Unreine Geister

Und es war in der Synagoge ein Mensch, der den Geist eines unreinen Dämons hatte, und er schrie auf mit lauter Stimme: Ach, was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus, Nazarener? Bist du gekommen, uns zu verderben? Ich kenne dich, wer du bist: der Heilige Gottes. (Lukas 4,33-34)

Dieser Dämon wusste Bescheid. Er legte ein klares Bekenntnis ab, besser, als die Besucher der Synagoge, die Jesus nicht einzuordnen wussten. Aber sie staunten immerhin darüber, wie vollmächtig seine Lehre war (4,32). So reagieren also Menschen und unreine Geister auf die mächtige Heiligkeit bzw. heilige Macht Jesu.

Wie lange mag der Dämon schon in der Synagoge sitzen? Gibt es solch unreine Geister wohl auch heute… in Kirchen und Gemeinden? Bei uns? Werden sie unruhig, wenn gebetet wird oder die Predigt anfängt? Wenn nicht, was sagt das möglicherweise über das Maß unserer Vollmacht oder Heiligkeit aus? Ist der Umgang mit solchen Dämonen Thema in der theologischen Ausbildung, in den Pastorenhandbüchern? Wie definieren wir eigentlich „unreine“ Geister? Gibt es auch andere Kategorien? Wie kam dieser „Geist“ in den Mann in der Synagoge?

Er hat mehr Kontrolle über seinen Wirt, als der selbst begreift. Er schreit laut – mit dessen Stimme. Er sagt klar und gerade heraus, wer Jesus ist und stellt die entscheidende Frage: Bist du gekommen, uns zu verderben? Mal spricht er im Plural: „Wir“ und dann im Singular: „Ich“.  

Jesus ist in der Lage, mit der Situation umzugehen. Wo hat er das her? Er bedrohte den Geist und befiehlt ihm, auszufahren, was der auch tut. Dabei wirft er den Mann mitten unter sie (4,35). Wie konnte er – ein unreiner Geist – das tun? Und wie mag das alles für diesen betroffenen Mann gewesen sein? Jedenfalls heißt es: „Entsetzen kam  über alle“ (4,36).

Viele Fragen, die in der modernen Kirche weitgehend keine Rolle spielen. Die Dämonen wurden entmythologisiert, Berichte wie dieser in Lukas 4 redigiert und angepasst. Vielleicht, so meinen einige, gibt es diese „Geister“ noch irgendwo in Afrika, aber bei uns aufgeklärten Menschen sicherlich nicht. Davon hätten wir ja wohl etwas gemerkt…

Wir benutzen für die bösen Geister und Teufel das Wort „okkult“, was „verborgen“ heißt. Sie verbergen sich in Menschen. Fragen wir uns in Anlehnung an die heutige Bibelstelle einmal, wie es um die Reinheit unserer Gemeinde bestellt ist? Wie ist das Maß an Heiligkeit und an Vollmacht? Wie definieren wir diese Begriffe überhaupt? Haben wir Jesus einmal danach gefragt? Wenn nicht, warum nicht? Es wird in den Evangelien noch viele weitere Ereignisse geben, wo Jesus Dämonen austreibt – auch mitten in der Synagoge/Gemeinde. Er hat offenbar einen ganz anderen Blick auf die Wirklichkeit hinter der anständigen Fassade dieser Versammlungen. Er nimmt die Verborgenheit wahr. Diese Synagogenbesucher hielten sich wahrscheinlich für reiner, als sie waren, denn schließlich waren sie „Nachkommen Abrahams“, das „erwählte Volk“ und „Kinder Gottes“. Offenbar schützte dies alles jedoch vor Unreinheit nicht…

Es gibt einen Weg der Reinheit und der Heiligkeit. Wir tun gut daran, davon auszugehen, dass wir davon kaum etwas wissen. Ich denke, dass wir alle Befreiung brauchen. Je weiter wir den Weg Gottes gehen, desto mehr. Jesus ist gekommen, uns diesen Weg „aus der Finsternis ins Licht“ zu führen.

Wir leben heute in einer durch und durch unreinen Welt, die ihre Unreinheit als Freiheit, Fortschritt und Menschenrecht feiert. Jeder darf und soll so pervers sein, wie er nur will. Das ist sein gutes Recht! Die Dämonen haben nichts dagegen einzuwenden…

1 comment for “Unreine Geister

  1. Eveline Prinz
    13. Dezember 2019 at 16:14

    In den meisten Gemeinden wird der Auftrag Jesu „die Gefangenen“ zu befreien nicht als Realität gesehen. Menschen, auch gläubige Menschen, von Krankheiten und Dämonen zu befreien, wird nur für die Zeit Jesu gesehen. In der heutigen Zeit ist das nicht notwendig, meinen die meisten. Das es heute, mehr denn je nötig ist Menschen zu befreien, dieser Realität wollen sich nur wenige Nachfolger Jesu stellen. Ich bin inzwischen der Überzeugung, dass es sogar unbiblisch ist für Kranke zu beten, wenn man nicht gleichzeitig auch bereit ist, Dämonen auszutreiben. Jesus trennte das eine nicht vom anderen.

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