Apostolische Gemeinde

Und es geschah in diesen Tagen, dass er auf den Berg hinausging, um zu beten; und er verbrachte die Nacht im Gebet zu Gott. Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger herbei und erwählte aus ihnen zwölf, die er auch Apostel nannte. (Lukas 6,12-13)

An dieser Stelle wird klar, dass da viel mehr als die zwölf Jünger waren, denn sie stellten eine Auswahl dar, die Jesus nach einer Gebetsnacht traf und „die er auch Apostel nannte“.

Was verbinden wir nicht alles mit diesem Begriff? Etwas Hohes und Würdiges, christliche Leiter von höchster geistlicher und moralischer Integrität, ausgestattet mit sagenumwobenen Ämtern und Geistesgaben, Ausnahme-Heilige. Aber die folgende Aufstellung der Namen dieser Apostel in den Versen 14-16 verhehlt uns nicht, dass auch „Judas Ischariot, der auch sein (Jesu) Verräter wurde“ unter ihnen war. Wie konnte Jesus ausgerechnet ihn erwählen? Das wirft Fragen auf.

Markus 3,14 gibt uns noch einige sehr hilfreiche Hinweise darauf, wofür genau er diese Zwölf „bestellte“:

Und er bestellt zwölf, damit sie bei ihm seien und damit er sie aussende, zu predigen und Vollmacht zu haben, die Dämonen auszutreiben.   

Wollen wir kurz die Reihenfolge durchgehen: Zuerst sollen die Apostel bei Jesus sein. Wir würden wohl sagen, das ist das Erste aller Christen. Wenn sie denn recht bei ihm sind, will er sie aussenden, zu predigen. Hier würden wir mit Blick auf den Missionsbefehl erneut sagen, dass dies genauso für alle Christen gilt. Alle sollen mach ihren Möglichkeiten das Wort verkündigen (vgl. Apostelgeschichte 4,31 + 8,4). Dann kommt das Dritte: Vollmacht zu haben, die Dämonen auszutreiben. An diesem Punkt steigen viele Christen aus, aber wiederum müssen wir feststellen, dass alle Christen Vollmacht haben sollen und auch alle Christen die Finsternis konfrontieren und Dämonen austreiben sollen. So steht es klar im Missionsbefehl (Mk 16,17) und wurde entsprechend mit großem Erfolg von der Urgemeinde umgesetzt (Apg 5,16). Also war diese Gemeinde apostolisch.  

Die heutige Gemeinde ist in der Regel ausschließlich pastoral. Sie ist entsprechend eine Versorgungs- und Betreuungseinrichtung, die ihre Mitglieder weder in der Nähe zu Jesus trainiert, noch im Umgang mit dem Wort und ganz bestimmt nicht in der Anwendung göttlicher Reich-Gottes-Vollmacht in dem Namen Jesu. Das alles wird dem Mitglied von den Profis abgenommen, die es gegen eine Gebühr  rundumversorgen – von der Wiege bis zur Bahre. Es braucht nur ein SCHAF zu sein. Da sind die Hirten sich einig…

Nicht so die Apostel. Sie wollen der Gemeinde Beine machen und sie zu geistlicher Reife und Mündigkeit führen, um in der Beziehung zu Jesus, im Wort und in der Ausübung der Mission Christi stark zu sein.

Die neutestamentlichen Briefe sind nicht hirtlicher, sondern apostolischer Natur, sie thematisieren die Nähe und das Wort, die Sendung und Vollmacht des Heiligen Geistes. Aber was davon ist übriggeblieben? Jeder von uns kann es sich selbst fragen: Bin ich ein Konsument mit einer Religion oder ein Jünger mit einer Mission?    

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