Unter Befehl

Als Jesus aber schon nicht mehr weit von dem Haus entfernt war, sandte der Hauptmann Freunde zu ihm und ließ ihm sagen: Herr, bemühe dich nicht, denn ich bin nicht würdig, dass du unter mein Dach trittst. Darum habe ich mich selbst auch nicht würdig geachtet, zu dir zu kommen; sondern sprich nur ein Wort und mein Diener wird gesund. (Lukas 7,6-7)

Das Thema „Würde“ ist ein in diesem Bibelabschnitt versteckter Gegenstand, denn zuerst hatten die Ältesten den römischen(!) Hauptmann für würdig befunden, dass Jesus(!) ihm Hilfe gewährt (V. 4). Sie begründeten diese Würdigkeit damit, dass er den Juden wohlgesonnen sei und ihre Synagoge gebaut hat.

Jetzt schickt der Hauptmann Jesus Boten entgegen und meint, er sei weder würdig, dass Jesus persönlich zu ihm komme, noch dass er selbst zu Jesus kommt. Aha. Er pocht also weder auf seinen Status als Hauptmann, noch auf seine Spenden und will Jesu Anerkennung nicht mit einer Herausstellung seiner Wohltaten erkaufen. Auch lässt er nicht detailliert den kranken Zustand seines Knechtes schildern, um Jesus zu erweichen. Ich denke, eine Menge Worte, die wir gemacht und Gründe, die wir vorgebracht hätten, um Jesus dazu zu bewegen, unsere Bitten zu erfüllen – uns für würdig zu halten -, kommen hier nicht in die Waagschale, sondern Glauben.  Was für ein Glauben? Den Glauben, dass Jesus die Macht hat, und dass ein Wort von ihm reicht, die Sache zu erledigen. Weil der Hauptmann Soldat ist, versteht er ein fundamentales Macht-Prinzip:

„Auch ich bin ein Mensch, der unter Befehlsgewalt steht, und ich habe Soldaten unter mir; und ich sage diesem: Geh hin! und er geht; und zu einem anderen: Komm! und er kommt; und zu meinem Sklaven: Tu dies! und er tut es.“

Für ihn ist klar, dass Jesus die Vollmacht hat und nur ein Wort zu sagen braucht und die Krankheit gehorcht und geht und der Körper des Knechtes gehorcht und wird gesund. Jesus ist über diesen Glauben verwundert und meint zu den Volksmengen, dass er einen solchen Glauben in ganz Israel nicht gefunden hat, aber bei einem Römer! Darüber haben sich die Ältesten sicher gefreut… Und kaum waren die Boten zu Hause, fanden sie den Knecht auch schon gesund vor.

Für uns wirft diese Geschichte natürlich Fragen auf. Zum einen die Frage, für wie mächtig wir Jesus halten und für wie wirkungsvoll sein Wort. Natürlich behaupten wir, dass wir an Jesu Macht und Wort glauben, aber wie sieht die Praxis aus? Warum werden ins unseren Kreisen heute so wenige Kranken geheilt? Hat Jesus doch nicht alle Macht im Himmel und auf der Erde, oder funktioniert sein Wort nicht mehr so wie früher? Ich denke schon. Er hat sich nicht verändert. Aber was ist mit uns?

Hier kommt der zweite Punkt: Wir sind, so zeigt es der Missionsbefehl unmissverständlich, in der Position derer, die Jesus bevollmächtigt und sendet, sein Wort „in alle Schöpfung“ zu tragen und unter anderem den Kranken die Hände aufzulegen und sie zu heilen. Wir tun das in einer soldatischen Gesinnung. Wir führen Anordnungen aus.

Dass Jesus, der mit Heiligem Geist und Kraft Gesalbte ist, der „umherging und wohltat und alle heilte, die von dem Teufel überwältigt waren“, steht klar formuliert in Apostelgesichte 10,38. Die gesamten Evangelien lassen ja gar keinen Zweifel darüber offen, ob Jesus heilen kann und will. Wir müssen ihn also nicht dazu kriegen, es zu tun. Aber was wir brauchen, ist ein Verständnis dafür, wie die Autorität sich von ihm auf uns überträgt und wie sie dann von uns im Namen unseres Befehlshabers angewendet bzw. exekutiert werden muss.

Hier sind ein Prozess von einerseits der Erkenntnis über Autorität und Vollmacht nötig als auch einer der Beziehung zu Jesus als dem Vollmächtigen und uns als seinen „Soldaten“ bzw. „Sklaven“. Dabei diskutieren weder Soldaten noch Sklaven mit ihren Vorgesetzen, sondern nehmen die Befehle zur Ausführung entgegen. Dieses Bewusstsein, „unter Befehl“ zu stehen, fehlt m. E. vielen Christen und Gemeinden. Darum tun sie nicht, was der Herr sagt, sondern reden nur drüber.

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