Himmlische Selbstlosigkeit

Doch liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas wieder zu erhoffen, und euer Lohn wird groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein, denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. (Lukas 6,35)

Die Verse der Selbstlosigkeit in Lukas 6, welche mit den Seligpreisungen beginnen und unüberbietbar in den Versen 27-35 fortgesetzt und weiter konkretisiert werden in den Versen 36-38, finden hier für die Jünger eine erste Erklärung, warum Jesus ihnen das alles zumutet. Weil Gott so ist.

Natürlich nicht der Gott, den wir uns religiös zurechtlegen, der ist nicht so gütig gegen die Bösen und Undankbaren, o nein, denen drohen Feuer und Hölle! Aber der echte Gott ist selbstlos und gütig gegen alle, weil er es eben IST. Er kann sich selbst nicht verleugnen. Nun folgen wir als Jünger diesem Gott, der so IST – und alles liegt daran, dass wir aufhören, zu versuchen, ihn auf unsere Ebene herunterzuholen, damit wir bleiben können, wie wir sind – nur ein wenig besser, sondern aufzusteigen auf seine Ebene, wo ein solches scheinbar übermenschliche SEIN normal ist.

Jeder einzelne Satz in Lukas 6, 20-38 zeigt uns ein SEIN, wie wir in der irdischen, egozentrischen, weltlichen Variante nicht sind. Dieses Sein – den alten Menschen – gilt es, abzulegen und den neuen Menschen anzuziehen, der nach Gott geschaffen ist. Er ist IN CHRISTUS und IN IHM betreten wir eine andere Variante von Menschsein, als die wir gekannt und gelebt haben. Sie ist nicht das Alte in verbesserter Form, sondern ein wirklich anderes Menschsein – heilig und gerecht, himmlisch und göttlich, voller Gnade und Wahrheit. Wir sind nicht länger „Söhne der Welt“, sondern „Söhne des Höchsten“. Das heißt, wir entsprechen nicht länger der Art der Welt, sondern der Art Gottes.

SIND wir wie er, dann TUN wir auch, was er tut. Und das in der gleichen Art und Weise, wie er es tut. Dabei ist es uns gar nicht so bewusst, was wir tun, denn unsere Aufmerksamkeit liegt nicht länger auf unserem Tun, sondern auf SEINEM, nicht länger auf unseren Möglichkeiten, sondern auf den SEINEN, usw.. Es ist dieses „IN IHM SEIN“, was uns seines Geistes teilhaftig macht, der uns auch in sein Bild verwandelt. Das liest sich seltsam, für einige vielleicht auch kompliziert, aber es ist liegt eine unbestreitbare Logik darin, dass wir ein neues und heiliges Leben nur leben können, wenn wir neu und heilig SIND, und dass wir die Werke Christi nur tun können, wenn wir SIND wie er. Nur so zu TUN, ohne es zu SEIN, ist Heuchelei und das Wesen aller Religion.

Sätze wie die in Lukas 6 sind eine vollkommene Überforderung für das Fleisch, das Ego, den an sich selbst orientierten Menschen. Jesus spricht diese Worte auch nicht zu diesen Leuten, sondern zu den Jüngern. Diese haben ihre Füße auf den Heiligen Weg gesetzt. Auf diesem Weg hören wir auf, das göttliche Leben zu versuchen, sondern wir hängen an dem, der es lebt – und bereit ist, es auch IN UNS zu leben. Mit allen Konsequenzen, Verwandlungen, Wirkungen, Herrlichkeit und Frucht.

Jüngerschaft bedeutet: IHM NAHE SEIN. Jünger kultivieren diese Nähe. Aus ihr entspringt alles, was es braucht. In ihr widerfährt uns alle Gnade und Wahrheit, alle Offenbarung und Ermächtigung, die wir brauchen, um den Heiligen Weg zu gehen, auf dem wir in der Sohnschaft gegenüber dem Höchsten immer zunehmen. Das ist der „große Lohn“. Die Freiheit von uns selbst in der Ego-Variante ist die „große Freiheit“, in die wir eintreten. Das Ende des religiösen „Versuchs-Lebens“ und die Erfüllung mit dem Leben Christi ist der „große Frieden“, der uns IN CHRISTUS zuteil wird. Der alte Mensch kann sich das überhaupt nicht vorstellen. Er will es auch gar nicht, denn der Preis für das Neue ist die Überwindung des Alten.    

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