Göttliches Geben

Gebt und es wird euch gegeben werden: ein gutes, gedrücktes und gerütteltes und überlaufendes Maß wird man in euren Schoß geben,  denn mit demselben Maß, mit dem ihr messt, wird euch wieder gemessen werden. (Lukas 6,38)

Hier scheint sich die Aussage von Vers 30 fortzusetzen: „Gib jedem, der dich bittet, und von dem, der dir das deine nimmt, fordere es nicht zurück.“

Nun, wie kann man so sein? Man müsste Kind sein und es müsste bei den Eltern liegen, sich um unsere Versorgung zu kümmern. Wir haben vielleicht schon Kinder erlebt, die großzügig und bedenkenlos wegschenkten. Sie wussten anscheinend, dass ihnen ein „gutes, gedrücktes, gerütteltes und überlaufendes Maß in den Schoß gegeben wird“ und sie es sich „leisten“ konnten, selbstlos zu sein.  

Dieser Zusammenhang ist sehr wichtig, denn die Welt kann ihn nicht denken – außer manche Kinder und Verrückte. Unser „normales“ Denken und Verhalten ist ganz genau umgekehrt. Und doch, wenn ich Menschen über ihre Jugendträume befrage, kommen viele Ideen heraus, in denen es um dieses großzügige und selbstlose Geben geht. Sie wollten Waisenhäuser führen, den Hunger bekämpfen oder eine große Rettungsaktion für die Erde initiieren, ohne darüber nachzudenken, „was verdiene ich“ daran. Später dann begruben sie die altruistischen Träume, wurden „vernünftig“ und dachten nur noch in Geld.

Die göttliche Art der Ökonomie hat mit Geben zu tun. Aber dahinter steht eben die Jüngerschaft. Der Jünger orientiert sich an seinem Meister, das Kind an seinem Vater. Kennt der keinen Mangel, dann vergisst auch der Jünger bzw. das Kind das Denken und Leben im Mangel. Siehe der „verlorene Sohn“. Jesus lebte in Abhängigkeit zum Vater und hatte entsprechend keinen Mangel. Seine Jünger lebten in Abhängigkeit zu Ihm und erfuhren entsprechend ebenfalls die Fülle.

Die Frage, was wir geben können, anstatt der, was wir behalten müssen, ist schön und richtet unsere Menschlichkeit auf. In einer Kultur, die ganz auf Leistung, Habe, Mammon und Mangel (Kredit) baut, einer Kultur, die immer als erstes danach fragt, was sie davon hat, wenn sie etwas gibt (investiert), ist es nicht einfach, in dieser Hinsicht frei zu werden. Aber alles dreht sich eben um die Freiheit.

Der göttlicher Kreislauf, der der Natur entspricht, besagt, dass wir einen Samen sähen und dann 30- 60- und 100-fach ernten. Dann können wir viel mehr sähen und dadurch so viel ernten, dass es weit über unsern Bedarf hinaus reicht, usw.

Ein häufiger Fehler ist, wenn wir annehmen, der Gewinn müsste genau dorther kommen, wo wir gesät haben, dem ist aber häufig nicht so. Wir geben etwas an einer Stelle und die Ernte kommt an einer ganz anderen. Wir sehen keinen Zusammenhang. Möge Gott uns die Augen öffnen!

Für Jünger ist das Training in Geben ein lebenslanger Prozess. Einige sind darin gut geworden und endlose Mittel sind durch ihre Hände geflossen. Sie wurden reich und überreich, um desto reichlicher geben zu können. An ihnen erfüllte sich 2 Korinther 9,10-11:

„Der aber Samen darreicht dem Sämann und Brot zur Speise, wird eure Saat darreichen und mehren und die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen. Und ihre werdet in allem reich gemacht zu aller Freigebigkeit, die durch uns Danksagung gegenüber Gott bewirkt.“

Wir sehen, Gott ist nicht im Geschäft, uns arm zu machen, weil das „tugendhafter“ sei, als reich zu sein. Das ist religiöses Denken. Nein, er will uns reich machen zu aller Freigebigkeit. Wie schön das ist. Nicht nur „füllt es den Mangel der Heiligen aus, sondern ist auch überströmend durch viele Danksagungen zu Gott“ (Vers 12).

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