Hochzeitsvorbereitung

Die Pharisäer und Schriftgelehrten aber sprachen zu Jesus: Warum fasten die Jünger des Johannes oft und verrichten Gebete, ebenso die auch die der Pharisäer; die deinen aber essen und trinken? Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr könnt doch nicht die Hochzeitsgäste fasten lassen, während der Bräutigam bei ihnen ist? (Lukas 5,33-34)

 Die Irritation der Pharisäer und Schriftgelehrten reißt nicht ab. Während Jesus am reich gedeckten Tisch der Zöllner und Sünder mit seinen Jüngern speist, fragen sie nach Fasten und Gebet. Die (wahren) Jünger üben sich darin, sowohl die von Johannes(!), als auch die ihren, aber nicht die von Jesus, womit sie ja wohl disqualifiziert sind.

Die Antwort von Jesus fällt völlig aus ihrem Bezugsrahmen heraus. Für sie ist Gebet und Fasten eine fromme Pflicht und Leistung, das Mittel, um einerseits Punkte bei Gott zu sammeln und andererseits um sich eben von solchem Pack abzuheben, das nur seinen niederen Lüsten frönt, mit dem Jesus gerade zu Tisch sitzt. Und Jesus sagt: Fasten? Jetzt? Seid ihr von Sinnen!?

Was sollen sie mit so einer Antwort anfangen? Es bräuchte eine ganz andere Gesinnung und Betrachtung der Realität, um so etwas zu verstehen. Jesus ist der Bräutigam? Die „Zöllner und Sünder“ – und mitten unter ihnen die Jünger – sind Hochzeitsgäste? Hä?

Das lässt an das Gleichnis von dem Hochzeitsmahl denken (Lk 14,15-24; Mt 22,2-10), wo der König seine „Freunde“ ruft, die alle nicht kommen wollen und dann Boten „an die Hecken und Zäune“ sendet, um eben all diese „Sünder“ einzuladen – und Gute und Böse kommen „auf das Wort des Königs“ und füllen den Raum.  Aber nicht seine „Freunde“! Sie hatten nicht begriffen, was die Stunde geschlagen hat und welcher Ehre sie eigentlich teilhaftig wurden, dass der König sie zuerst eingeladen hat. Gefangen in Routine machten sie weiter wie gehabt. Das Fazit des Königs: Die Hochzeit ist bereit, aber die Geladenen waren nicht würdig!

Hier lässt Jesus sie wissen, dass sie keine Ahnung davon haben, wer mit ihm eigentlich unter ihnen ist, der Königssohn, und dass die Hochzeitsgesellschaft schon versammelt wird – aber sie sind nicht dabei, weil sie nichts begreifen, aber glauben, dass sie alles besser wissen.  

O welche Warnung für uns, wenn wir meinen, weil wir schon so und so lange Christ sind und die Bibel gelesen, in die Gemeinde gegangen und 1000 Sonntagspredigten gehört haben, wüssten wir, wie der Hase läuft. Fragen wir uns einmal ganz nüchtern: Wie steht es um unsere Hochzeitsvorbereitung?

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