Wie im Himmel, so auf Erden

Wehe, wenn alle Menschen wohl von euch reden, denn ebenso taten ihre Väter den falschen Propheten. (Lukas 6,26)

In diesem vierten „Wehe euch“ geht es um ein weiteres Grundbedürfnis, nämlich Anerkennung. Natürlich wollen wir anerkannt und beliebt sein, dazugehören! Natürlich wollen wir uns den Gegebenheiten so anpassen und mit dem „Mainstream“ schwimmen, dass wir nicht anecken und niemandem auf die Füße treten, überall mit einem Lächeln durchkommen und in Ruhe gelassen werden. Unser Glaube ist Privatsache. Wir meiden Konflikte, das Leben ist schon stressig genug.

Aber für Jünger Jesu geht das nicht. Schließlich folgen sie einem Meister, der sich mit dem Establishment und seinen Vertretern bis auf den Tod angelegt hat. Und er sagt es ja auch gerade heraus: Wenn sie mich verwerfen und verfolgen, dann auch euch. Wenn sie mich einen Teufel nennen, dann auch euch. Das haben sie zu allen Zeiten mit all jenen gemacht, die nicht in ihre Ideologie und ihre Systeme passten und entsprechend alle Propheten beseitigt, um ihre eigenen (falschen) Propheten zu installieren, die ihnen nach dem Mund reden (nennt man heute „Experten“).

Wollen wir unter diesen Umständen wirklich eine prophetische Kirche sein? 

Auch wenn wir heute von Demokratie, Menschenrechten, Meinungsfreiheit, Toleranz, usw. sprechen, so ist das nur vordergründig. Die Strukturen der Macht dahinter haben sich nicht geändert. So lange die Menschen in diesem System brav ihre Macht abgeben an die Partei, die Wirtschaft, das Geld, die Schule, die Kirche, die Experten und Versicherer auf allen Gebieten und dafür zahlen und dafür arbeiten, diese Leistung erbringen zu können, was die Menschen rund um die Uhr beschäftigt hält, dann können sie ruhig glauben, sie seien frei und selbstbestimmt. Solange sie funktionieren, sollen sie doch glauben, was sie wollen!

Wann immer Menschen gefragt werden, wer sie wirklich sind und was sie wirklich wollen – mit ihrem einen Leben -, kommen sie ins Stottern. Denn diese Frage wurde ihnen in unserer Gesellschaft nicht gestellt. Die Wirklichkeit ist obsolet. Für die Geschäftsmatrix, in der wir leben, ist völlig unwichtig, wer wir sind und was wir wollen. Und entsprechend empfinden die Menschen sich selbst: als unwichtig. Selbst wenn sie sich „hocharbeiten“ werden nicht sie anerkannt, sondern ihr Titel, ihr Geld, ihre Leistung, usw. Wenn diese Attribute vergehen, sind sie noch immer vollkommen unwichtig, niemand kennt sie wirklich, sie selbst sich nicht. Und in der Gemeinde ist es nicht anders. Ob wir da sitzen und teilnehmen oder jemand anderes, das ist unwichtig; Hauptsache, der Laden läuft und seine Programme funktionieren nach Vorgabe, dann ist doch alles gut! Wofür selber denken, selber glauben, selber beten? Das alles nehmen uns die Experten ab, die das studiert haben und uns Laien nun fachmännisch und kundenfreundlich betreuen – von der Wiege bis zur Bahre. Sie wissen, wie es richtig ist und haben die Lizenzen, wir sollten ihnen vertrauen und tun, was sie sagen, dann sind wir auf der sicheren Seite.

Nun, Jesus sprengte unentwegt diesen vorgegebenen Rahmen der Zuständigen, indem er sich nicht nach ihnen richtete, sondern nach seinem Vater im Himmel, einer Position außerhalb der Matrix. Und der Himmel ist nicht ungefähr genauso wie die Mammon-Matrix auf Erden, nur ein wenig besser und gerechter, sondern ganz anders. Jesu komplett andere Schriftauslegung machte die Pharisäer und Schriftgelehrten, also die Zuständigen und Experten ihrer Zeit, ganz verrückt. Jesus bewegte sich nicht in ihrer Ordnung. Er war frei, er selbst zu sein und zu tun, was er den Himmel tun sah.

Die Menschen gehen diesen Weg im Allgemeinen nicht, sie erkennen und verstehen ihn so wenig wie die Pharisäer, finden ihn verrückt und gefährlich, und erschaffen sich einen Gott, der ins System passt. Den echten Gott braucht man dort nicht. Wenn wir als Jünger anfangen, von dem echten Gott zu reden, dann wird man den Kopf über uns schütteln und uns Fundamentalisten, Sektierer oder Schlimmeres nennen. Wenn das nicht reicht, gehen die Sanktionen weiter: Ausgrenzung, Denunziation, Mobbing und Dergleichen winken. In der ganzen Welt stecken Christen seit 2000 Jahren in Gefängnissen und Psychiatrien, in Korrektur- und Arbeits-Lagern und werden gehasst, vertrieben und ausgerottet, weil sie die irdischen Machthaber und Regierungen mit ihren Ideologien nicht als die letzte Instanz anerkennen, sondern als vorübergehende Verwaltungen. Der wahre Thron steht im Himmel. Sein Recht ist höher als das der Welt. Und nicht die Welt richtet ihn, sondern er die Welt.

Nehmen wir dieses Gericht an, treten wir aus der Unseligkeit der Welt wieder ein in die Seligkeit des Himmels und erschaffen eine entsprechende Welt. Wie im Himmel, so auf Erden. Mit dem domestizierten Staats-Kirchen-Gott für mildtätige Zwecke ist das natürlich nicht zu machen…

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