Revolution des Sabbats

Und es geschah am Sabbat, dass Jesus durch die Saaten ging und seine Jünger die Ähren abpflückten und aßen, indem sie sie mit den Händen zerrieben. Einige der Pharisäer aber sprachen zu ihnen: Warum tut ihr, was am Sabbat nicht zu tun erlaubt ist? Und Jesus antwortete ihnen: Habt ihr auch dieses nicht gelesen, was David tat, als ihn und die bei ihm waren hungerte? Wie er in das Haus Gottes ging und die Schaubrote nahm und aß und auch denen gab, die bei ihm waren – die doch  außer den Priestern allein niemand essen darf? Und er sprach zu ihnen: Der Sohn des Menschen ist Herr auch des Sabbats. (Lukas 6,1-5)

Die nächste Klatsche für die Pharisäer! Über die Vergebung der Sünden des Gelähmten, die Berufung des Zöllners Levi, die Weigerung, aus Prinzip zu fasten, kommen wir nun zu einem weiteren sehr, sehr sensiblen Punkt: den Sabbat. Eine heilige Kuh sondergleichen, die Jesus hier schlachtet!

Die Pharisäer wussten alles und noch mehr über den Sabbat. Mit zahllosen Zusatzregeln hatten sie seine Einhaltung als zentrale Säule der Religion – neben dem Sündenmanagement – abgesichert. Und nun halten sich die Jünger Jesu nicht daran und der lässt sie gewähren. Ein Affront! Die Antwort Jesus ist beißend: „Habt ihr auch dieses nicht gelesen…“ Klingt so, als sei er der Meinung, sie, die Schriftgelehrten, würden die Schrift ja nicht besonders gut kennen…

Dann erinnert er sie an David, der seinerzeit auch den Sabbat „gebrochen“ hatte und seine Leute gleich mit in diese unvergebbare Sünde hineinzog, indem sie die heiligen Schaubrote aßen. Die Pharisäer trauten ihren Ohren nicht. Jesus setzt diese aktuelle Situation, wo seine Jünger ohne Not Ähren pflücken doch wohl nicht gleich mit dem, was der allerheiligste David, der gleich nach Abraham und Mose kommt, getan hat! Aber genau das tut Jesus. Er holt die Schrift mit ihren aufgezeichneten Ereignissen aus einer religiös verklärten Vergangenheit ins profane Jetzt und Hier. Für ihn ist das nicht „damals“ und „was ganz anderes“, sondern er aktualisiert die Geschehnisse und zeigt, dass es nicht um eine kultische Ikonisierung von Figuren wie David geht, sondern darum, „dass der Sabbat um des Menschen willen geschaffen worden ist und nicht umgekehrt der Mensch um des Sabbat willen“ (Mk. 2,27). Dass der Sabbat also nicht ein knechtisches Gesetz, sondern eine befreiende Gabe Gottes an den Menschen ist, zur Ruhe zu kommen und zur Besinnung.

Dass Menschen zwanghaft hungern müssen, ist nicht, worum es geht und keineswegs, was Gott fordert. Die Jünger machen keinen auf fromm – weil Jesus ja neben ihnen steht –, nein, sie benehmen sich ganz normal. Anscheinend gefällt Jesus das. Sie haben offenbar nicht den Eindruck, sich für ihn verbiegen zu müssen, sich als „richtig“ und „gläubig“ beweisen oder sonst irgendwie eine fromme Rolle spielen zu müssen.  

Dass Jesus sich dann auch noch „Herr des Sabbat“ nennt, setzt dem Ganzen die Krone auf. Zu was macht sich dieser „Sohn des Menschen“?! Seine Freiheit ist so groß wie seine Vollmacht, und er weiß, wie Gott die Dinge sieht. Der hätte gern etwas weniger Verurteilung der Unschuldigen und etwas mehr Barmherzigkeit (Mt 12,6-7). Aber davon wissen die Gelehrten und Experten nichts, nur eines zählt: Das alles richtig ist! So wie sie „richtig“ definieren und es einem jeden überstülpen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.