Der elitäre Geist

Es geschah aber auch an einem anderen Sabbat, dass er in die Synagoge ging und lehrte; und es war dort ein Mensch, dessen rechte Hand verdorrt war. Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber lauerten darauf, ob er am Sabbat heilen würde, damit sie eine Beschuldigung gegen ihn fänden. Er aber kannte ihre Überlegungen und sprach zu dem Menschen, der die verdorrte Hand hatte: Steh auf und stelle dich in die Mitte! Er aber stand auf und stellte sich hin. Jesus sprach nun zu ihnen: Ich frage euch, ob es erlaubt ist, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, Leben zu retten oder zu verderben. Und nachdem er sie alle ringsum angeblickt hatte, sprach er zu ihm: Strecke deine Hand aus! Und er tat es; und seine Hand wurde wiederhergestellt. (Lukas 6,6-10)

Sehen wir, wie pervers und psychopatisch das ist? Da wird Jesus von den geistlichen Leitern, also Figuren von denen wir hohe Moral und Integrität erwarten, „belauert“, ob er wohl am Sabbat heilen würde, um DAS gegen ihn zu verwenden! Erneut spielen die Menschen, die Kranken, wie hier ein Mann mit verkrüppelter Hand, keine Rolle für sie. An anderer Stelle finden wir das noch krasser, wo sie die „im Ehebruch ergriffene Frau“ sogleich und ohne mit der Wimper zu zucken hinrichten wollen, „weil das Gesetz es verlangt“. Sich selbst halten sie für die legitimen Vollstrecker dieses Gesetzes! Wichtig ist, dass befolgt wird, was sie in dieser Funktion vorgegeben, alles andere ist ein Verbrechen, eine Rebellion.

Nun führt sie Jesus in unglaublicher Weise vor, indem er diesen armen Menschen in die Mitte der Versammlung holt und nicht die ideologische, sondern die menschliche Frage stellt: ob man am Sabbat Gutes tun darf – oder es um des Sabbats willen bleiben lassen muss, und ob man am Sabbat Leben retten darf – oder es eben um des Sabbats willen verderben lassen muss? Jesus gibt den Schriftgelehrten und Pharisäern Gelegenheit, ihre Einwände zu bringen, jeden blickt er an, aber sie schweigen, denn die Antwort ist klar und sie wissen inzwischen, dass Jesus kein Theoretiker ist, sondern sogleich diesen Mann vor aller Augen heilen wird und sich alle – außer ihnen – sehr darüber freuen und Gott über seiner Gnade und Barmherzigkeit verherrlichen werden. Nur sie eben nicht…

Der Konflikt zwischen dem „System“ und seinen Vertretern, mit der religiösen Ideologie, die kein Pardon kennt und Menschen nur als Mittel zum Zweck ihres Erhalts und Unterhalts sieht und Jesus, der gekommen ist „zu suchen und zu retten, was verloren ist“, wird ständig vor aller Augen aufgedeckt. Die Pharisäer, die nur gerecht tun, aber nicht gerecht SIND, werden ständig vorgeführt und könnten Buße tun, aber das fordern sie ja nur von den anderen – gerne gegen eine Gebühr. Sich selbst halten sie sowieso für die überlegene Klasse und Kaste, die in einer anderen Liga spielt als die Normalen.

Der Geist des Elitären und die Hybris der „Oberen“, der hat sich niemals geändert. Sobald hierarchische Machtstrukturen etabliert werden, befällt dieser Geist sehr häufig die oberen Wenigen, die dann die unteren Vielen regulieren, fremdbestimmen und ausbeuten – natürlich nur zu deren Wohl.

In den Episoden von Lukas 5,17-6,11 wird dieser Geist sichtbar gemacht. Es wird klar, dass die Vorgaben des Systems und deren Einhaltung für diesen Geist wichtiger sind als die Menschen, ja als das Leben selbst. Und dort, wo die Politik gemacht wird, ist so etwas wie „Glaube, Hoffnung und Liebe“ weder eine Orientierung noch spielt das eine Rolle. Geschäft ist Geschäft.

So endet dieser Abschnitt mit der Feststellung der allgemein gültigen und sich immer einstellenden Reaktion der in Frage gestellten Ideologen mit ihrem elitären Geist: „Sie aber wurden mit Unverstand erfüllt und besprachen sich untereinander, was sie Jesus tun sollten.“ (6,11)

1 comment for “Der elitäre Geist

  1. Stephan Von Flue
    18. Januar 2020 at 9:52

    Jesus lebte Liebe für die unterste Menschen Schicht, er war für die Bedürftigen ein Heiland. Er half den Ärmsten von denn Armen. Die obere Elite hatten ein verstecktes Herzen weil sie nicht erkannten das Er die Liebe des Vaters im Himmel lebte. 😇💕Stephan

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