Religiöser Kollaps

Der aber (mein Wort) gehört und nicht getan hat, ist einem Menschen gleich, der ein Haus auf die Erde baute ohne Grundmauer; der Strom stieß daran, und sogleich fiel es, und der Sturz jene Hauses war groß. (Lukas 6,49)

Dass wir Jesu Worte glauben, drückt sich darin aus, dass wir uns nach ihnen richten – in der Tat. Das funktioniert folgendermaßen: Wir nehmen die Worte auf(merksam) in unser Herz und dort, in unserem Innersten, programmieren sie unser Leben um, so dass wir beginnen, sie auszubilden, zu verkörpern und dann entsprechend zu handeln.

Es läuft nicht umgekehrt, indem wir versuchen, die Worte im Außen zu tun, wie immer unsere (religiöse) Idee darüber ist, wie sie zu tun seien, aber im Herzen sind sie nicht angekommen, da sind wir noch die Alten, die „Herr, Herr!“ sagen, um eine religiöse Pflicht zu erfüllen oder was vom Himmel zu kriegen.

Aufgesetzte Religiosität ist das teuflische Gegenstück zu der inwendigen Verwandlung durch das Wort Jesu, welches im Herzen bewahrt und bewegt wird. Dort geht es auf wie ein Same, der, kultiviert im Verborgenen, heranwächst und dann schließlich im Außen seine Präsenz zeigt und seine Frucht bringt. Nicht WIR bringen die Frucht, das WORT bringt seine Frucht! Wir jedoch haben diesem Wort Aufmerksamkeit, Zeit und Raum in uns gegeben. So konnte es dort aufgehen und nach einer Weile von Wachstum und Entfaltung SEINE Frucht bringen.

Diese ist denen, die diese  Frucht bringen, häufig gar nicht einmal bewusst, denn ihr (äußeres) HANDELN ist Ausdruck ihres (inneren) SEINS. Sie produzieren und inszenieren nicht etwas im Außen, was sie im Innern nicht haben und sind. Sie heucheln also nicht, was das Wesen der Religion ist, die keine Kraft hat, jemanden zu verwandeln, sondern Menschen äußerliche Verhaltensweisen aufdrückt, um „gerecht“ zu sein. Aber selbst wenn sie es alles tun würden, währen sie nicht gerecht, weil sie es eben nicht SIND, sondern nur so tun als ob. Möge der Heilige Geist uns helfen, das besser zu unterscheiden!

In Vers 47 hatte Jesus den Weg der Jüngerschaft, der ein Weg der Verwandlung in das Bild Jesu ist, genau gekennzeichnet: „Wer zu mir kommt… wer meine Worte hört… und sie tut.“

Zuerst kommen wir zu Jesus – so nah wie nur möglich. Das tun wir Tag für Tag. Wir üben die Präsenz Jesu. Immer sind Distanzen und Blockaden zu überwinden, wir können Jesus unser Leben lang  immer näher kommen. Das ist die erste Aufgabe der Jüngerschaft.

Die zweite ist die, dass wir ihm so nah kommen – und bleiben! –, dass wir seine Worte hören. Ganz persönlich und ganz real. (Seine Schafe hören seine Stimme.) Wir sprechen mit ihm! Wir treten in einen heiligen Dialog mit Jesus ein. Wir sind ihm nah genug, um mit ihm über alles zu sprechen. Tag und Nacht. Wir kultivieren den heiligen Dialog. In diesem Dialog fließt nicht nur die Information der Worte zu uns, sondern ihre Kraft, ihr Geist, ihr Licht und Leben. Die Worte transformieren uns in das Bild Jesu. Das ist ein Prozess, ein Weg, ein Lebensstil. Der dritte Aspekt der Jüngerschaft.

Das Ergebnis: Wir WERDEN wie der Meister. Geschieht das, dann tun wir auch, was er tut – und das in genau der gleichen Art und Weise wie er. Es ist der natürliche Ausdruck unseres Wesens, welches in der Nähe Jesu genesen und gelöst, auferstanden und wiedergeboren ist. Das Alte ist vergangen und Neues ist geworden. Aber wir wissen das nicht nur aus Bibelversen und Predigten, wir haben die Stimme Jesu selbst gehört und sein Wort von seinen Lippen in unser Herz empfangen. Worte voller Geist und Leben, Kraft und Licht. Sie haben uns erfüllt und verwandelt. Zuerst in der Tiefe – und von dort heraus in die Höhe. Erst innen – dann außen.

Unser „Haus“ ist gegründet auf Christus. Er ist der Felsen, auf den wir in der Nähe zu ihm durch seine Worte und seinen Geist gegründet wurden. Religion macht es andersherum. Leute lernen die Gebote und setzen sich eine fromme Maske auf. Darunter sind sie dieselben verlorenen und verängstigen Wesen wie zuvor, aber sie müssen diese religiöse Last auf sich nehmen und die ihnen auferlegte Rolle spielen, sonst gefallen sie Gott nicht. Also Zähne zusammenbeißen und gehorsam sein! Als würde Gott das gefallen! Jesus verlangt kein Zähne zusammenbeißen, sondern NÄHE. „Kommt her zu mir!“ ruft er uns zu. In dieser Nähe zu ihm werden wir neue Menschen. Alle eigenen Versuche führen zu all den schrecklichen Unmenschlichkeiten, die Religion kennzeichnen. Ihr Haus steht auf der Erde und hat der Flut nichts entgegenzusetzen, außer Vertröstung der Untergehenden auf den Himmel. Und auch das ist die reine Anmaßung.

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