Jesus ist größer

Niemand schneidet einen Flicken von einem neuen Kleid und setzt ihn auf ein altes; sonst wird er sowohl das neue zerschneiden, wie auch der Flicken des neuen zum alten nicht passen wird. Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche, sonst wird der neue Wein die Schläuche zerreißen, und er selbst wird verschüttet werden und die Schläuche werden verderben, sondern neuen Wein füllt man in neue Schläuche. (Lukas 5,36-37)

Ein großartiges und allseits bekanntes Gleichnis Jesu!

Die Schriftgelehrten und Pharisäer sind verzweifelt bemüht, die Andersartigkeit von Jesus, seine unfassbare Freiheit und Macht, völlig abweichende Interpretation der Schrift, usw. in ihren Bezugsrahmen zu bringen. Sie wollen Jesus korrigieren und integrieren, sie wollen ihn modifizieren und, wenn‘s nicht anders geht, sanktionieren. Alle Machtsysteme und Ideologien wollen das. Sie alle versuchen, alles in ihre jeweilige „Box“ zu stecken und darin zu verwahren. Aber das war mit Jesus nicht möglich. Er vertrat und lehrte eine so große Abweichung vom Gewohnten und Gehabten, dass er selbst den Schriftgelehrten rät, den Versuch der Angleichung oder Harmonisierung seiner und ihrer Art, seines und ihres Geistes, seiner und ihrer Lehre und Weltsicht, bleiben zu lassen, weil das wäre, als würde man das neue Kleid zerschneiden, um dann Flicken davon dem alten hinzuzufügen. Eine Maßnahme, die leider von den frommen Ideologen immer so betrieben worden ist, sie werden nie damit aufhören und können auch nicht anders, selbst wenn sie dafür sowohl das Neue als auch das Alte entstellen. Es kann für sie nur EINES geben – und das ist natürlich immer IHRES. Alles muss dem eingefügt bzw. assimiliert werden, erst dann ist es „richtig“. Damit ist der Machtanspruch total.

Nicht anders verhält es sich mit dem neuen Wein. Jesus rät den Pharisäern ab, ihn unter das Alte mischen zu wollen oder in die alten Schläuche – Strukturen, Paradigmen, Ritus, Dogmen, etc. – füllen zu wollen, er wird jeden so gearteten Rahmen sprengen, denn er ist lebendig. Der unendliche Versuch von Institutionen, Organisationen, Staatsformen, Religionen, usw. das LEBEN in den Griff zu kriegen und zu bestimmen, zu normieren, zu standardisieren, zu regeln, zu kontrollieren, usw. ist gleich die Geschichte der Welt und ihrer Mächte und Reiche. Bis heute. Es kann einfach nicht anders gedacht und gehandelt werden. Dass jemand außerhalb der vorgegebenen Schablonen stehen kann, ist undenkbar, eine Anomalie, eine Gefahr.

In den sieben Sendschreiben in der Offenbarung warnt Jesus sieben Gemeinden davor, auf ihre jeweils individuelle Art und Weise zu erstarren, zu ideologischen Strukturen zu werden, zu religiösen Institutionen, die „ihre erste Liebe verlassen haben“ (Offb 2,4-5) oder  „den Namen haben, dass sie leben, sie sind aber tot“ (Offb 3,1) oder sich „für reich und stark halten und nicht wissen, dass sie elend, bemitleidenswert, arm, blind und bloß sind“ (Offb 3,17).

Alle diese Befunde – und dies ist nur eine kleine Auswahl davon – könnte Jesus hier ganz genau den Schriftgelehrten und Pharisäern mit ihrer Synagoge attestieren. Sie meinen, sie wären wer, wüssten was, hätten die Schrift verstanden, die Wahrheit gepachtet, wären von Gott legitimiert, usw. während nichts davon der Wirklichkeit entspricht. Innerhalb ideologischer Weltbilder kann man sehr korrumpiert werden und sich sehr viel vormachen. Aber an der Wirklichkeit ist leider niemand interessiert! Solche Pseudo-Menschen sind geneigt, auch anderen ihre Ideologien aufzuzwingen und sie so zu verbiegen und zu verderben wie sich selbst. Erst dann sind sie zufrieden.

Jesus ist so viel größer als Ideologien und ihre Agenturen, wie das Leben größer ist als der Tod, die Liebe mächtiger als die Furcht und der Frieden (Schalom) höher als alle Vernunft. So überlegen wie das Licht es der Dunkelheit ist, die Wahrheit der Lüge, die Ewigkeit der Zeit und der Himmel der Erde. Wo wollen wir uns verorten? Und in welchen „Weinschlauch“ wollen wir diese Dimensionen stecken?  In Christus haben wir den gottgegebenen Zugang zu diesen höheren Bereichen, die niemals von einer menschlichen, irdischen, teuflischen Instanz betreten, begriffen,  beschlagnahmt, oder kontrolliert werden können. Auch wenn diese Instanz sich Religion, Synagoge oder Kirche nennt. Jesus ist größer.

1 comment for “Jesus ist größer

  1. Heinz Gülker
    18. Januar 2020 at 13:17

    Lieber Frank,
    danke für Deine inspirierenden Texte und Tagesgedanken!
    „In welchen „Weinschlauch“ wollen wir diese Dimensionen stecken?“
    Das finde ich eine sehr gute und nachdenkenswerte Frage!
    Sind nicht wir als Seine Kinder dieser Weinschlauch (Kolosser 1, 27)?
    Und ist es nicht ebenso Seine Gemeinde (Epheser 1, 22+23)?
    Welch ein Vorrecht!
    Liebe Grüße
    Heinz

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