Seliges Weinen

Glückselig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. (Lukas 6,21b)

Niemand will weinen, alle wollen jetzt lachen und dann auch. Aber wer jetzt das Weinen in Kauf nimmt und sich dem Schweren, Falschen und Furchtbaren stellt, der wird eines Tages durch die  Schleier von Depression und Bedrückung hindurchgehen und frei sein. Dann kommt ein Lachen von göttlicher und ewiger Qualität, ein furchtloses und triumphales.

Die Jünger sahen, wie Jesus sich den abartigen Vorwürfen und Drohungen der Pharisäer und Schriftgelehrten stellte, sie sahen, wie er weder vor dem Meer an Krankheit, Agonie und Verzweiflung der Menschen zurückwich noch vor den Schreien der unreinen Geister. Sie hörten sich an, dass der Christus leiden und sterben muss, dass er die Sünden der ganzen Welt auf sich nimmt und die Machtverhältnisse durch sein Opfer für immer verändert. Leicht, schön und besucherfreundlich ist das nicht! Nur JÜNGER lassen sich darauf ein, denn sie wollen bei Jesus sein – genauso in seinen Leiden wie in seinem Triumph. Wer nur die eine Seite haben will – nur weinen oder nur lachen -, der kann zu keiner Ganzheitlichkeit und Integrität gelangen, der wird immer einseitig bleiben. Glückseligkeit geht anders.

Jesus ließ die Jünger an seiner Seite in die Abgründe der Hölle blicken, er mutete ihnen viel zu, aber er verhieß ihnen Glückseligkeit, denn wenn sie das aushalten, dann auch die Herrlichkeit, die kommt. Mit der Größe, dem Triumph und der Herrlichkeit umzugehen, ist nämlich keineswegs einfacher, als der Umgang mit dem Gegenteil davon. Immer und unter allen Umständen gilt es, selbstlos zu bleiben und „in Christus“, der es vermag, sowohl nach ganz unten zu gehen als auch nach ganz oben. 

„Der hinabgestiegen ist, ist derselbe, der auch hinaufgestiegen ist über alle Himmel, damit er alles erfülle.“ (Eph 4,10)

Unser Ego bzw. „Fleisch“ will nicht weinen und hinabsteigen. Es will Gott ja gerade dafür haben, um das Weinen zu vermeiden und stets oben auf zu sein. Wie soll unser Ego Gethsemane aushalten? Die Jünger jedenfalls haben es nicht ertragen und abgeschaltet (geschlafen). Als bald das Undenkbare eintrat und Petrus Jesus dreimal verleugnete, ja dann weinte er bitterlich. Alle flohen und versteckten sich und waren fassungslos über sich selbst. Sie wollten Jesus als König in Jerusalem einreiten und das Reich aufrichten sehen, aber dass er wie ein Verbrecher hingerichtet wird, nein… Nun, Jesus weinte über die Stadt, schon ehe er einritt, denn er wusste genau, dass sie Frieden nicht kann und ihn auf die übelste Weise aufs Schafott bringen würde. Trotzdem ging er hinein und ließ es geschehen, denn er wusste auch um das, was danach kam.

…indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. (Heb 12,2)

Natürlich, alle wollen die Freude haben und mit Jesus auf dem Thron sitzen, aber Schande und Kreuz erdulden – nein danke! Aber so kommen wir nicht in die ewige und mächtige Freude des Herrn hinein und auch nicht auf den Thron, der eben jenem gegeben wird, der das ganze Programm auf sich nimmt: das „ganz unten“ und „ganz oben“. Die gute Nachricht: Jesus läuft vor unseren Schwachheiten und Sünden nicht davon, sondern teilt sie, damit wir die Angst vor ihnen verlieren und dann durch ihren Schleier hindurch in die Herrlichkeit eintreten, die sie verborgen haben.

Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern um der Herrlichkeit Gottes willen, damit der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werde. (Joh 11,4)

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