Wirkungsvoller Glaube

Und als er ihren Glauben sah, sprach Jesus: Mensch deine Sünden sind dir vergeben. Und die Schriftgelehrten und Pharisäer fingen an zu überlegen und sagten: Wer ist dieser, der solche Lästerungen redet? Wer kann Sünde vergeben außer Gott allein? Als aber Jesus ihre Überlegungen erkannte, antwortete er: Was überlegt ihr in euren Herzen? Was ist leichter zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder: Steh auf und geh umher? Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben – sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf und nimm dein Bett und geh nach Hause! (Lukas 5,20-24)  

Was für eine revolutionäre Bibelstelle! Jesus vergibt einfach Sünden. Und das nicht als Gottes Sohn, sondern als „Sohn des Menschen“. Was hat zu dieser Vergebung geführt? Jesus sah den Glauben der Gruppe, die den Kranken durch die Decke herabgelassen hatte. DAS reichte? Der Mann hatte ja gar keine Sünden bekannt, hatte keine Buße getan, kein Glaubensbekenntnis gesprochen, nichts! Die Schriftgelehrten sind in Aufruhr. Was soll das hier sein? Wie kann Jesus nur so etwas tun?

Bis heute ist das Sündenmanagement die erste Aufgabe und Betonung der Kirche. Alles dreht sich darum und ist sehr gewichtig. Da wir immer weiter sündigen, wie uns gesagt wird, bleiben wir abhängig von der Institution, die die Buße und Vergebung, Beichte und Absolution regelt. Nur speziell eingesetzte Instanzen haben das Recht unter bestimmten Bedingungen Vergebung zuzusprechen. Dieser Gelähmte hier erfüllte nun keine dieser Bedingungen, so auch Jesus nicht. Die Brisanz dieser Situation ist uns wahrscheinlich nicht klar. Sie erschüttert ganze theologische Weltbilder. Noch schlimmer wird es, indem Jesus auch seine Jünger ermuntert, Sünden zu vergeben (Joh 20,23). Au weia! Da wird die Hoheit über die Sünde und damit der wichtigste Pfeiler der institutionellen Macht der Religion abgebrochen.

Man fühlt sich in dieser Situation doch erinnert an Psalm 103,3: Der da vergibt alle deine Sünde, der da heilt alle deine Krankheiten. Wieder erleben wir, dass Jesus nicht über diese Worte predigt und sie auslegt, sondern sie erfüllt. Er redet die Worte, so als seien sie nicht nur eine Information, sondern eine Kraft. Er sieht den Glauben, also das Vertrauen der Truppe, die so weit geht, das Dach abzudecken. Das ist mal wirklich kein passiver Glaube!  Sie setzen was dran, bis zu Jesus vorzudringen, in seine unmittelbare Nähe zu kommen, vor sein Angesicht. Wie viel setzen wir daran? Und Jesus tut, wozu er gesandt ist, er spricht die alten Worte, die alle Schriftgelehrten und Pharisäer auswendig kennen, ohne dass sie sich je erfüllt haben mit Kraft. Und sie geschehen.

Ungeheuerlicher Weise fragt er auch noch, was leichter ist, zu sagen: „Deine Sünden sind dir vergeben“ oder „Steh auf, nimm dein Bett und geh nach Hause!“ Jesus stellt die Machtverhältnisse völlig auf den Kopf. Sowohl die Sünde als auch die Lähmung werden komplett entmachtet. Zudem wird die völlige Ohnmacht der Schriftgelehrten und Pharisäer offenbar, die über keinerlei reale Vollmacht verfügen, so wie ihre ganze Religion und Synagoge nicht. Aber Jesus hat sie und er wendet sie einfach an – ohne die Experten zu fragen, ob er das denn wohl darf. Der Kranke jedenfalls ist sehr froh darüber! Er schaut auf Jesus und er tut genau und sofort, was der sagt, steht auf, nimmt sein Bett und geht. Wow!

Für uns alle ist es angesagt, uns nicht von Religion und ihren Institutionen blenden zu lassen. Auch wenn sie sich gewaltige Macht anmaßen, besitzen sie doch keine – es sei denn, wir übertragen unsere auf sie. Jesus aber tut das nicht. Ihm ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde und er teilt sie mit eben denen, die glauben. Mit einem Glauben, der den Weg bahnt bis vor die Füße und das Angesicht Jesu, koste es, was es wolle. Mit einem Glauben, der mit Jesus kooperiert. Der sich nicht davon irritieren und einschüchtern lässt, dass die Gelehrten es „Lästerung“ nennen, was Jesus zu ihrer Rettung und Heilung spricht: Worte, die Kraft haben, alles zu bewirken, was sie sagen (vgl. Jesaja 55,11). Darum wohl heißt es auch, dass denen die glauben, alles möglich ist.

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