Jesus um jeden Preis

Und Jesus erhob seine Augen zu seinen Jüngern und sprach: Glückselig ihr Armen, denn euer ist das Reich Gottes. (Lukas 6,20)

Nun geht es also an die berühmten Seligpreisungen. Gerade hatten die Mengen der Jünger und des Volkes, das von überallher gekommen war, das Reich Gottes mächtig in Erweisung des Geistes und der Kraft erlebt. Ja, für sie hatte es sich gelohnt, frei zu nehmen, alles stehen und liegen zu lassen, mögliche geschäftliche Verluste in Kauf zu nehmen, usw. Wer konnte überhaupt sagen, wie sie aus der Geschichte wieder raus- und wann nach Hause kommen?! Die Versammlung hatte wohl einen Anfang, aber kein Ende, ich nehme an, sie ging Tag und Nacht weiter. Es war Bewegung, Erstaunen, Weinen und Lachen, die Wogen gingen hoch. Sitzplätze gab es keine, auch keine Langeweile und keinen Kirchenschlaf.

Die „Armut“ der Jünger kann man vielfältig auslegen. Sie halten sich – im Gegensatz zu den Schriftgelehrten und Pharisäern – weder für „geistlich“, „wissend“, „theologisch beschlagen“ noch der Synagoge verpflichtet, Abstand zu diesem Sektierer Jesus zu halten. Sie gehen das Risiko des Ausschlusses ein, der Ächtung, ja, der Verfolgung. Sie geben vor den Augen aller – ob Familie, Gemeinde oder Firma zu, dass sie Jesus brauchen, und dass sie ihm folgen werden, wohin er geht. Sie setzen alles auf eine Karte. Sie halten sich nicht für „versorgt“, „versichert“ und „unabhängig“, sie schauen nicht nur mal bei Jesus vorbei, um seine Predigt zu prüfen und weiter ihrer eigenen Wege zu gehen.    

In der Parallele in Matthäus 5,3 spricht Jesus von der „Armut im Geist“. Ich glaube, nur der, der seinen geistlichen Mangel oder gar Tod erkennt, ist bereit für die Fülle und die Auferstehung. Solange wir ohne das leben und auch Christen sein können, ist uns nicht zu helfen und wir werden das Reich Gottes nicht erfahren, denn es ist einfach nicht nötig und nicht wichtig genug für uns. Wir haben andere Inhalte und „Reichtümer“ genug, die wir hochhalten und von denen wir uns was versprechen, die uns ausmachen, definieren und auszeichnen. Ein Jünger Jesu hat das nicht und achtet es auch für nichts, wie Paulus das so drastisch in Philipper 3,7-10a sagt, um nur Jesus zu erkennen und seiner Auferstehungskraft teilhaftig zu werden.

Aber was auch immer mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust gehalten; ja wirklich, ich halte auch alles für Verlust um der unübertrefflichen Größe der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, willen, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck halte, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde – indem ich nicht meine Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die durch den Glauben an Christus, die Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens -, um ihn und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden zu erkennen…

Für die meisten Christen ist das, fürchte ich, einfach nur fanatisch und fundamentalistisch, völlig überzogen und einseitig. Und ich muss sagen, meiner Meinung nach ist wahre Jüngerschaft genau das. Aber sie erfährt die Glückseligkeit der ganz realen Teilhabe am ganz realen Reich Gottes, das höher ist, als die Welt. Sie erfährt gemeinsam mit Jesus die Macht und Herrlichkeit von dem, wovon die anderen nur reden… oder nicht einmal das. So ist ein Jünger Jesu denn einerseits arm in sich selbst und andererseits reich IN IHM.   

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