Lachen und Weinen

Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen.(Lukas 6,25b)

Das dritte „Wehe“ für die Jünger. Alle sprechen Grundbedürfnisse an: 1. reich sein, 2. satt sein und nun 3. Freude haben oder „alles ist gut“. Warum sagt Jesus zu seinen Nachfolgern, sie sollen sich JETZT nicht freuen? Schließlich sagen andere Bibelstellen das Gegenteil davon.

Nun, man kann sich bekehren und Jesus annehmen, damit es einem besser geht. So weit, so gut. Aber das ist noch keine Jüngerschaft. Die ist etwas Reiferes, als Jesus zu instrumentalisieren für die eigenen Zwecke: dass wir in den Himmel kommen, dass wir gesegnet werden, dass sich einer um uns kümmert, dass wir „die Guten“ sind, eine Gemeinde haben, usw. Jesus hatte Erfolg, Volksmengen strömten herbei. Große Veranstaltungen voller dramatischer Geschehnisse. Jesus Christ – Superstar. Das „Jesus-Projekt“ lief wie am Schnürchen. Alles klar.

Als Gethsemane kam, sah die Sache anders aus, die Jünger wurden ernüchtert und liefen weg. Schluss mit lustig! Jetzt trauerten sie und weinten über ihren Verlust und Verrat, erlitten Stress und Verfolgung.

Für alle, die mit Jesus groß rauskommen wollen, deren Dienste aufsteigen wie eine Rakete, kommt Gethsemane. Nicht immer lässt es sich umgehen und vermeiden, sein Ego hinzulegen, in den Tod zu geben, und sein Kreuz auf sich zu nehmen.

Für alles gibt es eine bestimmte Stunde. Und für jedes Vorhaben unter dem Himmel gibt es eine Zeit: Zeit fürs Weinen und Zeit fürs Lachen, Zeit fürs Klagen und Zeit fürs Tanzen… (Prediger 3,1+4)

Es braucht Weisheit, um die Zeit zu erkennen und das rechte Verhalten dazu zu finden. Der „Tor“ lacht, wenn es nicht passt und er weint, wenn auch das nicht passt.

Aber da ist auch noch folgende Bibelstelle, in der Jesus uns von den „wurzellosen“ Menschen erzählt:

Der Sämann ging hinaus, seinen Samen zu säen; und indem er säte, fiel einiges … auf den Felsen; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte... Der Same ist das Wort Gottes. Die aber auf dem Felsen sind die, welche, wenn sie hören, das Wort mit Freuden aufnehmen; und diese haben keine Wurzel; für eine Zeit glauben sie, und in der Zeit der Versuchung fallen sie ab. (Lk 8,5+11+13)

In der „Zeit der Versuchung“ werden wir mit dem Preis der Nachfolge konfrontiert, mit der Frage, was uns Jesus wirklich wert ist und wie weit wir mit ihm zu gehen, bereit sind. Es wird uns klar, wie egozentrisch unser Leben wirklich ist und wie viel wir uns über uns selbst vormachen. Das ist alles andere als lustig, wir werden weinen und trauern. Aber da müssen wir durch, denn alles geht darum, dass wir alles erkennen, wie es wirklich ist, und aufhören, unseren Einbildungen darüber zu folgen. Der Weg in die Wirklichkeit, was der „Weg der Wahrheit“ ist, ist einerseits begehrenswert wie nichts anderes, andererseits ist er für uns an Lüge, Illusion und Finsternis gewöhnte Menschen schwer zu ertragen.

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