Weltliche und himmlische Speise

Glückselig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden. (Lukas 6,21)

Die Zweite Seligpreisung spricht über Hunger. Mich erinnert es an die Versuchung Jesu (Lk 4,1-4), seinen Hunger selbst zu stillen und seine Vollmacht einzusetzen, um zu kriegen, wonach ihn verlangte; etwas nachzuhelfen und zu manipulieren, um die Ergebnisse zu erzielen, die den Hunger nach Erfolg stillen. Oder „das Spiel mitzuspielen“, um dazuzugehören, den Menschen zu gefallen und anerkannt zu werden. Hunger nach Gemeinschaft, Hunger nach Beziehungen, Hunger nach Ansehen und Bedeutung. O es gibt viele Formen von Hunger! Und sie alle bergen die Versuchung in sich, zu nehmen, was einem nicht gegeben ist, weil einen danach verlangt.

Diese Jünger nun, sie harrten zunächst einmal physisch bei Jesus aus. Voraussichtlich ging der Dienst pausenlos durch und es gab nicht mal Zeit, etwas zu essen. Bei der „Speisung der 3000“ sah Jesus, dass die Volksmengen Hunger hatten, weil sie schon den ganzen Tag bei ihm gewesen waren, aber noch viel mehr galt das für die Jünger, die Apostel, die ihre Bedürfnisse zurückzustellen lernten, um mit Jesus in einem unbekannten Maß selbstlos zu sein und zu dienen.

Aber der Hunger geht, wie gesagt, viel weiter und führte auch bei den Jüngern noch zu tragischen Situationen von Verleugnung und Verrat. Selbstlosigkeit ist ein Wunder, eine Gabe und Gnade, eine überweltliche Freiheit. Sie braucht eine andere Sättigung, als „Brot“ und alle temporären „Nahrungen“, die die Welt zu bieten hat, denn alles, einfach alles vergeht in ihr. Manchmal kann man die „höhere Speise“ nur erfahren, wenn man einmal bewusst von der „niederen“ fastet.

Die Jünger nehmen den Selbstverzicht, den Hunger in Kauf, weil sie in Jesus eine andere Qualität von „Brot des Lebens“ gefunden haben, eine Speise, die den Hunger anders stillt, als es Materie vermag. In der Gemeinschaft mit Jesus sahen und hörten, erlebten und bezeugten sie Dinge, die einen den Hunger vergessen lassen, so wunderbar sind sie. So wichtig. So schicksalhaft.

Auch die Zugehörigkeit zu Jesus und seiner ewigen Stadt, die Gemeinschaft mit Myriaden von Engeln und mit der „Gemeinde der Erstgeborenen, die in den Himmel angeschrieben sind“ (lies Hebr 12,22-23), der „Geschmack der himmlischen Gabe und Teilhabe an dem Heiligen Geist“ (Hebr 6,4), das sind so große, so befriedigende, so nährende, stärkende und erfüllende Dimensionen, dass wir HIER Hunger in Kauf nehmen, um DORT zu essen und zu trinken an dem ewigen Tisch.

Leider sind diese himmlischen Dinge für viele so weit weg und so jenseitig, dass sie für sie keine Alternative zur Speise der Welt darstellen, die sie krank macht und sterben lässt. Es gibt aber eine Speise, die uns aufrichtet und lebendig macht, die uns auferstehen und diese Welt überwinden lässt. O mögen wir von ihr kosten und die Frucht des Baumes des Lebens essen, die den Überwindern verheißen ist!:

„Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem werde ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, welcher in dem Paradies Gottes steht.“ (Offb. 2,7)

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