Es satt haben, satt zu sein.

Wehe euch, die ihr voll seid, denn ihr werdet hungern. (Lukas 6,25)

Dies ist die zweite Unseligpreisung, ein weiteres „Wehe euch!“

Im ersten Wehe hatten wir bereits das Problem, dass wir dann, wenn wir Reichtum erlangen, geneigt sind, uns an dieser Habe zu trösten, sie als Sicherheit für unser Leben und Ruhekissen für unsere Seele zu betrachten… und einzuschlafen.

Hier nun ist die zweite Gefahr, einzuschlafen. Wir sind satt. Genau wie alle Menschen reich sein wollen, so wollen alle satt sein, aber womit sättigen sie sich? Für die Jünger, zu denen Jesus spricht, ist es angesagt, nicht satt zu werden, sondern immer weiter nach den Dingen des Reiches Gottes zu hungern und zu dürsten. In dem Moment, wo wir ein bestimmtes Maß an geistlichem Niveau und Erleben erreicht haben, ein Level, das uns als hoch und erfolgreich genug erscheint – im Vergleich zu den anderen jedenfalls – richten wir uns darin häuslich ein, konsolidieren das Erreichte und halten es aufrecht. Auch bei dieser Variante von Dienst schlafen wir bald ein. Nur eben auf einer „höheren“ Ebene als manch anderer Dienst oder Gemeinde. Wir liegen im Stockbett oben, hurra!

Dass wir „fertig haben“ gibt es im Reich Gottes nicht. Wir sind immer Anfänger. Gerade das kennzeichnet die geistlich reifen Menschen, sie haben stets das Gefühl und die Offenbarung des Heiligen Geistes, dass sie noch ganz am Anfang stehen. Das Kennzeichen der Unreifen ist es hingegen, dass sie meinen, schon „sehr weit“ zu sein.  

Diener und Dienste, die sich für erfolgreich halten und auf dieser Ebene stehen bleiben, werden bald alles verlieren. Dann wachen sie wieder auf und dann haben sie Hunger! Es sei denn, sie sind bitter und schmeißen alles hin! Egal wie gut der Dienst aufgestellt sein mag, er brennt über Nacht ab, er stolpert über eine Unachtsamkeit, verliert seine Integrität, was auch immer. Jesus strebte nicht an, groß zu werden, sondern selbstlos und in Bewegung zu bleiben.

Wenn erfolgreiche Dienste hungrig und durstig nach Gott bleiben, wenn sie nicht stehen bleiben, sondern weitergehen; wenn sie nicht erstarren, sondern lebendig bleiben; wenn sie nicht meinen, „es geschafft zu haben“, sondern sich für Anfänger halten; wenn sie nicht elitär werden, sondern selbstlos bleiben … dann Hut ab!

„So sprecht auch ihr, wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist: Wir sind unnütze Knechte; wir haben nur ausgeführt, was wir zu tun schuldig waren.“ (Lk 17,10)  

Hier geht es nicht um Selbstverurteilung, sondern um die Notwendigkeit, uns nicht über das Erreichte und Erlangte zu definieren. Denn was wir erreicht haben ist in Gnade und in Jesu Namen getan. Ist es nicht in Gnade und Jesu Namen getan, ist es sogar Sünde, egal wie „gut“ es ist oder wie satt wir davon sind. Laodicea lässt grüßen.

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