Du hast das Recht, deine Beziehung zu Gott nach deinem besten Wissen zu gestalten…

rules-1339917

nach deinem Verständnis, wer Gott ist,

auch wenn es viele Menschen geben wird,

die dir mit Nachdruck sagen werden,

wie dies Beziehung auszusehen hat.

Sie werden dir sagen,

was du darfst und was nicht,

wie du etwas zu sehen hast und wie nicht,

wo deine Grenzen sind und wo nicht,

wie die Geschichte und die Gegenwart zu verstehen sind und wie nicht,

wer falsch war und ist und wer nicht.

Sie werden viel zitieren, sich berufen, sich in das „man“ flüchten

und nicht müde werden, sich zu ereifern und um dein Seelenheil zu kämpfen.

Und keiner wird mit dem anderen übereinstimmen,

aber jeder wird behaupten, daß es so ist, wie er/sie es sagt

– und nicht anders.

Ich weiß nicht, wie du deine Beziehung mit Gott gestalten kannst.

Du mußt in dich horchen.

Ich lerne es langsam für mich

und muß dabei viel verlernen,

ehe ich Platz habe, Neues zu entwickeln.

Aber was für mich gilt, gilt vielleicht nicht für dich.

Meinen Weg gehe nur ich.

Und so, wie ich es nicht für dich weiß,

erlaube ich auch niemandem mehr, es für mich zu wissen,

selbst wenn ich das Bedürfnis habe, mich anzulehnen.

Mit dem Recht,

meine Beziehung zu Gott zu gestalten,

erlebe ich auch die Pflicht,

dich ich mir selbst auferlege,

Worte, Gedanken, Gelesenes, Gehörtes

für mich zu deuten,

auch wenn es viel leichter wäre,

mich in die Deutungen anderer hineinzugeben

und sie verantwortlich zu machen

für die Inhalte meines Glaubens.

Du hast das Recht,

die Nähe und den Abstand zu Gott zu bestimmen.

Du hast das Recht,

dich durch Sprache oder Schweigen Gott gegenüber zu artikulieren.

Du hast das Recht, zu glauben, was du glauben kannst.

(Ulrich Schaffer, „Grundrechte“, Kreuz-Verlag, S. 20-21)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.