Evangelisation ala Jesus

Und danach ging Jesus hinaus und sah einen Zöllner mit Namen Levi an seinem Zollhaus sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach! Und der verließ alles, stand auf und folgte ihm nach. Und Levi machte ihm ein großes Mahl in seinem Haus und dort war eine große Menge Zöllner und andere, die mit ihm zu Tisch lagen. (Lukas 5,27-29)

Waren die Schriftgelehrten und Pharisäer bereits in der Geschichte zuvor mit dem Gelähmten, der durchs Dach gelassen worden war, heftig vor den religiösen Kopf geschlagen worden, geht es ungebremst mit den Zöllnern weiter, zu deren Party Jesus geht. Das Allerletzte!

Es ist ja ganz erstaunlich, wie willig so ein schrecklicher Zöllner ist, auf ein einziges Wort hin alles stehen und liegen zu lassen, aufzustehen und Jesus zu folgen! Immerhin war der doch auf seiner Arbeitsstelle und hätte, wie jeder von uns sagen können: „Hallo Jesus, dich hätte ich hier ja nun nicht vermutet, ich dachte du hängst in Kirchen und bei den Frommen ab. Also wenn du nichts zu verzollen hast, treffen wir uns doch am Wochenende, wenn ich frei habe. Vorher geht es echt gar nicht, das wirst du doch verstehen.“

Offensichtlich reagiert dieser Zöllner ganz anders, ja geradezu so, als habe er nur darauf gewartet, gerufen zu werden, um aufzustehen und zu gehen. Ganz ähnlich wie der Lahme in der Geschichte zuvor, hört er ohne jede Diskussion und ohne jeden Widerspruch oder Einwand auf das, was Jesus sagt.

Dann kommt die große Fete mit all den Kollegen und deren Kollegen, mit all den „Weltmenschen“ und „Sündern“, mit denen Jesus offenbar weder Probleme noch Berührungsängste hat. Die Schriftgelehrte sind außer sich. „Warum esst und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern?“, fragen sie empört. „Wo ist das Vorbild für die Kinder! Wie macht ihr euch gemein mit dem schlechten Benehmen dieser Leute, ihr verunreinigt euch an ihnen, ihr macht euch ihrer Sünden teilhaftig, und so weiter und so fort, wir alle kennen die Sprüche. Aber Jesus verunreinigt sich nicht an ihnen, sondern reinigt sie durch seine Gegenwart. Er verfällt nicht ihrer Sündhaftigkeit, sondern erhebt sie in seine Heiligkeit. Ihre Unheiligkeit hat keine Wirkung auf seine Heiligkeit, aber seine Heiligkeit auf ihre Unheiligkeit. Sie sind voller Verwunderung, dass er ausgerechnet zu ihnen kommt, zu denen nie im Leben sich ein Pharisäer verirrt hat. Er hat einen von ihnen ganz bewusst in sein Team geholt! Kann man das denn fassen.

Natürlich prallen hier wieder Welten aufeinander, aber Jesus weiß, wer die Macht hat – nämlich er – also fürchtet er sich nicht vor diesen „Sündern“, sondern gibt den Pharisäern die wunderbare Antwort, warum er da inmitten der Bösen sitz: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken, und ich bin nicht in die Welt gekommen, Gerechte zu rufen, sondern  Sünder zur Buße (5,31-32). (Nicht vergessen, „Buße“ hat nichts mit büßen zu tun, sondern mit der Änderung der Gesinnung.)      

Leider gestehen viele Christen der „Welt“ sehr viel Macht zu und sich selbst keine. Sie leben, ganz wie die Schriftgelehrten und Pharisäer, ausschließlich in ihren Kreisen und meiden die „Sünder“ wie die Pest und gehen – Gott bewahre! – niemals zu einer Zöllner-Party. Auf diese Weise werden sie sie natürlich niemals gewinnen…

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