Die Hand an den Pflug legen

„Niemand, der seine Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes.“ (Jesus in Lukas 9,62)

threshing-machine-1407510Dieses Wort schließt eine kleine Rede von Jesus über die „rechte Nachfolge“ ab. Einige Leute waren zu Jesus gekommen und wollten mit ihm gehen, verknüpften damit jedoch bestimmte Bedingungen bzw. Vorstellungen oder aber wollten zuerst noch schnell was Anderes erledigen.

Jesus lehnte das ab, obwohl es gut verständliche Angelegenheiten waren, um die es den Nachfolge-Anwärtern ging. Die Antworten Jesu an ihre Adresse kommen einem doch sehr „hart“ vor. Warum?

Nun, wenn wir erst einmal mit den Kompromissen, Einschränkungen und Bedingungen anfangen, wird Jesus bald nur noch ein weiterer Termin in unserem Kalender und Punkt auf unserer „To-do-Liste“ sein. Wir schieben ihn auf den Feierabend – wenn gerade nichts anderes Wichtiges ist natürlich – und aufs WE in einen Gottesdienst, der hoffentlich nicht zu lange dauert. Dann ist die „Sache“ erledigt und die Nachfolge auch noch irgendwie in unserem überfüllten Leben untergebracht. Puh.

Obwohl jeder von uns aus eigener Erfahrung weiß, das es so nicht funktioniert und dabei niemals „Tauglichkeit“ für das Reich Gottes herauskommt, wird es doch allenthalben so betrieben. Warum? Warum wollen wir Jesus nicht zu seinen Bedingungen nachfolgen?

Nun, dies würde unser Leben komplett auf den Kopf stellen, es würde das Missfallen unserer Familien, Freunde und Kollegen nach sie ziehen, die uns für extrem und „fundamentalistisch“ halten würden; es würde überhaupt alle Ansprüche aller anderen hinten anstellen, was denen nicht gefallen würde – und wie abhängig sind wir doch vom Gefallen anderer!

Um Jesus zu folgen, müssten wir unser bisheriges Leben in gewisser Weise beenden und noch mal neu unter anderen Vorzeichen beginnen. Wir müssten „sterben“ – denn an einen Toten stellt keiner mehr Ansprüche – und „auferstehen“ zu einem neuen Leben gemeinsam mit Jesus – 24/7. Die Entscheidung für diesen Tod und diese Auferstehung mit Christus nennen wir gemeinhin „Bekehrung“ – den Anfang der Nachfolge. Und ja, viele haben angefangen und viele haben auch gut angefangen und wirklich Jesus erlebt, aber dann…

Was stellen wir uns eigentlich unter dem „Reich Gottes“ vor, von dem Jesus spricht? Etwas Jenseitiges, Esoterisches, Unpraktisches? Was hat unser Alltag damit zu tun? Wenn es nach Jesus geht: alles.

Das Reich Gottes will und erfordert uns ganz…oder gar nicht. Das ist wie mit einer Schwangerschaft: ein „bisschen“ schwanger geht nicht. Jede Schwangere realisiert irgendwann, dass sie Mutter wird: ganz oder gar nicht. Dies verändert ihr Leben grundlegend. Sie muss eine Entscheidung treffen, „die Hand an den Pflug zu legen“ und ihr Leben ohne Kinder definitiv hinter sich zu lassen. Wer dazu nicht bereit ist, sollte keine Kinder bekommen, denn die werden sonst so behandelt wie Jesus, wenn wir nicht ganze Sache machen: Sie werden „terminiert“, „delegiert“ oder „eliminiert“. Erst wer Mutter wird „mit ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Verstand und aller Kraft“ (vgl. Mk 12,30) wird eine „gute“ Mutter bzw. eine richtige Mutter.

Wollen wir das ECHTE – egal in welchem Bereich – müssen wir ganze Sache machen, das ist der Preis. Darum Jesu „harten“ Ansagen an die Anwärter. Es gibt keine „Teilzeit“- oder „Wochenend“-Nachfolge.

In unserer heutigen Zerstreuungs-Kultur müssen wir in uns gehen und uns fragen, wofür wir unser Leben wirklich einsetzen wollen. Und dann lassen wir die so gut präsentierte sowie aufdringliche Ablenkung vom Wesentlichen hinter uns und werden entschieden echt, bzw. tauglich.

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