Wozu Reichtum?

Aber wehe euch Reichen, denn ihr habt euren Trost dahin. (Lukas 6,24)

Nach den Seligpreisungen kommen nun die Unseligpreisungen. Immer noch spricht Jesus hier zu seinen Jüngern (6,20). Die Aussagen sind also nicht unbedingt allgemein für alle Menschen zu verstehen. Was ist, wenn wir, als Jesusnachfolger, als Jünger und Diener des Evangeliums reich werden? Es ist ja ein menschliches Grundbedürfnis, reich und nicht arm zu sein, Wohlstand zu erlangen und aus finanziellen Abhängigkeiten herauszukommen. Es hat an diesem Punkt mit Freiheit zu tun. Freiheit braucht Mittel. Dass Gott nicht allgemein gegen Reichtum ist, wie manche meinen, sehen wir an vielen der großen Männer des Alten Testamentes, die teilweise über erheblichen Reichtum verfügten.

Den entscheidenden Hinweis zur Gefahr des Reichtums gibt uns das Wörtchen „Trost“. Was gibt uns Sicherheit? Was beruhigt unsere Seele? Nun, das ist Jesus. Der sagt an anderer Stelle: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid und ich werde euch Ruhe geben für eure Seelen.“ Wir könnten in diesem Vers einmal Jesus ersetzen durch Geld und unsere ganze Mammon-Kultur ist  damit definiert. Sie folgt und sie dient dem Geld, es ist ihre Sicherheit und Ruhe – nicht etwa Jesus. Auch das Gleichnis vom reichen Kornbauern, der sich große Lager baut und zu sich selbst spricht: „Seele, du hast viele Güter daliegen auf viele Jahre, Ruhe aus, trink und iß und sei fröhlich!“ (Lk 12,19) geht in diese Richtung und zeigt ein sehr fragiles und von Gott unabhängiges Glück, das vergängliche „Glück der Sünder“. Gott nennt den Kornbauern „Narr“.

Dass unsere Seele wirklich ihre Sicherheit, Versorgung, Zugehörigkeit, ihren Trost in Christus hat und dort auch behält – ob sie physisch gesehen arm oder reich ist – das ist das wahre Glück, denn Jesus ist nicht von dieser Welt, untersteht nicht ihren Gesetzen der Sünde und des Todes und verlässt uns nicht. Er sendet den „Tröster“, den Heiligen Geist, zu uns und in uns, der uns für immer begleitet – Tag und Nacht. Geld kann das nicht leisten.

Nun werden wir in der Jesusnachfolge normalerweise in den Zustand kommen, wo wir erleben, „nichts und alles“ zu haben. Die nötigen Mittel kommen punktgenau herbei, ob viel oder wenig, um den Bedarf zu decken – und das bei Weitem. Aber berechenbar ist das nicht.

Je unabhängiger wir von Geld sind, desto mehr kann Gott uns davon zum Dienst anvertrauen. Durch die Hände vieler selbstloser Diener und Dienste sind unzählige Millionen geflossen. In dem Moment aber, wo diese Dienste und Diener sich daran vergreifen, um ihren Dienst und ihr Leben damit abzusichern, ist ihr (wahrer) Trost dahin.

So sind wir in der Anbindung an Jesus tatsächlich frei von dem trügerischen Trost des Geldes, das uns keineswegs trösten kann, sondern in der Regel eine Quelle ständiger Sorgen ist und uns wie Sand zwischen den Fingern zerrinnt. Da wir in einem materialistischen Umfeld gewaltiger existentieller Ängste leben, in dem die vielen Seelen gebunden sind an Mammon und seine Kredite, ist es nicht leicht, unsere Freiheit davon zu behaupten. Mögen wir unsere wahre Seligkeit der Nähe und Verbundenheit mit Jesus, der keine existentiellen Versorgungs-Ängste hat, sondern ganz im Vater ruht, kultivieren und seine Freude teilen. Für ihn vermehrt der Himmel das Brot, so dass die Jünger erleben, wie abertausende von Menschen, die zu Jesus kommen, gesättigt werden und zig Körbe Brot übrigbleiben (Lk 9,10-17). Wir können ja eine Mahlzeit von Fisch und Brot für 5000 echt hungrige Leute und 12 Körbe, die übrig bleiben, mal in Geld umrechnen! Und Jesus hat das nicht nur einmal gemacht…

Das ist der göttliche Reichtum und Überschuss, denn der Himmel nach Bedarf gibt – und das immer reichlich und nicht geizig. Da muss man nichts horten wie der Kornbauer in seine Scheunen, wo er es dann gegen die verteidigen muss, die nichts haben. Also Versicherungen abschließen, Steuerberater und Buchhaltung bezahlen, hohe Zäune bauen, am besten mit Kameraüberwachung, dazu eine Sicherheitsfirma zum Objektschutz beauftragen und und und alles kostet… und hält die Seele auf Trab, die darüber keine Ruhe finden wird und ihr Leben verliert. 

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