich der Fall ist? Wenn nicht, was ist da los?

Die allgemeine Darstellung Jesu in den heutigen Kirchen und Gemeinden ist die des Erlösers, der uns die Sünden vergibt (wenn wir uns benehmen und in die Kirche gehen und weiter Tribut zahlen), aber nicht die des HERRN, der die ultimative Macht hat. Nicht einmal die Kirche beugt ihre Knie und bekennt, dass er der HERR ist! Sie hat dem Herrn seinen Platz in ihrer religiösen Welt zugewiesen: den des guten Hirten und gekreuzigten Sündenvergebers.

Welchen Platz haben du und ich ihm zugewiesen? Heute.

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