Äußerlichkeiten und Innerlichkeiten

In Wahrheit aber sage ich euch: Viele Witwen waren in den Tagen Elias in Israel, als der Himmel drei Jahre und sechs Monate verschlossen war, so dass eine große Hungersnot über das ganze Land kam; aber zu keiner von ihnen wurde Elia gesandt als nur nach Sarepta in Sidonien zu einer Frau, einer Witwe. (Lukas 4,25-26)

Nachdem Jesus festgestellt hat, dass „ein Prophet nichts gilt in seiner Heimat“, dreht er nun den Spieß um, indem er der Synagoge die Geschichte der Witwe in Sidonien erzählt und wie Elia sie gerettet hatte in der Hungersnot. Den Bericht finden wir in 1. Könige 17,10-24. Auch dieser Prophet, er stand seinerzeit im Konflikt mit dem korrupten König Ahab und seiner bezaubernden Frau Isebel, war von Israel nicht gut gelitten und konnte nur einer Witwe außerhalb des Landes helfen. Diese erlebte das berühmte Wunder, dass das Mehl im Topf nicht weniger wurde und das Öl im Krug nicht abnahm, bis die Hungersnot vorüber war. Und auch ihr Sohn wurde von Elia von den Toten erweckt. Wow! Diese Geschehnisse gingen in die Bibel ein, alle in der Synagoge kannten sie, aber hatten doch von sich selbst das Bild, nicht korrupt zu sein, sondern „gut“, und nicht eigenmächtig und auf den eigenen Vorteil bedacht, wie Isebel, sondern „rein“. Dass ihnen Jesus ausgerechnet mit dieser Geschichte von Elia und der ausländischen Witwe den Spiegel vorhält, macht sie wütend. Was will er ihnen denn sagen?

Dann setzt Jesus noch eins drauf und erzählt eine weitere Episode: „Viele Aussätzige waren zur Zeit des Propheten Elisa in Israel, und keiner von ihnen wurde gereinigt als nur Naeman, der Syrer (2. Könige 5).“ Da war es dann ganz aus mit der Geduld der Synagoge, und erfüllt von Wut stießen sie Jesus zur Synagoge hinaus und wollten ihn umbringen. Wie konnte er nur eine Beziehung zwischen jenem Israel damals und dem aktuellen Israel – IHNEN – herstellen!

Für uns zeigt das erneut, wie aktuell die „alten Geschichten“ sind und dass sich nicht geändert hat. Die sich für gut halten, sind nicht gut und die sich nicht für gut halten, erfahren Gottes Gnade. Immer wieder pochten die Hörer von Jesus darauf, dass sie doch schließlich Israel seien, Nachkommen Abrahams, die Auserwählten Gottes! Und alle Propheten, inklusive Jesus, mussten ihnen klarmachen, dass ihnen das keinen Freifahrtschein für irgendwas gibt, sondern eben auf dieses Erbe und diese Erwählung verpflichtet. Also: geht den Weg Abrahams,  bringt der Erwählung würdige Früchte, seid wirklich Israel, dann werdet ihr auch den Gesalbten empfangen, wie es angemessen ist und sein Heil erleben, aber so… So seid ihr nur Namens-Erwählte, so wie heute viele Namenschristen sind, die meinen, weil sie als Baby getauft wurden und ab und an in die Kirche gehen, seien sie „gut“ und christlich „genug“, aber dem ist nicht der Fall.

Natürlich mussten die Propheten und auch Jesus dieses Pochen auf Äußerlichkeiten mit der trügerischen Idee, dies wäre, worum es geht, angreifen und in Frage stellen, denn Gott sieht auf das Herz und nicht auf das Äußere. Man kann äußerlich ja viel Gutes tun, ohne gut zu sein. Man kann die Menschen anlächeln, obwohl man sie verachtet, usw. Gott ist an unserer Wahrheit interessiert.

Viele Propheten, die Gott zu seinem Volk sandte, wurden bekannter Weise von diesem verfolgt und getötet, weil ihm nicht gefiel, was diese Boten ihnen ausrichten ließen. Daran hat sich nichts geändert. Wir wollen Prediger anstellen, die gemäß unseren Vorstellungen und Agenden das sagen, was wir hören wollen. Die uns anerkennen und nicht infrage stellen – schließlich zahlen wir für sie! Die uns sagen, „wonach uns die Ohren jucken“, und „Frieden, Frieden“, auch wenn da kein Frieden ist. Das alte Problem: Das Leben in der Lüge ist viel angenehmer, als sich den unbequemen Wahrheiten zu stellen. Also setzen wir weiter auf Äußerlichkeiten, die die Innerlichkeiten verdecken. Lies die Bibel, geh in die Gemeinde, zahl den Zehnten, lass dich taufen, christlich verheiraten und beerdigen… Mach einfach ein frommes Gesicht und nichts steht deiner Reise in den Himmel im Wege! Genau…

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